Straßenzirkusfestival in Bremen

"Nusquam" eröffnet La Strada

Bremen. Vor hunderten Zuschauern hat das internationale Straßenzirkusfestival "La Strada" am Donnerstagabend auf dem Domshof begonnen. Die Performance 'Nusquam' der portugiesischen Gruppe Teatro do Mar war vor allem eins: laut.
12.08.2010, 05:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Frauke Fischer
"Nusquam" eröffnet La Strada

Eindrücke von "Nusquam" auf dem Domshof.

Frank Thomas Koch

Bremen. Vor hunderten Zuschauern hat das internationale Straßenzirkusfestival "La Strada" am Donnerstagabend auf dem Domshof begonnen. Die Performance 'Nusquam' der portugiesischen Gruppe Teatro do Mar war vor allem eins: laut.

Um 22 Uhr begann die Auftaktveranstaltung auf dem Domshof. Hunderte Bremer und Gäste hatten es sich auf dem Boden gemütlich gemacht. Doch kaum dröhnten die ersten Elekto-Klänge aus den Lautsprechern, mussten die meisten von ihnen wieder aufspringen: Die vier Hauptakteure der Aufführung "rollten" in überdimensional großen Ballons mitten durchs Publikum. Das sorgte zwar für viel Aufmerksamkeit, kam aber nicht bei jedem gut an. Einige Zuschauer verloren durch die spontane Störung ihre Habseligkeiten und hatten Schwierigkeiten, sie in der Dunkelheit wieder zu finden. Andere stolperten über Beine und Füße, die sie nicht gesehen hatten.

Das Stück 'Nusquam' setzte sich tänzerisch und spielerisch sozialkritisch mit dem modernen Menschen auseinander. Eine Mischung aus Akrobatik, Tanz, Performance und Lichtprojektionen auf sieben Meter hohen Türmen gaben tatsächlich - wie im Programmheft angekündigt - ein spektakuläres Bühnenbild ab. Doch nicht jedem gefiel die Vorstellung.

"Wir sind enttäuscht", sagte eine Besucherin, die sich schon vorzeitig auf den Heimweg machte. "Früher hat La Strada immer so bunt und fröhlich begonnen. Aber diese Aufführung war nur etwas für ein ganz spezielles Publikum", sagte sie. Tatsächlich schien einigen Zuschauern die laute, hektische Musik nicht zu gefallen. Nicht wenige hielten sich die Ohren zu.

Das weitere La Strada Programm

In den nächsten Tagen sind insgesamt 23 Kompagnien aus zehn Nationen zu sehen, die an verschiedenen Spielorten in der Stadt, auf dem Martkplatz, dem Domshof, dem Börsenhof am Dieter-Klink-Platz, in den Wallanlagen gegenüber der Kunsthalle und am Café Sand in über 100 Vorstellungen zum Träumen und Staunen, zum Lachen und vielleicht auch zum Weinen verführen. Manche Gruppe ist mehrmals an einem Spielort zu erleben, andere wandern von Ort zu Ort. Das Ganze ist - bis auf die ausverkauften Galashows bei der Bremer Shakespeare Company im Theater am Leibnizplatz sowie die Figurentheateraufführungen von TrukiTrek im LichtLuftBad (Freitag und Sonnabend, jeweils 21 Uhr) - eintrittsfrei.

Bei La Strada geht der Hut rum

Allerdings freuen sich die zum Teil weitgereisten und vielerorts gefeierten Künstler über Anerkennung in Schein und Münzen. Dazu geben sie ganz traditionell einen Hut durchs Publikum, der nach Herzenslust gefüllt werden darf. 'Sammeln auf den Hut' heißt das und ist für Mitorganisatorin Kathrin Bahr vom 'La Strada'-Team unerlässlich für Fortbestand und Image des Festivals. 'Wir können nur eine Grundgage zahlen und werben bei den Künstlern mit der Spendierfreude der Bremer', sagt sie.

Für den Sonnabendnachmittag haben die Veranstalter am Café Sand den jüngeren Straßentheaterfans etwas zu bieten. Sie erleben von 12 bis 18 Uhr mit 'La Strada für Kurze' ein besonderes Programm, zu dem unter anderem der niederländisch-französische Circo Fiasco beiträgt. Außerdem präsentiert Etienne Borgers sein Stück 'Koele Kikkers', was auf Deutsch schlicht 'coole Kröten' heißt. Zum Rollen und Hüpfen laden die Rubbertubes, eine bespielbare Installation des niederländischen Künstlers Paul Edens ein. Das Programm ist eine Kooperation von 'La Strada' mit dem Kinderhospiz Jona und Hal över.

'The Cage' heißt das besondere Stück des Ana Monro Theaters aus Ljubljana, das erstmals in Deutschland zu sehen sein wird. Die Kompagnie gilt als eine der ältesten freien Theatergruppen Sloweniens und will das Publikum mit einer Clownsvorstellung der besonderen Art begeistern. Die Akteure treten am Freitag, Sonnabend und Sonntag jeweils am späten Nachmittag, beziehungsweise am frühen Abend auf.

Deutschlandpremieren versprechen gleich mehrere Kompagnien, die bei 'La Strada' auftreten: banc public aus Frankreich mit ihrem Stück 'Les Ravaudeurs', in dem ein Kleiderständer eine besondere Rolle haben wird, sowie Cie Chemins de Terre aus Belgien mit 'Le Polichineur d?écritoire' im Börsenhof, die Compagnie Filophile aus Frankreich mit 'Sur le Fil' und Collectif Prêt à Porter mit ihrer Akrobatiknummer auf dem Marktplatz. Erstmals in Deutschland zu erleben ist auch 'Hek', die Geschichte von zwei Bauarbeitern und einem Zaun, von 'De Stijle, Want...' aus den Niederlanden. Und auch die Tanzvorführung 'Chrysalis' von Jordi L. Vidal (Belgien), Senor Stets mit 'El Cuerdo' aus Spanien sowie Le Tennis sind vorher noch nicht in Deutschland zu sehen gewesen.

La Strada, 12. bis 15.8., ein Programmheft gibt es unter anderem an den Infoständen der Veranstalter.

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