Flucht in die Antarktis

Neu im Kino: „Bernadette"

Cate Blanchett mimt in „Bernadette“ eine ehemalige Star-Architektin am Rande eines Nervenzusammenbruchs. In Bremen ist der Film in der Schauburg und in der Gondel zu sehen.
21.11.2019, 17:21
Lesedauer: 2 Min
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Neu im Kino: „Bernadette
Von Alexandra Knief
Neu im Kino: „Bernadette"

Erst einmal angekommen, findet Bernadette Fox (Cate Blanchett) die Antarktis gar nicht mehr ganz so schlimm wie anfangs befürchtet.

Wilson Webb / Universum/dpa

Bevor Eltern ihren Kindern Versprechungen machen, sollten sie sich das wirklich genau überlegen. Denn Versprechen muss man halten. Da Bees (Emma Nelson) Noten ganz großartig sind, hat sie einen Wunsch frei. Und da die 15-Jährige nicht so ist wie andere Teenager, wünscht sie sich nicht etwa eine fette Party mit ihren Freunden, ein Moped oder eine ausgedehnte Shoppingtour. Nein, Bee möchte gern mit ihren Eltern in die Antarktis reisen. Und da denen einfach keine Ausrede einfällt, plant die Familie schon bald ihren Trip.

Bees Mutter Bernadette Fox (Cate Blanchett) allerdings versetzt die bevorstehende Reise in große Panik. Denn die einst erfolgreiche, etwas spleenige Stararchitektin hasst Menschen. Und davon sollten ihr, gefangen auf einem Schiff im Eis, so einige auf relativ engem Raum begegnen. Sie denkt sogar kurzzeitig darüber nach, sich spontan die Weisheitszähne ziehen zu lassen, um nicht mitfahren zu müssen, verwirft den Plan aber wieder.

Weil sie nicht weiß, wie sie sich sonst auf die bevorstehende Herausforderung vorbereiten soll, bestellt Bernadette über ihre virtuelle Assistentin, die irgendwo in Indien sitzt, eine Anglerweste mit ganz vielen Taschen, die sie bereits vor der Reise trägt. Ihr Mann Elgie (Billy Crudup) beginnt, sich zunehmend Sorgen um seine Frau zu machen, nicht nur wegen der Angelweste, sondern auch, weil sie kaum schläft, Tabletten hortet und sich immer wieder mit den Nachbarn und den anderen Müttern an Bees Schule anlegt.

Brombeerhecke löst Krieg aus

Bernadettes Lieblingsfeindin heißt Audrey (Kristen Wiig). Wenn diese sich nicht gerade über die Brombeerhecken aufregt, die von Bernadettes Grundstück auf ihres herüberwachsen, behauptet sie, Bernadette sei ihr mit dem Auto über den Fuß gefahren, oder findet eine andere Ausrede, um mit ihren Freundinnen über die Frau herzuziehen, die sich nie an Schulaktivitäten beteiligt und in ihren Augen auch sonst einfach gar nicht in die Nachbarschaft passt. Und so wird aus kleinen nachbarlichen Streitigkeiten bald ein ausgewachsener Krieg, in dem Bernadette außer ihrer Tochter Bee keine Verbündeten hat und nur noch einen Ausweg sieht: Flucht.

Der neueste Film von Richard Linklater („Boyhood“, „Before Sunrise“-Trilogie) heißt wie seine Hauptfigur schlicht und einfach „Bernadette“ und basiert auf dem Bestseller „Wo steckst du, Bernadette?“ von Maria Semple, der 2012 im Original („Where'd you go, Bernadette“), 2015 auch auf Deutsch erschien. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Bernadettes Tochter Bee. In Rückblicken erfährt der Zuschauer nach und nach, warum Bernadette nicht mehr arbeitet, und warum sie so ist, wie sie eben ist. Cate Blanchett gelingt es, Bernadette trotz all ihrer Macken zu einer überaus liebenswerten Figur zu machen, die den Zuschauer stets auf ihrer Seite hat. Ihr ist es einfach völlig egal, was andere über sie denken. Sie will gar nicht so perfekt und durchorganisiert sein wie ihre Nachbarinnen. Die einzigen Menschen, die Bernadette braucht, sind ihr Mann und ihre Tochter.

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Der mit tragischen Elementen gespickte, im großen Ganzen aber sehr lustige Film überzeugt mit einer ungewöhnlichen Titelheldin, die gerade durch ihre Imperfektion zu einem bewundernswerten Vorbild wird. Nur zum Ende hin rutscht der Film zu weit ins Unrealistische ab, strebt zu sehr nach dem „happily ever after“-Finale. Das ist schade, die Geschichte hätte problemlos ein bisschen mehr Drama verkraftet. Die wirklich traumhaften Landschaftsbilder aus der Antarktis von in der Sonne leuchtenden Gletschern und watschelnden Pinguinen, machen das allerdings wieder wett.

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In Bremen läuft der Film in der Schauburg und in der Gondel.

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