Serie Bremer Theaterprofis: die Bühnenbild-Werkstätten Nichts ist für die Ewigkeit

Bremen. Carsten Schmid und sein Team sorgen dafür, dass die Bühne nicht leer bleibt, wenn im Bremer Theater Oper und Schauspiel inszeniert wird. Die Werkstätten sind auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern untergebracht.
19.01.2010, 16:59
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Nichts ist für die Ewigkeit
Von Iris Hetscher

Bremen. Carsten Schmid und sein Team sorgen dafür, dass die Bühne nicht leer bleibt, wenn im Bremer Theater Oper und Schauspiel inszeniert wird. Die Werkstätten, in denen Schreiner, Schlosser, Dekorateure und Theatermaler arbeiten, sind auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern untergebracht.

Ein großer Trichter aus Holz liegt mitten im Raum, zwei Männer bekleben ihn mit Camouflage-Folie. "Das ist das hintere Ende mit einem Meter Durchmesser", sagt Carsten Schmid. Und fügt hinzu: "Der vordere Teil ist größer und misst sechs Meter im Durchmesser". Lange, ebenfalls mit tarnfarbenem Stoff bespannte Latten werden dazu noch aneinandergefügt - bisher liegen diese noch sauber übereinander gestapelt in einem Nebenraum.

Alles zusammen ist der Hingucker für das Bühnenbild der "Räuber". Das Stück von Friedrich von Schiller in der Inszenierung von Regisseur Volker Lösch hat am 27. Februar Premiere. Carsten Schmid, Leiter der Dekorationswerkstätten des Bremer Theaters, erklärt, was es mit dem Requisit auf sich hat: "Die Schauspieler können sich von hinten in den Trichter hineinfallen lassen und bewegen ihn dann mit Muskelkraft".

Schmid dreht sich um und deutet auf eine weitere Konstruktion: "Hier bauen wir noch einen Motor, mit dessen Hilfe dreht er sich auch. Das ist dann ein bisschen wie auf dem Freimarkt." Und schont die Kräfte der Darsteller.

30 Männer und Frauen arbeiten als Schlosser, Schreiner, Theatermaler, Plastiker und Dekorateure für das Bremer Theater, in mehreren hohen, hellenund großen Sälen, die zusammen eine Fläche von 2500 Quadratmetern umfassen, stellen sie alle Bühnenbilder für das Haus am Goetheplatz her.

An der Dekoration für die "Räuber" werkelt das Team von Carsten Schmid sechs Wochen lang; es ist allerdings nicht die einzige Aufgabe, die erledigt werden muss. "Meistens arbeiten wir an drei oder vier Produktionen parallel", erklärt der Werkstättenleiter - je nachdem, wie viele Premieren anstehen.

Trichter wird wieder verschrottet

Die Crux dabei ist eine, die jeder Handwerker außerhalb eines Theater empört von sich weisen würde: Von vorne muss alles glänzen, wer sich die Kulissen von hinten ansieht, merkt: Nichts ist hier für die Ewigkeit gebaut. Das würde sich nicht lohnen, denn die Produktionen werden 15 bis 20 Mal gezeigt, danach werden die Kulissen nicht mehr gebraucht. Auch der Trichter wird, wenn die Räuber sich ausgetobt haben, verschrottet.

Die Welt auf der Bühne, sie wird auch in der Dekoration nur vorgetäuscht. Deshalb sollen die Elemente auch nur wirken wie aus einem Guss - sie werden aber nach dem Baukastenprinzip in Einzelteilen gefertigt. Der Grund: Sie werden für die Produktionen schnell zusammen- und auseinandergebaut, bedacht werden muss zudem der schnelle Transport von den Werkstätten auf die Bühnen im Schauspielhaus und im Theater.

Ist eine Produktion vorbei, werden die Kulissen des Theaters aber nicht nur aus Gründen ihrer geringen Haltbarkeit in den Müllcontainer entsorgt. Das Bremer Theater verfügt lediglich über einen begrenzten Lagerraum im Magazin und zwei Außenlager in Hemelingen und im Bremer Umland. Auch auf einen Montagesaal muss Carsten Schmid verzichten, in der die Kulisse einmal komplett zusammengebaut werden könnte, bevor sie auf die Bühne gestellt wird.

Doch an diese Situation hat Carsten Schmid sich mittlerweile gewöhnt, er arbeitet seit zehn Jahren in Bremen, nach Stationen in Erlangen und Bonn und einem Studium der Theater- und Veranstaltungstechnik in Berlin. Außerdem freut er sich über einen Vorteil des Theaters: "Die Werkstätten sind im Haus, das ist in ganz wenigen Theatern so."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+