Protest auf Youtube

Musikvideos sollen Bremens Kulturszene retten

Eine Protestwelle steht Bremen bevor. Das hofft zumindest die Musikszene der Stadt. Unter dem Hashtag #bremenlebt wollen Musiker die Kulturszene retten. Die Initiative kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.
02.04.2015, 15:41
Lesedauer: 2 Min
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Musikvideos sollen Bremens Kulturszene retten
Von Kathrin Aldenhoff

Julia von Wild reicht es. Im Viertel mussten im vergangenen Jahr immer wieder Konzerte abgesagt werden, den Anwohnern war es zu laut. Als Anfang des Jahres auch im neu eröffneten Karton in der Neustadt eine Konzertreihe wegen Anwohnerbeschwerden platzte, war der Projektleiterin vom Verein Musikszene Bremen klar: Es muss etwas passieren. Bevor es zu spät ist.

Nun ist etwas passiert; die Bremer Band Faakmarwin hat den Anfang gemacht. Die Musiker wollen die Kulturszene Bremens retten. Oder zumindest einen Beitrag dazu leisten. Sie haben ein Video gedreht, den Hashtag #bremenlebt erfunden und andere Bands eingeladen, sich ebenfalls zu positionieren.

„Sie haben eine Welle losgetreten“, sagt Julia von Wild. Ihr Verein setzt sich für die Bremer Subkultur ein und sie freut sich über das Engagement der Musiker. Eine Reaktion gibt es schon: Einen Tag nach Faakmarwin hat die Band Mouving Houses ein Video mit dem Hashtag #bremenlebt veröffentlicht. Und es kommt noch mehr, kündigt Julia von Wild an: Der Musiker Grillmaster Flash plant mit mehreren anderen Bands eine größere Aktion, die Band Alltag geht das Ganze ironisch an und will ein Willkommenskonzert für die Gentrifizierung spielen, und auch die im Video von Faakmarwin angesprochene SPD-Kulturpolitikerin Karin Garling plant offenbar ein Video.

Das Problem im Viertel und auch in der Neustadt ist: Anwohner beschweren sich über zu laute Konzerte, zu laute Kneipengänger, dreckige Straßen; die Antwort von Faakmarwin: „Bremen lebt in der Nacht.“ Und: „Wenn ihr Ruhe wollt, zieht nach Schwachhausen.“

In der vergangenen Woche, am Donnerstagmorgen um 3:45 Uhr hatte der Inhaber der Kneipe Eisen im Viertel seinem Frust auf Facebook freien Lauf gelassen. Er befürchtet, „dass das Viertel in absehbarer Zeit zu einem reinen Wohnfriedhof für Wutwohnbürger degeneriert sein wird!“

Das war der Auslöser, der die Band Faakmarwin dazu brachte, ihren Protestsong zu schreiben. Am Ende des Videos laden sie weitere Bands und Personen ein, ihren Beitrag zu leisten: Vor allem wünschen sie sich ein Bekenntnis von Johannes Strate und seiner Band Revolverheld zu Strates Heimatstadt. Von ihm hat Julia von Wild aber bisher noch nichts gehört.

„Wir brauchen eine Debatte“, sagt Julia von Wild. Es gehe nicht nur um die Lärmbeschwerden. Es müsse ein Bewusstsein dafür entstehen, dass etwas verloren gehe, wenn es immer weniger Konzertbühnen gebe. Und zwar nicht nur für Clubbesitzer und Musiker.

Mehr als 7000 Mal wurde das Video von Faakmarwin seit Montag geklickt, die Antwort von Moving Houses rund 500 Mal. Ihr Video zeigt die Releaseparty ihrer neuen Platte. Dieses Konzert wollten sie eigentlich im Karton in der Neustadt spielen. Wegen der Beschwerden der Anwohner musste es abgesagt werden. Sie haben dann ein paar Ecken weiter, auf der Baustelle einer Shisha-Lounge gespielt. Kreativ. Aber sicher keine Dauerlösung.

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