Erfolg der Jazzahead!

Musikfestival zahlt sich für Bremen aus

In der Bremer Landesvertretung in Berlin wurde lebhaft über den Erfolg der Jazzahead! gesprochen. 2017 ist das Festival Finnland gewidmet. Kultur-Staatsministerin verdoppelt die Förderung.
10.03.2017, 22:54
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Von Serena Bilanceri
Musikfestival zahlt sich für Bremen aus

Erika Stucky und ihre Band Bubbles & Bangs wurden 2016 bei ihrem Auftritt beim "Jazzahead!"-Festival in Bremen bejubelt.

Christina Kuhaupt

In der Bremer Landesvertretung in Berlin wurde lebhaft über den Erfolg der Jazzahead! gesprochen. 2017 ist das Festival Finnland gewidmet. Kultur-Staatsministerin verdoppelt die Förderung.

Kultur als Motor der Stadt: Die wirtschaftliche Relevanz von Kulturveranstaltungen wie etwa das Jazz-Musikfestival „Jazzahead!“ in Bremen war das Thema einer Diskussionsrunde am Donnerstagabend in der Bremer Landesvertretung in Berlin. Die jährliche Jazzmesse und das parallel laufende Kulturfestival hatten im vergangenen Jahr rund 22 000 Besucher verzeichnet.

Ein „eindrucksvolles Event“, das die Stadt attraktiver mache, so nannte es Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Er saß als Podiumsgast neben Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik Zentrale, Laura Hirvi, Leiterin des Finnland-Instituts in Deutschland, Ulrich Beckerhoff, künstlerischer Leiter der „Jazzahead!“ und Moritz Döbler, Chefredakteur des WESER-KURIER. Die musikalische Untermalung des Abends übernahm der finnische Jazzmusiker Kalle Kalima.

Schnell wurde klar: Auch eine erfolgreiche Veranstaltung braucht weiter Unterstützung. Immer wieder drehte sich die Diskussion um das Thema Finanzierung. „Jazzahead!“ wird von der Messe Bremen veranstaltet und finanziert sich nicht nur durch Teilnahmegebühren, Eintrittskarten und Sponsoren, sondern wird auch vom Bund und von der Stadt Bremen unterstützt.

Förderbetrag wird sich verdoppeln

Die Staatsministerin für Kultur und Medien fördere die Veranstaltung derzeit mit 100.000 Euro, so Ulrich Beckerhoff. Der Beitrag werde sich ab dem nächsten Jahr verdoppeln. Bremen beteilige sich finanziell in viel kleinerem Ausmaß. Noch sei es unsicher, wie diese Unterstützung künftig aussehen wird.

Dazu machte Wirtschaftssenator Günthner keine genauen Angaben. Er verwies jedoch darauf, dass die Fachmesse ein Beispiel sei, wie man „auch mit kleinem Geld aus Bremen erfolgreich sein kann“. Auch mache die Messe Bremen mit der Veranstaltung trotz des Erfolgs noch keinen richtigen Gewinn.

Für die Stadt zahle sich die Fachmesse aber dank der Einnahmen aus dem Tourismus auch wirtschaftlich aus, fügte der Senator hinzu. 2016 hatte „Jazzahead!“ der Region rund 2,6 Millionen Euro durch Tickets, Übernachtungen und Besucherausgaben eingebracht.

Diskutierten in der Bremer Landesvertretung, von links: Peter Siemering, Martin Günthner, Laura ­Hirvi, Moderator Hans Jessen, Moritz Döbler und Ulrich Beckerhoff.

Diskutierten in der Bremer Landesvertretung, von links: Peter Siemering, Martin Günthner, Laura ­Hirvi, Moderator Hans Jessen, Moritz Döbler und Ulrich Beckerhoff.

Foto: www.michaelihle.de und MICHAEL IHLE, Michael Ihle

Stadt sollte keinesfalls die Zuschüsse kürzen

Anwesend bei der Diskussion waren auch Wulf Herzogenrath, Leiter der Sektion Bildende Kunst an der Berliner Akademie der Künste und ehemaliger Leiter der Kunsthalle Bremen, sowie Ulrike Hiller, Bundesbevollmächtigte für Europa und Entwicklungszusammenarbeit.

Herzogenrath betonte, es sei ein Fehler, wenn eine Stadt ihre Zuschüsse kürze, sobald eine Veranstaltung erfolgreich werde. „Die Grundausstattung muss von der öffentlichen Hand kommen“, sagte er, die Sponsoren böten „die Sahnehaube darauf“. Beckerhoff wies schließlich darauf hin, er habe für das Festival sogar starke Angebote aus dem Ausland bekommen. Trotz des freundlichen, entspannten Rahmens waren es klare Aufforderungen an die Stadt Bremen.

Die Gäste sprachen auch über die Gründe für den internationalen Erfolg der „Jazzahead!“. Dass die Veranstaltung „einmalig, besonders und so ausgestattet ist, dass man sich steigern kann“ ist für Herzogenrath das Rezept zum Erfolg. In Bremen sei so etwas möglich. Die Angebote kämen an, auch weil die kulturelle Vielfalt in einer kleineren Metropole nicht so groß sei wie etwa in Berlin. Und das Publikum des Festivals nutze die Gelegenheit, die Stadt zu erkunden.

Festival ist Finnland gewidmet

Letztlich komme es jedoch auf die Personen und das Netzwerk an, die die Veranstaltung unterstützen. „Das ist nicht eine Frage des Geldes, sondern der Intelligenz“, so Herzogenrath. Während der „Jazzahead!“ 2016 verbrachten die Besucher im Schnitt 2,6 Nächte in Bremen. Rund 60 Prozent kamen aus dem Ausland, vorwiegend aus europäischen Ländern, Kanada und den USA.

Die Jazz-Fachmesse hat einen international renommierten Ruf. Parallel wird seit 2011 ein zweiwöchiges Kulturfestival organisiert. Das Thema ist musikalische, literarische und visuelle Kunstproduktion aus jeweils einem anderen Land. Dieses Jahr findet die Messe von 27. bis 30. April statt. Das Festival beginnt bereits am 15. April und ist diesmal Finnland gewidmet.

„Für uns ist es eine Win-Win Situation“, sagte die Leiterin des Finnland-Instituts in Deutschland, Laura Hirvi. „Dank der Teilnahme am Festival haben wir einen leichteren Zugang zu den Partnern vor Ort, bei denen die Künstler auftreten“, erklärte sie. „Die Türen stehen uns schon offen.“ Das bringe wiederum auch Bremen etwas: Die Hansestadt mache sich dank des Musikfestivals in dem skandinavischen Land bekannt.

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