Musikfest Bremen: Thomas Hampson und die Kammerphilharmonie verbreiten „American Spirit“ Mit Charme, Schwung und Swing

Bremen. Mit dem englischen Begriff „Spirit“ kann man vieles bezeichnen: Geist, Temperament, Stimmung, Seele – und auch Alkohol. Wenn also ein Programm „American Spirit“ heißt, dann dürfen die Zuhörer gespannt sein.
02.09.2016, 00:00
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Mit Charme, Schwung und Swing
Von Iris Hetscher

Bremen. Mit dem englischen Begriff „Spirit“ kann man vieles bezeichnen: Geist, Temperament, Stimmung, Seele – und auch Alkohol. Wenn also ein Programm „American Spirit“ heißt, dann dürfen die Zuhörer gespannt sein. Wenn zudem die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen aufspielt und sich den im doppelten Sinn großen Bariton Thomas Hampson einlädt, umso mehr. Und so erlebte das Publikum in der Glocke einen Abend, der stimmungsmäßig zweigeteilt war.

Vor der Pause erklangen eher die nachdenklichen Töne. Die Kammerphilharmonie unter dem Dirigat von Kristjan Järvi leitete ihn ein mit Samuel Barbers (1910-1981) „Essay Nr. 1 op. 12“, das aus zwei Teilen besteht, die ineinander verschränkt gespielt werden. Järvi ließ sehr legato und getragen in der tieferen Streichersektion beginnen, dadurch setzte sich das Scherzo klar, scharf und leicht nervös in den Bläsern ab; die sich entspinnende musikalische Debatte endete (auch harmonisch) unaufgelöst. Mit derselben Präzision begleiteten die Musiker unter einem zunehmend quirliger agierenden Kristjan Järvi Thomas Hampson bei dem von multiplen musikalischen Einflüssen und Ideen lebenden Liederzyklus „Letters from Lincoln“, den Komponist Michael Daugherty dem Ausnahme-Sänger auf den Leib geschrieben hat. Hampson kann bei den sieben unterschiedlich langen Liedern die komplette Bandbreite seines Könnens einsetzen: das samtige wie kräftig-saftige Element seiner Stimme, sein kontrolliertes Vibrato und sein enormes Talent, Lieder als schauspielerische Skizzen zu gestalten.

Das galt auch für die „Old American Songs“ von Aaron Copland (1900-1990), die Hampson im zweiten Teil vortrug. Deutlich heiterer und volkstümlicher wurde es nach der Pause; Coplands Beitrag zur musikalischen Moderne speiste sich aus Folksongs, Marschmusik und Jazz – ab und an ließ er sich auch von atonaler Musik inspirieren. Die „alten amerikanischen Weisen“ interpretierte Hampson mal als sentimentale Stimmungsbilder wie in „Silent Gift“, mal als Gaunerei („The Dodger“), dann übersprudelnd in dem vertonten Kinderreim „I Bought Me A Cat“, bei dem die Kammerphilharmonie als Ansammlung schelmischer Lautmaler überzeugte. Unnötig zu erwähnen, dass Orchester, Dirigent und Solist eine beeindruckende Einheit bildeten; hier wurde nicht nur hochklassig und perfekt aufeinander abgestimmt musiziert – einmal mehr sind Holz und Blech hervorzuheben –, hier hatten auch alle so richtig Spaß. Mit genauso viel Schwung wie Swing ging die Kammerphilharmonie dann Coplands viersätzige Ballettmusik „Rodeo“ an, die Järvi allerdings gleich sehr forte begann, wodurch die Ausgestaltung der Dynamik etwas zu wünschen übrig ließ.

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