Lena in Bremen

Pop mit Profil

Keine bombastische Show, sondern ein Pop-Konzert mit persönlichen Songs: Am Sonntag stand Lena Meyer-Landrut auf der Bühne im ausverkauften Modernes.
17.06.2019, 16:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Jonas Mielke
Pop mit Profil

Keine bombastische Show, sondern ein Pop-Konzert mit mit persönlichen Songs: Am Sonntag stand Lena auf der Bühne im ausverkauften Modernes.

Markus Kölven/Nordbuzz

Vor dem Finale hallt Lena Meyer-Landruts großer Hit in der Halle noch nach: „Satellite“, der Gassenhauer, der zu ihrem Gründungsmythos wurde. Fast alle Zuschauer im ausverkauften Modernes haben mitgesungen: Kinder, Teenager, Eltern und alle in den Lebensabschnitten dazwischen. Nach dem Lied wirkt Lena emotional. „Es ist unglaublich viel Zeit vergangen“, sagt sie mit leicht wackliger Stimme. „Die Person, die mich am allerlängsten begleitet hat, ist heute hier.“ Sie bittet ihren Tourmanager von heute auf die Bühne, er war damals Aufnahmeleiter der Casting-Show „Unser Star für Oslo“. Sie fallen sich "gegenseitig in die Arme.

Vor neun Jahren katapultierte ihr Eurovision-Erfolg Lena in die Geschichtsbücher der Bundesrepublik. In nur einer Nacht wurde in Oslo aus der Hannoveraner Schülerin ein deutscher Superstar. Fünf Studioalben später hat sich der Hype um Lena nur ein wenig gelegt. Sie ist mittlerweile eine Instagram-Ikone, über deren Bilder sich die Boulevardblätter des Landes mehr Gedanken machen als über ihre Kunst. Zu dünn? Zu freizügig? Zu künstlich? Zu zickig?

Pop-Künstlerin mit Profil

Dabei würde sich ein Blick auf die Entwicklung der mittlerweile 28-jährigen Künstlerin lohnen. Denn hinter dem Hype um ihre Person kommt an diesem Abend in Bremen eine Pop-Künstlerin mit eigenem Profil zum Vorschein, die dem Dasein als Grand-Prix-Maskottchen mit ihrem neuen Album und auch auf der Bühne mittlerweile entwachsen ist.

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„Satellite“ ist nicht mehr der letzte Song ihrer Show. Nicht mehr der einzige Hit, auf den alle warten. Ihr zweiter Grand-Prix-Song „Taken by a Stranger“ hat es erst gar nicht in das Programm ihrer Tour geschafft. Für das Finale spielt Lena „Thank You“ – eine Pop-Ode an die Kraft, die aus Krisen entstehen kann. Krisen, die Lena kennt. Der Titel stammt von ihrem neuen Album „Only Love, L", dessen Veröffentlichung im vergangenen April ebenso verschoben werden musste wie ihr Konzerttermin in Bremen. „Kreative Gründe“, hieß es in einem Statement damals.

Das Warten hat sich gelohnt

Das Warten auf das Album hat sich gelohnt: „Spiegel-Online“-Pop-Kritiker Andreas Borcholte sehnte sich in seiner Rezension gar dorthin, wo Menschen noch nie vom Eurovision-Song-Contest gehört haben. „Sie werden Lenas neue Lieder ganz automatisch in einen Sinnzusammenhang mit internationalen Acts wie Selena Gomez, Dua Lipa oder Tove Lo setzen“, schreibt er. „Weil’s geht. Und weil’s richtig ist.“

Dass es auch auf der Bühne geht, zeigt Lena in Bremen. Ihre Show zur „Only Love“-Tour ist nicht bombastisch oder überproduziert, sondern mit Liebe zum Detail. Es regnet goldglänzendes Konfetti bei „Don’t Lie To Me“, gemeinsam mit zwei Tänzerinnen bringt sie bei temporeicheren Liedern Schwung in das Konzert wie bei ihrem Eröffnungssong „Wild And Free“. Trotz der fast erschlagenden Hitze in der Halle. Besonders beeindruckend sind aber ihre zwei Background-Sängerinnen. Sie geben gemeinsam mit Lena den Songs den nötigen Nachdruck. Es wirkt als sei sie im Modernes besser aufgehoben als in großen Hallen wie der ÖVB-Arena, mit weniger Distanz zwischen dem Publikum und ihr.

Ihre Botschaft: Nach dem Regen kommt die Sonne

Auch, weil auf ihrem neuen Album einige persönlichere Lieder sind. Es geht um Selbstliebe und Trennungen, sie spielt an diesem Abend viele der nachdenklicheren Songs wie „Dear L“, „Note To Self“ oder auch von ihrer vorangegangenen Platte „If I Wasn't Your Daughter“ über das Verhältnis zu ihrem Vater. „Ich genieße die Tour so sehr wie noch nie“, sagt Lena zwischen zwei Liedern. Besonders weil es ihr viel bedeute, mit ihren aktuellen Gefühlen und Emotionen auf der Bühne zu stehen. Anfang des Jahres machte sie die Trennung von ihrem langjährigen Freund öffentlich, das Ende der Beziehung verarbeitet sie auch auf ihrem aktuellen Album. Trotzdem gerät das Konzert nicht zu einem trübseligen Abend, im Gegenteil. Ihre Botschaft: Nach dem Regen kommt die Sonne.

Lena beweist im Modernes, dass ihre Popmusik generationenübergreifend funktioniert. Jüngere Fans warnt Lena vor einem Lied: „Ich sag's nur lieber vorher – ich singe jetzt über Sex.“ Bevor sie sich für den Song „Life Was A Beach“ ins Publikum begibt und von hunderten Smartphones verfolgt singend durch die Halle läuft, bestellt Lena schon mal einen Wodka Soda an der Bar. Nach der Show verlassen eine Mutter und ihre Tochter beseelt den Bereich vor der Bühne, beide haben noch goldenes Konfetti im Haar. Väter wippen erst noch ein wenig zurückhaltend mit, aber auch in der allerletzten Reihe brandet von den Barhockern aus lauter Applaus auf. Für alle ist an diesem Abend etwas dabei.

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