Musik-Komödie „Camping“ im Metropol-Theater

Mücken, Maulwürfe und Musik

Mit „Camping“ kehrt das Fritz-Theater nach langer Corona-Pause nun auf die Bühne zurück. Erstmal nicht auf die eigene, sondern auf die des Metropol-Theaters. Bis zum 22. August ist das Stück noch zu sehen.
03.08.2020, 15:12
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mücken, Maulwürfe und Musik
Von Alexandra Knief
Mücken, Maulwürfe und Musik

Mit viel Humor und jeder Menge Pop- und Schlager-Hits begeisterte das Fritz-Ensemble bei "Camping" im Metropol-Theater.

Thomas Holz

Damit auch alles oder vielmehr jeder läuft wie er soll, hat Jörn Meyer sich am Donnerstagabend einfach mal selbst am Eingang seines Metropol-Theaters platziert, begrüßt Gäste, scannt Tickets und erklärt noch einmal das Hygienekonzept. „Einmal links herum und auf der anderen Seite nach oben“, sagt er und zeigt vorsichtshalber auch noch einmal in die richtige Richtung. Desinfektionsmittelständer findet der Gast auf dem Weg, Jacken und kleine Taschen dürfen mit in den Theatersaal genommen werden und die Maske darf ab, wenn das Stück losgeht. Alles einfach, hygienisch und unkompliziert.

Seit dem 9. Juli wird das Bremer Metropol-Theater wieder bespielt, größtenteils von lokalen Künstlern. Am Donnerstag stand sogar eine Premiere auf dem Programm: „Camping“ eine Musik-Komödie des Fritz-Theaters. Bevor es losgeht, tritt Fritz-Leiter Christopher Kotoucek selbst auf die Bühne. Um ein bisschen im monatelang ausgebliebenen Applaus zu baden und um noch einmal zu betonen, dass auch das Fritz-Theater selbst ab dem 15. August wieder seine Türen öffnet. Mit einem augenzwinkernden „Make Theater great again“ überlässt er die Bühne dann aber doch seinem Ensemble.

Aber worum geht es eigentlich in dem Stück? Vor allem natürlich um Musik. Eingebettet ist diese in eine simple Rahmenhandlung, die – der Titel verrät es bereits – auf einem Campingplatz im Harz spielt. Thomas (Christopher Ciraulo) und Iris (Maria Kristina Nissen) sind in ihrem winzigen Camper bereits angerückt. Sie haben allerdings ganz andere Pläne als entspannt in der Sonne zu liegen: Sie wollen einen Tunnel graben, der direkt in die nahe gelegene Villa des Ex-Mannes von Thomas' Mutter, der Zeltplatz- und Wurstbuden-Betreiberin Rita (Cindy Walther), führen soll. Der Plan: teure Gemälde von den Wänden klauen und diese durch von Rita selbst gemalte Fälschungen ersetzen.

Unerwarteter Besuch

Ihr Plan droht zu scheitern, als überraschend Rüdiger (Philipp Trant) und Heidi Schönborn (Sarah Fleige) in ihrem Luxuscamper „Masterline 3000“ auftauchen. Die schrillen Eheleute mit rheinländischem Dialekt und Klamotten, die sogar im Dunkeln noch leuchten würden, sind Stammgäste auf Ritas Campingplatz, wurden aber erst viel später erwartet. Und natürlich sollen die Schönborns auf keinen Fall den Tunnel entdecken! Es beginnt also ein humorvolles, hier und da etwas zu albernes Versteckspiel, in das schließlich auch die beiden Campingplatz-Maulwürfe Kurt und Hilde (gesprochen von Christopher Kotoucek und Lena Wischhusen) involviert werden.

Musikalisch steht das Stück (Buch: Kotoucek; Regie: Tim Reichwein) ganz im Zeichen deutschsprachiger Schlager- und Popnummern aus mehreren Jahrzehnten, darunter finden sich unter anderem Klassiker wie Rex Gildos „Fiesta Mexicana“, ein Udo-Jürgens-Medley oder „Ein Freund, ein guter Freund“ der Comedian Harmonists. Aber auch neuere Nummern wie Sarah Connors „Vincent“, Kerstin Otts „Regenbogenfarben“ oder Andreas Bouranis „Auf uns“.

Das Ensemble, das in guter, alter Fritz-Manier in Form laute und übertrieben gezeichneter Charaktere daherkommt, überzeugt vor allem mit großartigem Gesang. Insbesondere Philipp Trant sorgt mit seiner Stimme (sowie mit seinen quietschbunten Outfits) für den einen oder anderen Gänsehautmoment. Doch auch in der Gruppe klingen die fünf Schauspieler überaus harmonisch. Dazu trägt auch die gute Akustik im Metropol-Theater ihren Teil bei.

Gute Stimmung trotz Corona

Die anfängliche Sorge einiger Theatermacher, in einem großen, luftig besetzten Theater könnte nicht genügend Stimmung aufkommen, ist – zumindest bei der Premiere von „Camping“ – unbegründet. Das Publikum klatscht, wippt und tanzt am Ende sogar vorsichtig auf seinen auf Abstand markierten Plätzen. Durch ausgebaute Stuhlreihen fühlt man sich im Zuschauerraum nicht nur gut geschützt, sondern hat auch ungewöhnlich viel Beinfreiheit.

Und auch auf der Bühne werden die Corona-Abstandsregeln einfach mit viel Humor ins Drehbuch aufgenommen. Droht eine Umarmung, brüllt stets jemand aus dem Ensemble rechtzeitig „Abstand!“, kommt Rita vom Einkauf für ihre Imbissbude zurück, trägt sie natürlich Maske, und auch ein Bühnenkuss wird übertrieben theatralisch und mit Mundschutz in Szene gesetzt. Sicheres Theater trotz Corona? Funktioniert.

Weitere Informationen

Weitere Vorstellungen von „Camping“: 2., 6., 9., 19., 20. und 22. August, jeweils um 19.30 Uhr; 7., 8. und 21. August um 20 Uhr. Vom 13. bis zum 16. August gastiert noch einmal das Theaterschiff mit seinem Stück „Hitparade“ im Metropol-Theater. Tickets gibt es unter anderem unter www.nordwest-ticket.de.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+