Bremer Theater inszeniert Mozarts "Idomeneo" Oper mit ausgefallener Videoshow

Bremen. Am 27. März hat die Mozart-Oper Idomeneo Premiere gefeiert. Die Musiktheaterstück wird oft kritisch diskutiert - doch nicht nur der Inhalt könnte für Aufsehen sorgen, auch beim Bühnenbild hat sich das Theater zusammen mit Urbanscreen etwas Be
18.03.2011, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anne-Christin Klare

Bremen. Am 27. März hat die Mozart-Oper Idomeneo Premiere gefeiert. Die Musiktheaterstück wird oft kritisch diskutiert - doch nicht nur der Inhalt könnte für Aufsehen sorgen, auch beim Bühnenbild hat sich das Theater zusammen mit Urbanscreen etwas Besonderes ausgedacht.

Auf der Bühne steht ein weißer Kubus mit vielen Ecken und Kanten. Als das Licht im Zuschauerraum ausgeht, wird das langweilig wirkende Gebilde zum Leben erweckt: Die Kanten vervielfältigen sich, die zuvor glatten Wände bekommen unförmige Auswüchse und der Kubus wird mit Wasser geflutet. Könnte man glauben. Doch das, was da auf der Bühne passiert, ist in Wahrheit nur eine Illusion, eine optische Täuschung, die durch Video-Projektionen erreicht wird.

Verantwortlich für das ausgefallene Bühnenbild ist die Bremer Firma Urbanscreen. Die Lichtkünstler sind weltweit durch die Inszenierung von urbanen Oberflächen mit künstlerischen Großbildprojektionen bekannt, die Bremer kennen Urbanscreen vor allem vom Viertelfest. Jetzt sind die Künstler erstmals an einer Opernproduktion und der Gestaltung des Innenraums beteiligt. Das Team arbeitet mit dem so genannten „Projection Mapping“. Eine Technik, die eine passgenaue Video-Projektion auf reale Objekte ermöglicht. Alle Projektionen werden zuvor am Computer entwickelt und genau berechnet. Die Lichtkünstler können so einen Raum optisch dreidimensional verändern, seine Atmosphäre bestimmen und ihn dadurch sogar in Beziehung zu den Emotionen der Figuren setzen.

„Wir stehen immer wieder vor der Herausforderung, die Erzählmöglichkeiten im Theater zu erweitern“, erklärt Chefdramaturg und Theaterleitungsmitglied Hans-Georg Wegner. Das „Projection Mapping“ werde zum ersten Mal in einer Oper eingesetzt. Wegner erhofft sich, dass das Bremer Theater dadurch Vorreiter für neue Bühnenbildideen wird. „Die Projektionen sollen funktionieren wie eine gute Filmmusik“, erklärt Thorsten Bauer von Urbanscreen. „Wir wollen damit keine eigene Erzählebene entwickeln, sondern Atmosphäre schaffen.“

Um eine besondere Stimmung zu erzeugen hat das Theater Bremen zusätzlich zum ausgefallenen Bühnenbild extra historische Instrumente nachbauen lassen. Mit originalgetreuen Hörnern, Trompeten und Pauken wolle man den Charakter der Oper zur Zeit Mozarts vermitteln, sagt Generalmusikdirektor Markus Poschner.

Alte Kunst trifft im Bremer Theater auf hochmoderne Technik: „Das passt“, ist Wegner überzeugt. Der Inhalt - die antike Sage vom kretischen König Idoemeneo, der seinen Sohn opfern soll - sei immer noch aktuell und müsse auf moderne Art und Weise vermittelt werden. Dass das nicht immer auf Zustimmung stieß, zeigt ein Blick in die vergangenen Jahre.

In Berlin musste eine Inszenierung sogar vorzeitig abgesetzt werden, weil sie zu sehr in die Kritik geraten war. „Idomeneo hat es immer schwer gehabt auf der Opernbühne“, erklärt Regisseur Kay Kuntze. Das liege daran, dass die Figuren immer in einer Zwitterstellung ständen und unterschiedliche Emotionen innerhalb einer starren Dramaturgie vermittelen müssten. „In der Oper ist man immer auf der Suche, die Story ist nicht geradlinig. Aber genau solche Brüche sind reizvoll, man muss nicht immer alles verstehen“, sagt Kuntze. Wie lange das Stück insgesamt dauert, kann er noch nicht sagen. Seine Schätzung: Zwischen drei und dreieinhalb Stunden.

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