Heino im Interview

"Ich habe mich nie auf meinen Lorbeeren ausgeruht"

Eigentlich wollte er aufhören, jetzt geht Heino doch wieder auf Tour und macht mit "Heino goes Klassik" auch in Bremen Halt. Im Interview spricht er vorab darüber, wie es ist, eine Kultfigur zu sein.
28.09.2021, 10:57
Lesedauer: 5 Min
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Von Alexandra Knief

Heino, nach 60 Jahren im Rampenlicht kann man wohl ruhigen Gewissens sagen: Sie haben Kultstatus. Wie fühlt sich das an, eine Kultfigur zu sein?

Heino: Ich muss sagen, das fühlt sich sehr gut an. Ich freue mich, dass ich es bis dahin geschafft habe. Viele haben es versucht, aber nur wenige geschafft. 

Was ist denn das Geheimrezept? 

Wenn man eine breite Palette hat, die die Stimme auch bewältigen kann, dann bleibt man eben lange im Geschäft. Ich habe Volkslieder gesungen, Schlager, Seemannslieder, Fahrtenlieder, Rock und Klassik. Den Leuten hat das immer Spaß gemacht und mir hat es Spaß gemacht, ihnen immer wieder etwas Neues zu präsentieren. Ich habe mich nie auf meinen Lorbeeren ausgeruht, habe nie gesagt: So, jetzt habe ich den Enzian gesungen, jetzt läuft alles. Wenn man sich nicht weiterentwickelt, läuft gar nichts. Man darf nicht stillstehen. 

Sie haben gerade Ihre „Heino goes Klassik“-Tour gestartet. Heino und Klassik – wie passt das zusammen?

Das passt gut zusammen, denn ich habe ja mit Klassik angefangen, habe Schubert, Mozart und Bach gesungen. Dann bin ich aber Mitte der 60er-Jahre von Ralf Bendix für die Schallplatte entdeckt worden, und wir haben angefangen, Volkslieder zu machen. Lieder, die zur damaligen Zeit verpönt waren, die belächelt wurden, und die keiner mehr singen wollte. Ich habe mir gesagt: Schlagersänger gibt es schon en masse, ich wollte anders sein. 

Am 8. Oktober erscheint – passend zur Tour – das Album „Heino goes Klassik“. Was erwartet die Fans live und auf CD?

Ich habe unter anderem ein Lied gemeinsam mit Yury Revich gesungen. Er begleitet mich auch auf der Tour mit seiner Violine. Auf dem Album singe ich zum Beispiel Lieder von Schubert, Bach, Tschaikowski, Brahms. Was wir auf der Tournee spielen, wird auch auf der CD sein. Das Repertoire besteht aus vielen Liedern, die man heute nicht mehr so häufig findet. Weil wir wegen Corona leider kein großes Orchester mit auf Tournee nehmen konnten, habe ich noch Franz Lambert, einen der besten klassischen Organisten, eingeladen, uns zu begleiten. Wir werden also vom Feinsten musizieren. 

Eigentlich haben Sie sich 2018/19 mit dem Album „Und tschüss“ und einer Abschiedstour schon von der Bühne verabschiedet – wie kommt es, dass Sie es sich anders überlegt haben?

Ich habe zu Hause gesessen und Trübsal geblasen, bis meine Frau Hannelore sagte: ‘Heino, was ist los mit dir? Du bist nicht mehr der Alte. Am besten, du gehst wieder singen.’ Das war der Startschuss, auf den ich gewartet hatte. Also habe ich mir wieder was Neues ausgedacht. 

Sie haben die Nase also noch nicht voll vom Touren und auf der Bühne stehen? 

Ich habe die Nase noch lange nicht voll. Ich könnte zu Hause sitzen, da scheint sicher die Sonne, aber mir macht es Spaß, noch zu arbeiten und zu singen. Ich bin auch noch fit und habe keine Wehwehchen. Ich will so lange das Leben musikalisch auskosten, wie es geht. 

Sie haben häufiger erwähnt, dass Sie, wenn andere Künstler nach den Auftritten noch gemeinsam einen trinken gegangen sind, lieber ins Bett gegangen sind. Ist das das Geheimnis für lange Gesundheit? Den Schnaps einfach weglassen? 

Ja, gerade bei der Hitparade in den 1970er-Jahren sind die Interpreten, die mit mir aufgetreten sind, alle noch im Hotel in die Bar gegangen. Ich habe aber oft am nächsten Tag den ersten Flug genommen und musste früh raus. Im Hotel kamen mir da morgens manchmal noch die Kollegen entgegen und waren sehr lustig und heiter. Das habe ich nicht mitgemacht. Ich wollte meinen Vertrag nicht aufs Spiel setzen, und Alkohol hat mir damals auch nicht geschmeckt. Eigentlich heute noch nicht. Das einzige, das ich mal trinke, ist ein Gläschen Rotwein, und dann ist auch schon Schluss. Ich habe mein Leben heute immer noch im Griff. 

Star-Allüren, Sex, Drugs & Rock 'n' Roll – das gab es bei Ihnen also nie?

Das hat es bei mir in dieser Form nicht gegeben. Ich hatte auch immer viel zu viel Respekt vor meinem Team und den Leuten, die an meiner Arbeit mit dran hingen. Da einfach mal nicht aufzutauchen, das hätte ich mich nie getraut. Wenn man aus dem Nichts heraus in ein Umfeld kommt, wo viel Geld verdient wird, dann lernt man Pflichtbewusstsein. Ich wollte das alles nicht aufs Spiel setzen. 

Trotz Pflichtbewusstsein ecken Sie manchmal an. Als Sie 2013 ein Coveralbum mit Ihren Versionen bekannter Pop-, Hip-Hop- und Rocksongs veröffentlichten, fanden das ja nicht alle gut...

Also ich fand das Album gut. Es hat mir Platin eingebracht. Die, die das nicht gut fanden, waren die Interpreten selbst. Nur Rammstein haben mich angerufen, um mich zu fragen, ob ich mit ihnen beim Wacken Open Air singe. Also habe ich mit den Jungs dort gesungen. Sie waren sehr nett, wir haben gut harmoniert. Die anderen Künstler haben mich dann auch nicht interessiert. Sie alle haben ja auch finanziell von dem Projekt profitiert. Im Nachhinein sollten die mir also danken. Aber sowas haben die wahrscheinlich nie gelernt. 

Immerhin sind sie jetzt Rammstein-Fan...

Ja, ich bin Rammstein-Fan, weil sie so nett zu mir waren. Till Lindemann habe ich seit damals auch schon einmal in Kitzbühel beim Weißwurst-Essen wieder getroffen. 

Sie haben angekündigt, auch einige Ihrer Rock-Cover auf der Tour zu singen, allerdings in einem klassischen musikalischen Gewand – Rammstein in einem klassischen Gewand, wie muss man sich das vorstellen?

Man nimmt das Schlagzeug weg, den Bass, die laute Bass-Gitarre und macht alles ein bisschen harmonischer. Die Urkraft muss entfernt werden. Das Gerippe bleibt, und da kommt immer noch was Gutes bei raus. Auch, wenn sich ja eigentlich jede Musik besser anhört, wenn man sie laut spielt.

Rock, Hip-Hop, Klassik – das hatten wir ja nun alles. Worauf können sich Ihre Fans in Zukunft noch freuen? Wie wäre es zum Beispiel mal mit Heino auf Englisch?

Da bin ich strikt dagegen. Meine damalige Schallplattenfirma wollte schon immer, dass ich mal Englisch singe. Aber ich finde, da ist keine Notwendigkeit da. Tatsächlich wollten sogar Genesis mich mal als Sänger haben. Ich wusste aber damals gar nicht, wer das war, also habe ich abgesagt. Ich habe auch hier genug Erfolg mit meinem deutschsprachigen Programm. Wir haben so eine schöne Sprache, dabei bleibe ich lieber. Aber: Wir haben noch viele Pläne. Kommendes Jahr werden sich sicher viele fragen: Was ist dem Heino da nur wieder eingefallen? 

Das Gespräch führte Alexandra Knief.

Zur Person

Heino (82)

heißt eigentlich Heinz Georg Kramm und ist vor allem als Interpret deutscher Volkslieder bekannt. Er steht seit 60 Jahren auf der Bühne, seine blonden Haare und die Sonnenbrille sind zu seinen Markenzeichen geworden. Eigentlich gab Heino 2019 bereits seinen Abschied von der Bühne bekannt, nun geht er mit einem Klassik-Programm erneut auf Tour.

Info

Heino gastiert mit seinen Stargästen Yury Revich und Franz Lambert am 2. Oktober in der Bremer Glocke. Karten für den Klassik-Liederabend gibt es unter anderem telefonisch unter 0421-33 66 99.

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