Öffnung der Theater

Wie die Theater in Bremen mit den Corona-Lockerungen umgehen

Unter gewissen Auflagen dürfen die Theater in Bremen ab dem 12. Juni wieder öffnen. Viele machen es aber nicht. Und das hat verschiedene Gründe. Andere verlegen ihr Programm lieber nach draußen.
12.06.2020, 05:10
Lesedauer: 4 Min
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Wie die Theater in Bremen mit den Corona-Lockerungen umgehen
Von Alexandra Knief
Wie die Theater in Bremen mit den Corona-Lockerungen umgehen

Das Theater Bremen spielt ab dem 18. Juni unter dem Motto "Aus dem Hof" draußen.

Mohssen Assanimoghaddam

Lange haben die Theater auf diesen Moment gewartet, viele hatten die laufende Saison bereits abgeschrieben. Und dann hieß es am Dienstag auf einmal: Ab Freitag darf wieder gespielt werden. Auch, wenn dies gute Nachrichten sind, kam der Senatsbeschluss für die meisten Betreiber etwas überraschend. Für einige bleibt deshalb alles beim Alten. Aufgrund der Größe ihrer Spielstätte können sie schlichtweg die Abstandsauflagen nicht erfüllen. Denn es gilt weiterhin: Zwischen den Gästen muss mindestens 1,5 Meter Abstand gewährleistet sein.

Bei der Shakespeare Company bleibt der Theatersaal wie geplant bis Ende August zu. Darauf habe man sich nun eingestellt. Stattdessen geht man raus. Gerade erst hatte das Theater bekannt gegeben, dass es gemeinsam mit anderen Akteuren einen Open-Air-Sommer, den Kultursommer Summarum plant (wir berichteten). An diesem Plan hält das Theater fest. Ob sie der spontane Entschluss des Senats ärgert? „Ich habe gerade so viel um die Ohren, dass ich gar keine Energie habe mich zu ärgern“, sagt Renate Heitmann.

Theater Bremen unterhält „Aus dem Hof“

Starten wird der Sommer Summarum am 18. Juni mit dem Theater Bremen und dessen Angebot unter dem Titel „Aus dem Hof“. Der reguläre Spielbetrieb und damit die neue Spielzeit im Theater Bremen soll trotz der neuen Corona-Regeln wie geplant erst am 29. August im Kleinen Haus und am 6. September im Theater am Goetheplatz wieder aufgenommen werden. Eine einfache Wiederaufnahme des bestehenden Repertoires bereits im Juni oder Juli sei angesichts der Abstandsregelungen für die Akteure auf der Bühne nicht vorstellbar oder schlicht nicht möglich, heißt es in einer Pressemitteilung des Theaters. Also erst einmal Theater „Aus dem Hof“. Gemeint ist damit der St. Pauli-Hof vor dem Kleinen Haus. Vier Wochen lang wird es hier an vier Tagen die Woche Schauspiel, Musik und Tanz geben. Den Anfang machen am 18. Juni um 17 und 19 Uhr Bass Christoph Heinrich, Schauspielerin Mirjam Rast und Korrepetitorin Polina Bogdanova. Sie präsentieren in „Teufel, Mörder, Schurken“ die abgründigen Gestalten in der Musik.

Das Musiktheater reist in seinen Programmen musikalisch einmal halb um die Welt, im Bereich Schauspiel stehen unter anderen ein Live-Hörspiel und eine Lesung auf dem Programm. Auch die Jungen Akteure und die Tänzer und Tänzerinnen von Unusual Symptoms steuern etwas zu „Aus dem Hof“ bei. Von den Bremer Philharmonikern gibt es ein Kammermusikprogramm, für die kleinen Theatergäste steht das Familienkonzert „Peter und der Wolf“ auf dem Plan.

Kriminal-Theater setzt auf Open-Air

Auch das Bremer Kriminal-Theater setzt auf Theater im Freien und das gleich dreifach: So ist das Theater nicht nur am Auto-Lust-Spiel in der Überseestadt und am Kultursommer Summarum beteiligt, sondern plant auch eine Hofbespielung auf dem Platz an der Unionsbrauerei. Starten soll das Ganze am 17. Juli mit Vorstellungen donnerstags bis sonntags für bis zu 80 Leute. Weitere Infos werden noch bekanntgegeben. Für den September müsse man laut Perdita Krämer vom Kriminal-Theater dann gucken, ob noch immer die aktuellen Abstandsregeln gelten. Das würde im Falle des Kriminal-Theaters bedeuten: 40 bis 60 anstatt 180 Menschen im Saal. „Da müssen wir dann sehen, ob sich das lohnt oder wir vielleicht woanders spielen“, sagt Krämer.

Christopher Kotoucek vom Fritz-Theater drückt es so aus: „Ein bisschen müssen wir alle wieder von vorne anfangen.“ Am 19. Juni sowie am 17. Juli veranstaltet das Fritz den „Comedy Club“ im Autokino auf der Bürgerweide. Voraussichtlich ab August soll es dann wieder Shows im Fritz-Theater geben. Dann, wenn die Leute etwas Zeit hatten, sich an ihre wiedergewonnenen Freiheiten zu gewöhnen und damit auch gut fühlen. „Wichtig ist, den Leuten klar zu machen, dass das Theater mit Abstandsregeln, guter Belüftung und regelmäßiger Reinigung sicher ist“, sagt Kotoucek. Die Anzahl der Plätze werde man im August von 150 auf 60 reduzieren. Auf dem Programm sollen sowohl ältere als auch neuere Inhalte stehen. So soll es zum Beispiel auch ein Stück über eine Corona-WG geben, kündigt Kotoucek an. „Natürlich mit Witzen über Klopapier.“

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Plexiglas und neue Spielstätte

Knut Schakinnis, Leiter des Theaterschiffs und des Packhaustheaters im Schnoor, ist etwas unglücklich darüber, dass es zwischen der Behörde und den privaten Theatern in Bremen kaum Absprachen gab, weder vor der Schließung der Theater, noch währenddessen. Auch über einen möglichen Wiedereröffnungstermin sei er nicht informiert worden. In anderen Städten sei dies besser gelaufen. In Kassel oder Lübeck zum Beispiel, wo Schakinnis auch Theater betreibt, habe es sehr früh ein Rundschreiben gegeben, durch das die Szene die Möglichkeit hatte, dazulegen, wo es Probleme gibt, welche laufenden Kosten bezahlt werden müssen, wo Hilfe benötigt wird. „In Bremen kein Piep“, so Schakinnis.

Er plant nun für das Packhaustheater eine Lösung mit Plexiglasscheiben zwischen den Stühlen. So könne er zumindest knapp die Hälfte des Saales belegen. Ohne wären es nach aktuellen Regeln nur rund 20 Prozent. „Das Konzept muss aber noch genehmigt werden“, sagt Schakinnis. Auf dem Theaterschiff könnten Abstandsregeln allein wegen des engen Gangs bei den Toiletten nicht eingehalten werden. In den Sälen würden die 1,5 Meter bedeuten: 34 statt 176 Plätze im großen, 20 statt 110 Plätze im kleinen Saal. Rentabel sei das natürlich nicht. Das Theaterschiff und das Fritz-Theater planen daher ab dem 9. Juli einen Umzug auf die Bühne des weitaus größeren Metropol-Theaters. Genauere Informationen hierzu soll es kommende Woche geben.

Weitere Informationen

Das Programm von „Aus dem Hof“ finden Sie unter www.theaterbremen.de. Der Vorverkauf beginnt am Freitag, dem 12. Juni. Es wird zudem eine Abendkasse geben, die eine Stunde vor der Vorstellung öffnet.

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