Kritik zum „Tatort“

Nichts als Tristesse

Der neue "Tatort" aus Kiel spielt in einem sogenannten sozialen Brennpunkt, in dem vor allem ihre Kinder arm dran sind, materiell und seelisch. Damit ist der Krimi an Trostlosigkeit kaum zu überbieten.
29.03.2015, 00:00
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Nichts als Tristesse
Von Silke Hellwig
Nichts als Tristesse

Die Kieler "Tatort"-Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) klären in ihrem jüngsten Fall den Mord an einem pädophilen Hartz-IV-Empfänger im Kieler Problem-Stadtteil Gaarden auf.

NDR/Christine Schroeder

Nicht selten ist es eine graue und düstere Welt, in der Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) ermitteln. Es geht um die Verlierer des Lebens, um Hoffnungslosigkeit und Drogensucht, Existenzangst und Einsamkeit.

Die neue Folge des NDR-„Tatorts“ krönt womöglich die Tristesse, der die Ermittler im hohen Norden ausgesetzt werden – „Borowski und die Kinder von Gaarden“ (ARD, 20.15 Uhr) ist an Trostlosigkeit kaum zu überbieten. Sie spielt in einem sogenannten sozialen Brennpunkt, in dem Eltern und vor allem ihre Kinder arm dran sind, materiell und seelisch.

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In einem der heruntergekommenen Wohnblöcke wird ein Toter gefunden. Ein Säufer, der wegen sexueller Übergriffe an Kindern im Gefängnis saß, wurde mit einem Hammer totgedroschen. Auf sich aufmerksam macht bei den Recherchen der Kieler Kripo ein ortskundiger Polizist (überzeugend dargestellt von Tom Wlaschhia), die Schmalspur-Ausgabe eines amerikanischen Cops, den Borowski umgehend verachtet und Sarah Brandt aus ihrer Kindheit kennt.

Verdächtig machen sich auch Kinder, die viel zu früh erwachsen werden mussten und in dem Toten jemanden fanden, den sie gemeinsam erniedrigen konnten. Es gibt überraschende Wendungen in diesem Fall. Es gibt erschütternde Momente und verstörende Szenen. Regisseur Florian Gärtner hat auf Tamtam verzichtet, genau das tut diesem „Tatort“ gut – die Handlung reicht vollkommen aus. Nicht von ungefähr handelt es sich bei den Autoren des Drehbuchs um Eva und Volker Zahn, deren Arbeit schon mit diversen Preisen gewürdigt wurde. „Borowski und die Kinder von Gaarden“ geht unter die Haut. Vor allem, weil die Handlung nicht weit hergeholt zu sein scheint. Den Stadtteil Gaarden gibt es tatsächlich im Südosten von Kiel. Und man ahnt: Gaarden ist überall, nicht nur in Kiel und leider auch nicht nur im „Tatort“

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