Sonntagskolumne „Müßiggang“ Prallkissen, Klapprechner, Kleinstrennwagen

Was den britischen Premierminister Boris Johnson mit dem Verein Deutsche Sprache verbindet, konstruiert eine neue Folge der Sonntagskolumne „Müßiggang“.
29.07.2019, 11:22
Lesedauer: 2 Min
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Prallkissen, Klapprechner, Kleinstrennwagen
Von Hendrik Werner

Sage und schreibe 7500 verdammungswürdige Anglizismen umfasst ein Index, den der patriotische Verein Deutsche Sprache begründet hat. Die Rote Liste, die von „abchecken“ (klären, prüfen) über „Nerd“ (Depp, Einfaltspinsel, Trottel, Fachidiot, Sonderling) bis „zippen“ (packen, verdichten) reicht, soll die Verwendung deutscher Entsprechungen fördern, „wo immer dies aus inhaltlicher und sprachästhetischer Sicht sinnvoll erscheint“. Zu den Empfehlungen der Sprachpuristen zählen das „Prallkissen“ (statt Airbag), der „Klapprechner“ (statt Laptop) und der „Kleinstrennwagen“ (statt Kart).

Unklar ist, ob der Aufstieg des als Bulldozer (Planierraupe, Großräumpflug) geltenden Politikers Boris Johnson zum britischen Premierminister den ungeordneten Exit (Ausgang, Ausfahrt, Ausscheren, Verlassen) des Vereins Deutsche Sprache aus dem Einflussbereich des verfemten Englischen beschleunigen wird. Für diesen Fall plant der Kolumnist umgehend einen geordneten Index, der schützenswerte englische Begriffe wie „idler“, „loafer“, „dallier“, „trifler“ und „piddler“ (Müßiggänger, Tändler, Faulenzer, Nichtstuer, Bummler) auflistet. Kaum weniger smart (gewitzt, schlau, geschäftstüchtig) ist eine Aufstellung, die jüngst im Dumont-Verlag (Köln) erschienen ist. Unter dem Titel „Wörter, die es nicht auf Hochdeutsch gibt“ versammelt das bemerkenswerte Buch von Sofia Blind (Text) und Nikolaus Heidelbach (Illustrationen) eine Vielzahl regionaler Begriffe, „die keine Entsprechung in der deutschen Standardsprache haben, sondern umschrieben werden müssen“. Zu den wohlklingenden Wortschätzchen gehört der in Bayern und Österreich verbreitete Ausdruck „Adabei“, der auf Leute gemünzt ist, die bei gesellschaftlichen Anlässen zuverlässig anzutreffen sind. Der Kolumnist, der dieses Party-Phänomen bislang ähnlich bündig „Keine Feier ohne Meier (Meir, Mayer, Mayr, Meyer, Meyr, Maier, Mair)“ nannte, ist gewissermaßen back and forth (hin und weg). Auch der im plattdeutschen Sprachraum gebräuchliche Ausdruck „Wulkenschuber“ für einen Müßiggänger („idler“, „loafer“, „dallier“, „trifler“ und „piddler“), der wenig mehr tut, als Wolken zu betrachten und kraft seiner Gedanken zu verschieben, gefällt ihm naturgemäß. Desgleichen das Wort „Blomenkieker“. Damit werden in Schleswig-Holstein Touristen bedacht, die extrem gemächlich Auto fahren, um Sehenswertes am Wegesrand nicht zu verpassen. „Dat dat dat gifft!“, sagt meine Granny.

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