Konzert im Theater am Goetheplatz PeterLicht singt mit dem Publikum die „Emotionale“

Sieben Jahre nach seinem letzten Studioalbum hat der Künstler neue Lieder aufgenommen. Die gewitzten Songs von „Wenn wir alle anders sind“ kommen in Bremen hervorragend an.
14.03.2019, 17:16
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PeterLicht singt mit dem Publikum die „Emotionale“
Von Hendrik Werner

Es war ein denkwürdiges Konzert, dem unbedingt noch einige mehr Zuhörer zu wünschen gewesen wären. Schon deshalb, weil dann einer der Höhepunkte, das eigenhändige Verteilen eines Liedtextes durch den gewitzten Sänger an das Auditorium, noch ausgedehnter und also noch absurder ausgefallen wäre. Während nämlich PeterLicht, der gesteigerten Wert auf die korrekte Zusammenschreibweise seines Künstlernamens legt, im Theater am Goetheplatz noch mit verfremdeter Stimme das „Umentscheidungslied“ intoniert, eine sanfte Hymne gegen die Abgründe der Selbstoptimierung, schreitet er durch die Zuschauerreihen – und händigt freigiebig Kopien der „Emotionalen“ aus. Dabei handelt es sich um eine ironisch besonders wertvolle Adaption des Klassenkampfklassikers „Die Internationale“, die er anschließend genüsslich mit seinen Gästen zelebrieren wird.

Beide genannten Songs finden sich auf dem im vergangenen Herbst erschienenen Studioalbum „Wenn wir alle anders sind“, seinem sechsten. Sieben Jahre trennen die Novität von dem Vorgänger „Das Ende der Beschwerde“, sage und schreibe 18 Jahre von der erfolgreichen Single „Sonnendeck“. Die spielt der mit Basecap gewappnete Künstler, der gemeinsam mit Multiinstrumentalist Benedikt Filleböck die Bühne betreten hat, ungefähr zur Halbzeit seines umjubelten Auftritts. In einer ziemlich geschwinden Version, die von den beiden Musikern durch einen drolligen Synchronlauf – vorwärts wie rückwärts – veredelt wird.

Das engagierte Liedgut, dessen Text-Fallhöhe zwischen Soziologie-Symposion und höherem Blödsinn zu verorten ist, bereitet auch deshalb so viel Freude, weil der Urheber so überraschende und skurrile Pointen setzt. Der verspielte Zeremonienmeister startet mit „Die Nacht“ und E-Gitarre in den Abend, um gleich beim folgenden Song, „Das absolute Glück“ zur akustischen zu greifen. Als später Computer-Beats und Keyboards den Sound dominieren, verwandelt sich der vermeintliche Liedermacher zusehends in jene kauzige Indie-Pop-Kunstfigur, die sein Kleidungsstil und planvolle Nerd-Gesten ohnehin nahelegen.

Die Songs vom neuen Album, darunter poetische Preziosen wie „Kontolied“ und „Chipslied“, kommen hervorragend an. Zuallererst die grüblerische Groteske „Candy Käsemann“, in deren faustischem Text es heißt: „Wenn es mir gut geht / Wenn es mir gut geht / Wenn es mir gut geht / Ist alles gut / Das kann ich sagen / Ooohhh / Das kann ich sagen.“ Dem Publikum, auch das lässt sich sagen, geht es ohrenscheinlich sehr gut. Es spart weder an Applaus noch an Heiterkeitsbekundungen für einen klugen Kopf im trügerischen Gewand eines Narren.

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