Medien Paukenschlag: Charlotte Roche verlässt «3nach9»

Bremen. Langer Rummel zum Antritt, überraschend-schneller Abgang: Nach nur vier Monaten verlässt die Moderatorin Charlotte Roche (31) die Radio-Bremen-Talkshow «3nach9».
18.01.2010, 17:10
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Bremen. Langer Rummel zum Antritt, überraschend-schneller Abgang: Nach nur vier Monaten verlässt die Moderatorin Charlotte Roche (31) die Radio-Bremen-Talkshow «3nach9».

Die Trennung erfolge in gegenseitigem Einvernehmen, hieß es in einer kurzen Mitteilung des öffentlich-rechtlichen Senders. Es gebe unterschiedliche Auffassungen über die Sendung, sagte Programmdirektor Dirk Hansen. «In einer solchen Situation ist es am besten, sich neu zu orientieren.»

Im September 2009 klang das noch anderes. Mit viel Vorschusslorbeeren wurde Roche bedacht. Mit ihrer flippigen Art und ihrem unkonventionellen Interviewstil sollte sie besonders jüngere Zuschauergruppen ansprechen: «Wir wollen eine andere Sichtweise, die für alle Altersgruppen spannend ist», sagte Hansen damals. Die Stammzuschauer sollten dabei aber nicht verprellt werden - es gehe vielmehr darum, das Publikum zu erweitern. Roches erster Auftritt bei «3nach9» am 13. September wurde zu einem großen Medienauftrieb.

Schon vor ihrem Engagement hatte es auch kritische Stimmen gegeben, vor allem wegen ihres Buches «Feuchtgebiete» galt Charlotte Roche bei manchen als «Skandalnudel». Sie ließ auch kaum eine Provokation aus. So empfahl sie in einem Interview in der Dezember-Ausgabe des Magazins «Neon» den Gebrauch von Ecstasy. Dieses Rauschgift bringe «wenig Nebenwirkungen, große Glücksgefühle», behauptete Roche.

Zuschauer von «3nach9» monierten mehrfach ihre mädchenhafte, piepsige Stimme. Dass sie sich in der letzten Sendung am 15. Januar einem Studiogast auf den Schoß setzte, um ihr Lampenfieber loszuwerden, fanden nicht alle Zuschauer lustig, sondern manche eher peinlich. Auch die Einschaltquoten für die dienstälteste Talkshow schnellten nicht in die Höhe. Seit 35 Jahren läuft «3nach9». Im Durchschnitt sehen nach Radio-Bremen-Angaben etwa 1,5 Millionen Zuschauer die Talkshow, die zeitgleich in den dritten Fernsehprogrammen des Norddeutschen Rundfunks (NDR), des Hessischen Rundfunks (hr) und des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) ausgestrahlt wird.

Programmdirektor Hansen versicherte: «Wir haben gern mit Charlotte Roche gearbeitet und hätten auch der Entwicklung mehr Zeit gegeben.» Doch die Moderatorin habe im Laufe der ersten fünf Sendungen festgestellt, dass ihre Vorstellungen sich nicht mit denen der Redaktion deckten. Damit hat ein Studiogast der September-Sendung recht behalten: «Sie wird das nicht so lange machen wie Amelie Fried.»

Nun sucht Radio Bremen eine Nachfolgerin als Partnerin von Giovanni di Lorenzo, der seit mehr 20 Jahren durch die Sendung führt. Moderatorinnen waren unter Marianne Koch, Carmen Thomas, Lea Rosh, Randy Crott, Juliane Bartel und - vor Roche - elf Jahre lang Amelie Fried. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+