Bremer Frauenmuseum Ohne Kultur läuft nichts

Bremerinnen und Bremer wie Anka Bolduan und Regina Contzen engagieren sich durch ihr Ehrenamt dafür das Frauenleben und -wirken sichtbar zu machen.
04.02.2019, 20:17
Lesedauer: 3 Min
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Ohne Kultur läuft nichts
Von Frauke Fischer

Anka Bolduan und Regina Contzen gehören zu den Bremerinnen und Bremern, die sich als Freiwillige einem Ehrenamt verschrieben haben. In ihrem Fall ist es ein Verein, der sich sowohl der Kultur als auch der Geschichte und Wissenschaft von Frauen, ihrer Arbeit und ihrem Engagement in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in Bremen widmet.

„Schon während der Berufstätigkeit als Kunstlehrerin im Bremer Schuldienst habe ich themenbezogene schulübergreifende Ausstellungsprojekte mit der Landesarbeitsgemeinschaft Kunst durchgeführt“, erzählt Regina Contzen. „Nach der Pensionierung habe ich begonnen, mich im Bremer Frauenmuseum zu engagieren.“ Auch dort gehört die Entwicklung von Ausstellungen und Veranstaltungen zu ihren Aufgaben. Regina Contzen ist Mitherausgeberin des Frauenlexikons, das 2016 erschien. Es geht um Frauengeschichte und -geschichten. Es sind Biografien herausragender Frauenorte in Bremen und Bremerhaven. Für die Arbeit hat es sogar den Bremer Preis für Heimatforschung gegeben. Diese Auszeichnung hat die aktiven Frauen angespornt.

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„Das Ziel des Bremer Frauenmuseums ist es, Frauenleben und -wirken sichtbar zu machen“, fügt Regina Contzen an. „Das ist nach wie vor aktuell. Daran weiterzuarbeiten ist nicht nur unter emanzipatorischen Aspekten wichtig, um aufzuzeigen, welche Anteile Frauen am gesellschaftlichen und politischen Geschehen haben.“ Immer noch seien Künstlerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen erheblich benachteiligt, besonders bei der Erlangung von Stipendien, der Teilnahme an Wettbewerben und der Bewerbung um Preise, weil die Verfahren oft an Altersspannen geknüpft seien, in denen die Künstlerinnen kleine Kinder zu versorgen hätten.

Kooperationen sind wichtig

Im Museum bringen sich Anka Bolduan und die Kunstkennerin deshalb sehr aktiv mit ihrem Wissen und ihren persönlichen Erfahrungen ein. Die Vereinsfrauen wollen Vergangenheit, Gegenwart, aber auch die Zukunft weiblich geprägter Lebensbereiche zeigen und mit ihren Möglichkeiten weiter entwickeln. Und sie wollen unbedingt noch mehr Interessentinnen gewinnen. „Frauen sollen sich zeigen“, sagen die beiden Sprecherinnen. Denn es werde zu selten sichtbar, was Wissenschaftlerinnen und andere Frauen schon geleistet haben. „Das geht sonst unter“, erklärt Anka Bolduan.

Deshalb sind die Frauen seit fast 30 Jahren aktiv. Das Museum entstand im Jahr 1991. Ende der 80er-Jahre ging es aus Arbeitskreisen hervor, die sich zunächst den Themen Arbeit und Alltag widmeten. Daraus entwickelte sich ein weiterer Arbeitskreis, der unter den gegebenen Vorarbeiten ein Frauen-Museum auf den Weg brachte. „Das virtuelle und mobile Museum hat bis heute trotz vielfältiger Vorstöße in Bremen keine feste Bleibe gefunden“, bedauern die beiden Frauen. Mobilität ist deshalb eine Herausforderung und ein Vorteil: „Wir kooperieren mit anderen Institutionen und gehen zu den Menschen im Stadtteil, in der Bibliothek, ins Kino, ins andere Museum.“

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Wenn die beiden Sprecherinnen ins Plaudern über den Verein und die eigene Arbeit kommen, wird schnell klar, wie wichtig ihnen die weiblichen Belange sind. So existiere die Gleichberechtigung weiterhin in erster Linie auf dem Papier. Und das ist für das Bremer Frauenmuseum seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Grund, Frauen in der Wissenschaft ausfindig zu machen, Künstlerinnen und anderen weiblichen Kulturschaffenden Orte zu öffnen, an denen sie wahrgenommen werden, und das soll zu Auseinandersetzungen anregen. Die Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau, die in der Knochenhauerstraße beheimatete ZGF, gehört ebenso wie Belladonna, Verein für Kultur, Bildung und Wirtschaft für Frauen, in der Sonnenstraße oder die Stadtbibliothek und andere Orte in der Stadt zu den bespielten Orten.

Derzeit zeigt das Focke-Museum eine Ausstellung zum Thema „Frauen an der Heimatfront“. Auch daran hat das Frauenmuseum mitgewirkt. Das Programm soll über die Veranstaltungen zur Erlangung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren in Deutschland hinausgehen. So ist auch die Ausstellung im Focke-Museum über den Frauentag am 8. März hinaus bis zum Sommer zu sehen. Bei der Benennung oder Umwidmung von Straßen und Gebäuden wird das Bremer Frauenmuseum ebenfalls regelmäßig eingebunden, berichten Contzen und Bolduan. Tafeln wie am Gymnasium Huckelriede oder Straßennamen im Uni-Viertel erinnern an Wissenschaftlerinnen, die in Vergessenheit geraten sind.

Weitere Informationen

Vom 28. Februar bis 16. Mai läuft in der ZGF in der Knochenhauerstraße die nächste Ausstellung des Bremer Frauenmuseums, es sind Arbeiten von Karin Kreuser. Am 27. Februar wird die Ausstellung eröffnet, Monika Brunnmüller wird um 17.30 Uhr eine Einführung geben. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12.30 Uhr.

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