Premiere in der Komödie Bremen

Der Traum von Vegas

Nach sechs Monaten Corona-Pause meldet sich das Packhaustheater unter neuem Namen zurück: Komödie Bremen. Mit „Zwei wie Bonnie und Clyde“ feierte das Theater am 10. September seine erste Premiere.
12.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Traum von Vegas
Von Alexandra Knief
Der Traum von Vegas

Martina Flügge und Mark Derichs spielen ein ungeschicktes Gauner-Paar, das vom Pech verfolgt wird.

Theaterschiff Bremen

Bremen. Die ersten Gäste sind schon da: Es sind die Queen und ihr Guard, sie blockieren die Bar. Einen Gin Tonic sucht man in der Hand von Elisabeth II. allerdings vergeblich, denn die Bar hat geschlossen. Genau darauf sollen das britische Staatsoberhaupt und ihr Aufpasser auch die anderen Gäste der Komödie Bremen im Packhaustheater aufmerksam machen.

Der Queen schräg gegenüber sitzt Angela Merkel auf einer der rot gepolsterten Sitzgruppen im Foyer, zwei Tische weiter: Stan Laurel und Oliver Hardy. Sie alle machen als Pappkameraden- und kameradinnen den Besuchern charmant aber unmissverständlich klar: Theater ja, mit einem Getränk in der Hand im Foyer rumlungern, nein.

Nach sechsmonatiger Corona-Pause wurde am Donnerstag im Packhaustheater, das ab sofort Komödie Bremen heißt, wieder Theater gespielt. Gezeigt wurde die Gauner-Komödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“, Regie führte Komödie- und Theaterschiff-Leiter Knut Schakinnis selbst. Und auch eine kleine persönliche Begrüßung seiner Gäste ließ sich der – vor der Premiere sichtlich nervöse – Chef nicht nehmen. Natürlich musste auch das kleine Theater im Schnoor an aktuelle Abstands- und Hygieneregeln angepasst werden. Konkret bedeutet das: 70 statt der sonstigen 150 Gäste. „Wir haben allerdings versucht, alles so umzubauen, dass wir uns hier auch wohlfühlen können“, so Schakinnis.

Mit Tisch und Körbchen

Und tatsächlich: Leere Plätze sucht man im Theatersaal vergeblich, es herrscht weder Baustellenfeeling noch Geisterstimmung. Stattdessen stehen Tischchen für Zweiergruppen bereit, kleine rote Lämpchen sorgen für ein angenehm warmes Licht und die Besucher können sich Körbchen mit Snacks und Getränken an den Platz ordern. Für noch mehr Sicherheit befinden sich Plexiglasscheiben zwischen den Sitzgruppen. Insgesamt fällt so kaum auf, dass sich die Anzahl der Zuschauer im Vergleich zu vorher mehr als halbiert hat. Ein angenehmer Rahmen also, um wieder Theater zu genießen.

Der Vorhang geht auf und gibt den Blick frei auf einen Mann, der in einer Fensterklappe feststeckt. Sein Name ist Manni (Mark Derichs). Mit etwas Schieben und Drücken sowie der Hilfe seiner Partnerin Chantal (Martina Flügge) kommt er schließlich frei. Sie macht es sich etwas leichter und benutzt einfach die Tür. Die beiden sind auf der Flucht, sie haben gerade in Hamburg erfolgreich eine Bank überfallen. Der Schuppen, in den sie einbrechen, soll ihnen als Versteck dienen. Eigentlich sollte ein Lager im Hamburger Industriegebiet als Unterschlupf herhalten. Weil sie sich ein bisschen verfahren haben, tauchen sie nun aber alternativ in Bremerhaven unter. Wen kümmert's? Fehler passieren.

Die zwei Neu-Ganoven fühlen sich wie Bonnie und Clyde – auch, wenn schnell klar wird, dass beide nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind. Mit den 100 000 erbeuteten Euro können sie sich endlich all ihre Träume erfüllen: Ab nach Las Vegas, wo sie sich eine Brustvergrößerung und er sich eine Haartransplantation gönnen will. „Hab ich dir schon mal erzählt, was ich für eine Löwenmähne hatte?“, erinnert sich Manni regelmäßig zurück, während er gedankenverloren mit der Hand über seine Glatze fährt. „Wie Elvis!“ Und so träumen sich die beiden in ihre rosige Zukunft und Chantal beginnt ihren Freund mit „Manni-Clyde“ anzusprechen. Damit auch jeder weiß, was für ein erstklassiger Gauner er ist.

Doch beim Blick in die Tüte mit der Beute dann der Schock: Statt der 100 000 Euro finden sich darin nur ein Pfund Kaffee, zwei Fertiggerichte und einige Rollen Klopapier. Und auch im Radio macht der Moderator sich bereits über die Räuber lustig, die ihre Beute in der Bank stehen ließen und stattdessen den Einkauf einer Kundin mitnahmen. Während Manni sich tierisch über den Fauxpas seiner Freundin aufregt, nimmt diese die ganze Sache gelassen. Dann rauben sie eben noch eine Bank aus! Und so beginnt eine humorvolle Überfallserie, die nicht gerade von Erfolg gekrönt ist.

Martina Flügge, die regelmäßig auf den Bühnen im Schnoor und auf dem Theaterschiff steht, spielt Chantal mit einer herrlich übertriebenen Naivität und schafft es, das Premierenpublikum alleine mit ihrer wunderbaren Mimik und ihrer flapsigen Aussprache zum Lachen zu bringen. Aber auch Mark Derichs („Boygroup“, „Heartbreak Hotel“ und „Girlies, Gameboy, Gummibärchen“) überzeugt in seiner Rolle als Möchtegern-Bankräuber am Rande der Verzweiflung, der sich den Traum vom neuen Haupthaar immer wieder abschminken muss, weil Chantal es mal wieder vergeigt hat („Hast du dir heute Morgen Blöd aufs Brot geschmiert?“).

Das Ergebnis sind kurzweilige 90 Minuten, die dem Publikum zwischen den Szenen immer wieder kurze Momente zum Plaudern und Snacken einräumen. Eine ganz neue Theateratmosphäre, an die man sich durchaus gewöhnen könnte.

Info

Zur Sache

Theaterschiff zieht ins Zelt

Während die Bespielung der Komödie unter Corona-Bedingungen möglich ist, lassen sich die Abstandsregeln auf dem Theaterschiff aktuell nicht umsetzen, sodass es mindestens bis zum Jahresende geschlossen bleiben muss. Geschäftsführer und Intendant Knut Schakinnis hat sich jedoch eine Alternative überlegt: Ab dem 19. November soll ein historisches Spiegelzelt-Theater im Jugendstil auf der Bürgerweide für ein neues Theatererlebnis sorgen. Weitere Informationen sollen Ende der kommenden Woche bekannt gegeben werden.

Weitere Informationen

Weitere Termine: 12./18./19./25. und 26. September jeweils um 20 Uhr; 27. September um 15 Uhr. Tickets und weitere Termine online unter www.theaterschiff-bremen.de.

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