Premiere im Theater am Leibnizplatz

Mord und Intrigen am Königshof

Bremen. Bei „Königs“, um Hape Kerkeling zu zitieren, wird viel gemordet, und so bringen sich auch die Regenten in dem neuen Stück „Mord, Macht, Tod“ bei der Bremer Shakespeare Company reihenweise gegenseitig um.
01.02.2014, 00:00
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Mord und Intrigen am Königshof
Von Uwe Dammann
Mord und Intrigen am Königshof

Swingender König mit Fußvolk im Shakespeare-Drama im Theater am Leibnizplatz.

MARIANN_MENKE

Heinrich IV. lässt Richard II. absetzen und umbringen, der neue Regent wird von Heinrich V. getötet, und auch Heinrich VI. kommt schon als Kind auf den Thron, weil sein Vorgänger getötet wird. Bei „Königs“, um Hape Kerkeling zu zitieren, wird viel gemordet, und so bringen sich auch die Regenten in dem neuen Stück „Mord, Macht, Tod“ reihenweise gegenseitig um. Die Premiere um die oft grausamen Mechanismen von Machtgewinn und Machtverlust fand im Theater am Leibnizplatz statt.

Zimperlich sind sie nicht gerade, die Regenten aus der englischen Geschichte, die sich gegenseitig ins Jenseits befördern. Der eine kommt an den Galgen, einer wird vergiftet, der andere erdolcht und so weiter. Und das alles, um an die Macht zu kommen oder die eigene Macht zu erhalten. Zwischendrin allerdings machen die Regenten auch Politik oder halten lang anhaltende Monologe an ihr Volk, während man gleichzeitig zusehen kann, wie um sie herum die nächste Intrige gesponnen wird. Das ist, grob skizziert, der Inhalt des Dramas „Mord, Macht, Tod“, das am Donnerstag in der Shakespeare Company Premiere hatte. „Lasst uns von den Gräbern reden, Würmern, Grabinschriften. Den Staub zum Schreibheft machen, und mit Tränentinte ,Kummer’ einschreiben in den Leib der Welt. Und Trübes reden übern Tod von Königen. Wie mancher nun entthront wurd, mancher fiel.“

King Louie aus Dschungelbuch

Dieses Libretto von William Shakespeare zum Auftakt als Monolog gehalten, fasst den Inhalt der Inszenierung schon in wenigen Sätzen zusammen. Aber die Shakespeare Company wäre nicht die Company, wenn sie nicht das grausame Treiben auf der Bühne durch viele lustige Einlagen ergänzen würde. Da singt ein Regent die ersten Zeilen des berühmten King-Louie-Songs aus dem Dschungelbuch. Und nach der Pause gibt eine scheinbar spontan zusammengestellte Band mit E-Gitarre und Bass den alten Blues-Klassiker „I’m a King Bee, and I want you be my Queen“ zum Besten, während König Heinrich V. (Petra-Janina Schultz) mit Krone und langem Königsmantel dazu performt. Doch trotz aller Einlagen – das Stück wird durch Monologe der Potentaten geprägt, die der gesamten Inszenierung Längen geben. Jeder König sinniert in endlosen Sätzen darüber, dass es ihm an Schlaf mangelt, wie er das Volk regieren will und dass er ständig (begründete) Angst vor dem Tod hat. Wenn auch überspitzt, inszeniert „Mord, Macht, Tod“ englische Geschichte. Shakespeare ist der Dramatiker, der die Verwandlung von historischen Ereignissen in dramatische Literatur erfunden hat.

In seinen Königsdramen erfasst er die englische Historie von 1399 bis 1485 und zeigt in der wechselvollen Geschichte der beiden Zweige des Hauses „Plantagenet“ den oft grausamen Mechanismus von Machtgewinn und Machtverlust. Die Plattform des Theaters soll dabei die „große Politik“ offenbaren. Es ist ein Mammutprojekt, das die Regisseurin Johanna Schall für die Shakespeare Company in Angriff genommen hat. Sämtliche Königsdramen, die historisch betrachtet vor Richard III. liegen, hat sie gemeinsam mit der Dramaturgin Grit van Dyk zu einem Abend gebündelt.

Im Grunde sind es sieben Theaterabende in einem. Bei voller Textlänge hätte die Inszenierung wohl beinahe 30 Stunden gedauert.

Hier waren es dagegen rund drei Stunden, die das Wechselspiel um Macht und Intrigen dauerte. Am Ende bricht die allgemeine Ordnung zusammen und es herrscht völliges Chaos im britischen Königreich. Die Schauspieler, allen vorweg Petra-Janina Schultz als Heinrich V., Tobias Dürr als Richard II. und Erik Roßbander als Heinrich VI., agierten mit großer Spiellaune und profitierten in ihren Aktionen auf der Bühne von der exzellenten Lichtführung.

„Mord, Macht, Tod – Shakespeares Könige“ ist heute sowie am Freitag, 7. Februar, und am Sonnabend, 15. Februar, jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz zu sehen.

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