Eine Frage des Glaubens

„Polizeiruf 110"-Kritik: „Heilig sollt ihr sein“

Einer jungen Frau wird das Kind aus dem Leib geschnitten, und der Täter hält sich für den Propheten Elias. Die Kommissare Lenski und Raczek geraten bei diesem Fall an ihre Grenzen.
03.05.2020, 18:01
Lesedauer: 1 Min
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„Polizeiruf 110
Von Iris Hetscher
„Polizeiruf 110"-Kritik: „Heilig sollt ihr sein“

Jonas Fleischauer (Tom Gronau, rechts) muss sich regelmäßig von Pater Anselm (Maciej Robakiewicz) exorzieren lassen.

Arnim Thomaß /dpa

Auf einmal stürzt der junge Mann in den Kreißsaal, greift zum Skalpell und schneidet der Frau das Baby aus dem hochschwangeren Bauch. Dann verschwindet er so plötzlich, wie er gekommen ist. Wenig später stirbt die 16-jährige Larissa (Parashiva Dragus) an den Folgen dieser Attacke. Mit derart schockierenden Bildern und einer extrem verstörenden Stimmung wartet die aktuelle Folge „Heilig sollt ihr sein“ der Reihe „Polizeiruf 110“ auf (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr). Es ist der vorletzte Einsatz im deutsch-polnischen Kommissariat in Frankfurt an der Oder für Maria Simon als Olga Lenski, und es ist einer, bei dem sie mehrere Male beinahe die Fassung verliert.

Der junge Mann, der für den Tod Larissas verantwortlich ist, heißt Jonas Fleischauer (Tom Gronau), aber er hält sich für den Propheten Elias. Überhaupt wird Olga Lenski und ihrem Kollegen Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) schnell klar, dass religiöser Wahn der Schlüssel zu diesem Fall ist. Larissa hat lange versucht, in Polen abzutreiben, aber keinen Arzt gefunden.

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Der Chefarzt der deutschen Klinik wird von einer polnischen Zeitung als „Handlanger des Todes“ verunglimpft, Jonas von seiner Mutter zwei Mal pro Woche zu einem Pater geschleppt, der ihn exorziert. Zu allem Überfluss muss sich Raczek auch noch mit seiner bigotten Mutter herumschlagen, die eine Krebsbehandlung verweigert, weil sie in der Krankheit eine „Strafe Gottes“ sieht. Und dann stellt sich heraus, dass Larissa Jungfrau war – kann das sein?

Das Buch von Hendrik Hölzemann und die Regie von Rainer Kaufmann konzentrieren sich auf die Ratlosigkeit angesichts dessen, was die eine Seite Glauben nennt und die andere als bedrohliche irrationale Verbissenheit wahrnimmt. Larissas Eltern zerbrechen daran, die Kommissare stehen am Schluss vor vielen ungelösten Rätseln. Und mit ihnen die Zuschauer.

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