Premiere im Bremer Fritz-Theater

Zwei Schwestern in der Corona-WG

Nach langer Zwangspause geht es nun auch auf der Bühne des Fritz-Theaters weiter. Am 15. August feiert die Travestie-Komödie „Flying Sisters am Boden“ Premiere - und nimmt auch die Pandemie auf die Schippe.
15.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Zwei Schwestern in der Corona-WG
Von Alexandra Knief
Zwei Schwestern in der Corona-WG

Stefan Monsees (links) und Tim Reichwein gehen auch bei den Proben schon voll in ihren Rollen als arbeitslose Stewardessen Beate und Gaby auf.

Christina Kuhaupt

Stefan Monsees setzt sich ein kleines Federhütchen auf. „Du siehst albern aus“, wirft Schauspiel-Kollege Tim Reichwein ihm an den Kopf. „Ich weiß. Es ist auch ein albernes Stück“, kontert Monsees und schlägt direkt zurück: „Bind' du dir lieber mal deine Feder-Boa ein wenig lockerer um, das ist schließlich kein Schal.“ Ob das schon zum Stück gehört? Nein. Noch haben die Proben nicht begonnen. Aber Monsees (bekannt vor allem durch seine Kunstfigur Kim Bärly) und Reichwein sind schon voll drin in ihren Rollen, sprechen auch fernab der Bühne miteinander, als seien sie nicht Tim und Stefan, sondern Gaby und Beate. Denn genau um die beiden geht es in der neuen Fritz-Travestie-Komödie „Flying Sisters am Boden“.

Am Samstag, 15. August, öffnet das Theater nach der Corona-Zwangspause wieder seine Türen. 65 bis maximal 89 Besucher, je nach Größe der zusammengehörenden Gruppen, passen unter Einhaltung der Abstandsregeln ins Theater. Desinfektionsmittelspender stehen bereit, Besucher werden von einem Leitsystem geführt, Plexiglasscheiben bieten Schutz an den Tischen. „Vielleicht kleben wir noch Vögel drauf, damit niemand dagegen läuft“, scherzt Theaterleiter Christopher Kotoucek. Ihm selbst sei das nämlich schon passiert.

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Gaby und Beate, alias die „Flying Sisters“, zwei singende und sich streitende Stewardessen der Fluggesellschaft „KissAir“, begleiten die Besucher des Fritz Theaters bereits seit 2013. Vergangenes Jahr wurde die Show zum letzten Mal gespielt. „Wir hatten damals schon die Idee, dass es eine Fortsetzung geben soll“, sagt Monsees. Eigentlich sollte es darum gehen, dass Gaby und Beate nach der Pleite ihrer Fluggesellschaft einen Beautysalon aufmachen wollen. Corona hat nun dafür gesorgt, dass diese Pläne erst einmal auf Eis gelegt wurden und es eine etwas andere Fortsetzungsgeschichte der beiden stichelnden Freundinnen gibt, „quasi als Bindeglied“, so Monsees.

Der Beautysalon soll erst im kommenden Jahr eröffnet werden, bis dahin ziehen Gaby und Beate in eine Corona-WG, wo sie streiten, singen und Pläne schmieden. „Natürlich spielen wir wie in jeder Travestie-Show mit Klischees“, sagt Monsees. „Auch die Corona-Situation bietet da viel Potenzial und Material.“ In den Augen der beiden Schauspieler sei es wichtig, auch mal über die Krise und das Verhalten der Menschen in dieser Zeit – samt Nudeln und Klopapier – lachen zu können. Auch, wenn natürlich jeder im Theater die Pandemie ernst nehme. „Es ist erfrischend, die Dinge auch mal mit Humor zu beleuchten“, so Reichwein.

Online etwas anbieten

Beate und Gaby üben in ihrer chaotischen Wohngemeinschaft schon mal für ihren geplanten Beauty-Salon, in dem sie abends auch auftreten wollen. „Weil Gaby sehr geistreich und intelligent ist, kommt sie darauf, dass man doch online etwas anbieten könnte – so, wie es während Corona viele Künstler gemacht haben“, sagt Reichwein. „Die beiden starten also einen Live-Stream und präsentieren ihre Shownummern.“

Für das Stück selbst bedeutet das natürlich: viele bunte Kostüme und viel Musik. Wie das Ganze aussehen wird, präsentieren Monsees und Reichwein in einer kleinen Kostprobe. „Guten Abend meine Damen, Herren und Mischgeschlechter“, begrüßt Gaby ihr fiktives Online-Publikum. „Mein Name ist Gaby, ganz liebe Freunde dürfen mich aber Gabylein nennen.“ Plötzlich ruft Monsees etwas von der anderen Seite der Bühne und zeigt auf den Boden vor Reichwein: „Vorsicht, du stehst in der verbotenen Zone“ – gemeint ist der vordere Bühnenbereich, der wegen der Corona-Abstandsregeln nicht bespielt wird. Schnell geht Reichwein ein Stückchen zurück. Die Regeln werden – auch beim Proben – ernst genommen.

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Und so flirten Beate und Gaby ab Sonnabend – mit Abstand – an vier Abenden für je 90 Minuten ohne Pause mit ihren Zuschauern, ziehen sich mit ihren Eitelkeiten auf („Bete, dass der Geier niemals ausstirbt, sonst bist du der hässlichste Vogel“), träumen von ihrem letzten Urlaub auf Mauritius („Bikinifigur war gestern, ich bin jetzt Rettungs-Boje“) und geben nebenbei zu, dass sie eigentlich gar keine richtigen Frauen sind – oder, wie Beate es beschreibt, „Frauen mit Stiel“.

Weitere Informationen

„Flying Sisters am Boden“ feiert am Samstag, 15. August, Premiere. Weitere Vorstellungen am 21. und 22. August sowie am 3. Oktober. Tickets unter www.fritz-bremen.de.

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