Südtiroler Trio Ganes spielt in der Music Hall Worpswede und überzeugt mit harmonischen Kontrasten Musikmärchen für Erwachsene

Worpswede. Geschichten von Wassernixen, Zwergen, Prinzessinnen und Murmeltieren – das lässt zunächst eher auf Weihnachtsmärchen, nicht aber auf ein spannendes, innovatives Musikprojekt zwischen Pop und Tradition schließen. Aber genau um solches Personal kreisen die Lieder des Südtiroler Trios Ganes, das jetzt zum zweiten Mal in der Music Hall Worpswede einen in jeder Hinsicht zauberhaften Konzertabend kreierte.
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Von Lars Fischer

Worpswede. Geschichten von Wassernixen, Zwergen, Prinzessinnen und Murmeltieren – das lässt zunächst eher auf Weihnachtsmärchen, nicht aber auf ein spannendes, innovatives Musikprojekt zwischen Pop und Tradition schließen. Aber genau um solches Personal kreisen die Lieder des Südtiroler Trios Ganes, das jetzt zum zweiten Mal in der Music Hall Worpswede einen in jeder Hinsicht zauberhaften Konzertabend kreierte.

Es ist schwierig, dem Kern dieser Musik mit Worten nahezukommen, die nicht klischeebeladen sind, und meint man, welche gefunden zu haben, sind die drei Nixen – nichts anderes bedeutet der Begriff Ganes aus der Muttersprache der Musikerinnen – schon wieder in andere Ausdrucksformen entfleucht. Das Bild der Halbwesen passt perfekt, auch wenn bei ihnen die Verlockung völlig gefahrlos ist und nicht, wie im Märchen, Verderben und Tod lauern, sondern lediglich ein völlig von Nebenwirkungen befreiter Genuss mit allerdings rauschhaften Ausprägungen.

2010 taten sich die beiden Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen und ihrer Cousine Maria Moling zusammen, um ihr eigenes Bandprojekt zu formen. Zuvor waren alle drei Mitglieder der Band Hubert von Goiserns, der mit seiner Neudefinition österreichischer Volksmusik sicher als Vorreiter für die drei Musikerinnen aus dem Dolomiten-Dorf La Val gelten kann. Die Besonderheit bei Ganes ist, dass sie ihre Lieder auf Ladinisch singen, eine rätoromanische Sprache, die heute nur noch rund 30 000 Menschen beherrschen.

So haben sie für die Präsentation ihres aktuellen Programms „An cunta che“ („Man erzählt sich“) zwei männliche Unterstützer auf die Bühne geholt: Einer ist ein hölzernes Murmeltier, das dank Einspielern in die Inhalte der Lieder einführt. Der andere ist der Keyboarder Alessandro Trebo, der den Abend mit einem neoklassischen Solostück am Flügel bereits äußerst vielversprechend eröffnet. Die drei Hauptdarstellerinnen gesellen sich dann dazu und zeigen, wie mit relativ überschaubarem Instrumentarium ein extrem abwechslungs- und spannungsreiches Klangbild entstehen kann. Beide Schuen-Schwestern sind ausgebildete Violinistinnen, Elisabeth zudem noch studierte Vokalistin. Sie spielt außerdem Hackbrett, Marlene Synthesizer. Maria Moling wechselt beim Konzert zwischen Gitarren und Schlagzeug, setzt sich aber auch für ein Stück an den Flügel.

Alle drei sind starke Individualistinnen, jede für sich mit einer unterschiedlichen, prägnanten Gesangsstimme. Sie alle aber nehmen sich zugunsten eines detailreichen, extrem sauber abgemischten Gruppenklangs zurück ohne dabei ausgebremst zu wirken. Ihre Beiträge gehen auf in Arrangements, die mal dezent elektronisch pochen, mal klassisch erhaben schweben und mal verspielt zwischen bodenständigen Überlieferungen und leichtem Pop davongleiten. Die Kontraste machen den Reiz aus, werden aber unerhört harmonisch zusammengeführt. Obwohl viele der Themen schwermütig und traurig sind, ist die Musik erstaunlich hell und anmutig, ohne seicht zu werden. Alles mündet in einen überraschend unkonventionellen Märchenabend mit betörend schönen Klängen.

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