Band feiert mit 6000 Fans Pur gewinnen Echo während Konzert in der ÖVB-Arena

Vor mehr als 6000 Fans in der Bremer ÖVB-Arena und Millionen Zuschauern an den Bildschirmen haben Pur am Donnerstagabend den Echo in der Kategorie „Rock/Pop national“ erhalten.
08.04.2016, 11:50
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Pur gewinnen Echo während Konzert in der ÖVB-Arena
Von Hendrik Werner

Vor mehr als 6000 Fans in der Bremer ÖVB-Arena und Millionen Zuschauern an den Bildschirmen haben Pur am Donnerstagabend den Echo in der Kategorie „Rock/Pop national“ erhalten.

Die Geschichte dieses aparten Abends muss von dessen Mitte her erzählt werden. Und mit jenem triumphalen ­Moment beginnen, in dem die mehr als 6000 Pur-Fans in der ÖVB-Arena für einige Minuten zum umjubelten Bestandteil eines noch größeren Spektakels werden: der Verleihung des renommierten Musikpreises Echo in der Kategorie „Rock/Pop national“ vor Abermillionen Zuschauern an den Fernsehschirmen. Schon bevor die ARD am Donnerstagabend kurz nach 21 Uhr von Berlin, wo die Echo-Galaveranstaltung steigt, nach Bremen schaltet, hat Pur-Sänger Hartmut Engler die ohrenscheinlich willigen Fans
auf diesen großen Moment eingeschworen: „Wir sind nachher die Bremer Stadtmusikanten – und werden die Hauptstadt richtig rocken“.

Eine feine Geste

So kommt es denn auch: Mit tosendem Applaus quittiert das Bremer Publikum die telegen inszenierte Verleihung der begehrten Trophäe an die Band. Überreicht wird die Auszeichnung von der Schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann, die dafür eigens den Weg nach Bremen angetreten hat. Eine ­feine Geste der Musikerin, die vor neun Jahren ziemlich groß herauskam, als sie das Castingformat SSDSDSSWEMUGABRTLAD („Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf!“) gewann.

Revolverheld gehen leer aus

Wie stimmgewaltig und textsicher auch die von Engler eingängig instruierten Stadtmusikanten neuen Typs sind, die es – anders als jene der Brüder Grimm – tatsächlich nach Bremen geschafft haben, können sie bundesweit beim telegenen Intonieren des Refrains des Rührstücks „Wenn sie diesen Tango hört“ demonstrieren. Dass durch den ersten Echo-Gewinn der Gruppe seit zwölf Jahren – dem fünften Sieg insgesamt – die gleichfalls in der Kategorie „Rock/Pop ­national“ nominierte Band Revolverheld um den Worpsweder Sänger Johannes Strate leer ausgeht – geschenkt. Man muss auch gönnen können; Schwaben zumal.

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In der ÖVB-Arena ist das Publikum ohrenscheinlich so euphorisch darüber, ein weithin hör- und sichtbarer Teil der Echo-Preisverleihung gewesen zu sein, dass es Hartmut Engler und seine gut eingespielten Mannen nach dem famosen Festakt engagiert und enthusiastisch bis zur letzten Zugabe durch einen gleichermaßen gefälligen wie mitreißenden Auftritt trägt. In einem Konzert, das rockigen Werken wie dem Eröffnungssong „Wer hält die Welt“ ebenso einen Platz einräumt wie den balladesken.

Hartmut Engler, Held des deutschen Mittelstands

Dabei werden seit alters her bewährte Hits wie „Freunde“ und „Lena“ in der ÖVB-Arena ebenso frenetisch gefeiert wie Lieder ­jüngeren Entstehungsdatums. Darunter „Achtung“, der Titelsong des neuen Albums, den der engagierte Engler als Respekt-
bekundung für Zuwanderer und als Warnung vor Fremdenfeindlichkeit verstanden wissen will. Darunter auch „Anni“, eine Liebeserklärung des Sängers an seine 91-jährige Mutter, die heimatvertriebene Tango-
hörerin (siehe oben). Eine Hommage, die Engler in Bremen nach gerade mal einer Strophe abbricht, um, wie er sagt, das ­Publikum nicht mit seiner Rührung zu behelligen.

Hartmut Engler, Sohn eines Ungarndeutschen und einer Sudetendeutschen, ist ein ausgesprochener Sympathieträger. Ein harmonisch gestimmter Held des deutschen Mittelstands, dessen bodenständiges Auftreten (weiße Turnschuhe, Jeans, Shirt, Weste) vollumfänglich damit versöhnt, dass er bisweilen ohne Not den Gossen-Goethe geben zu müssen glaubt, wenn er die berühmte „Egmont“-Wendung „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ mit Fäkalvokabular paraphrasiert oder mit seiner „Sturm-und-Drang-Phase“ in – ausgerechnet! - Bietigheim-Bissingen kokettiert.

Sänger Joris würdigt Bremer Publikum

Der Hartmut, der darf das. Dieser Zeremonienmeister einer Disziplin namens Konsenspop ist einer aus der Mitte der Gesellschaft – und spricht folgerichtig deren Sprache. Entsprechend zählen die von ihm angeleiteten chorischen Arrangements in Bremen zu den zwar ziemlich sinnfreien, aber besonders stimmungsvollen Höhepunkten: Jadiedndadnda! Die Menge tut eifrig mit, der Menge geht es hörbar gut, die Menge ist und bleibt in Feierlaune.

Das Engagement hiesiger Musikfans würdigt am späteren Abend bei der Echo-Gala-Veranstaltung in Berlin übrigens auch der als bester Newcomer belobigte Sänger ­Joris, der am Abend zuvor im Bremer Aladin gespielt hatte. Das Konzert zum Abschluss ­seiner Tour sei fulminant gewesen, sagt der in Stuhr geborene Joris, der die Bremer bereits anlässlich des 70. Geburtstages des ­WESER-KURIER im vergangenen Herbst begeistert hatte.

Während Joris (26) noch ein ganzes Musikerleben vor sich hat, blickt der freundliche Pur-Frontmann (54) auf eine mehr als 30-jährige Bandgeschichte zurück. Entsprechend gewaltig ist das Repertoire, das teils als, nun ja, puristisches Akustik-Set, teils mit großer Besetzung zum Vortrag kommt. Für die Musiker wie auch für die Fans gilt das, was Hartmut Engler nach Entgegennahme der Auszeichnung sichtlich bewegt so formuliert: „Es ist uns ein Fest.“

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