Abgrund, aber mit Halt

„Polizeiruf“-Kritik: „Der Tag wird kommen“

„Der Tag wird kommen“ heißt die letzte Folge des ARD-Sonntagabendkrimis vor der Sommerpause. Das Rostocker Ermittlerteam König und Bukow muss dabei an seine Grenzen gehen.
14.06.2020, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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„Polizeiruf“-Kritik: „Der Tag wird kommen“
Von Iris Hetscher

Seit 2010 ermittelt das grandiose Duo Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Sascha Bukow (Charly Hübner) in Rostock, und von Beginn an war die Beziehung der beiden mit viel mehr aufgeladen als rein beruflichem Interesse aneinander. Doch: Ihr Schöpfer Eoin Moore hat es bisher geschafft, die Spannung zu halten und beide nur Trippelschritte aufeinander zugehen zu lassen. Seit der Folge „Für Janina“ (2018) sind König und Bukow allerdings noch ganz anders miteinander verbandelt. Katrin König hat Beweise manipuliert, um dafür zu sorgen, dass der psychopathische Frauenmörder Guido Wachs (Peter Trabner) auf lange Zeit ins Gefängnis muss. Bukow hat das gedeckt und sieht sich seither auch als Beschützer seiner Kollegin.

Dieser Fall holt Katrin König in „Der Tag wird kommen“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) mit Wucht ein. Das heißt: Der letzte Polizeiruf, bevor der Sonntagabendkrimi der ARD bis zum 13. September in die Sommerpause geht, ist eher Psychodrama denn Mörderjagd. Einen Fall gibt es trotzdem: Eine Joggerin wird tot am Hafen gefunden. Die Suche nach dem Mörder der äußerst disziplinierten, aber an einem Broken-Heart-Syndrom leidenden Einzelgängerin nimmt Katrin König sehr persönlich. Gleichzeitig kapselt sie sich ab, verwahrlost und fürchtet, an einer Psychose zu leiden. Besuche bei Guido Wachs im Gefängnis tun ein Übriges. Bukow dagegen muss nicht nur damit, sondern auch mit der Mitteilung fertig werden, dass sein Vater an Krebs erkrankt ist.

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Wie immer profitiert der Rostocker „Polizeiruf“ von der Präsenz seiner beiden so ungemein authentisch wirkenden Hauptdarsteller. Das macht einige Schwächen des Drehbuchs von Florian Oeller wett. Vor allem ein zwielichtiger Hausmeister und die Rolle, die er bei Katrin Königs derangiertem Zustand spielt, wirken überkonstruiert. Dafür punktet „Der Tag wird kommen“ mit einem Schluss, der mit allem versöhnt, was zuvor zu sehen war.

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