Beatles-Show im Bremer Musicaltheater

"Rain" holt die Beatles auf die Bühne zurück

Bremen. Die klassische Musik kennt es nicht, die Bildende Kunst nur als schlechte Wiederholung, und in der Literatur ist es (noch) absolut verpönt. Nur in der populären Musik ist das 'Covern', das Nachmachen, weit verbreitet und kein bisschen verpönt.
30.03.2010, 16:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Groth
"Rain" holt die Beatles auf die Bühne zurück

Nicht echt, aber nah am Original: Die "Rain"-Band.

Iris Hetscher

Bremen. Die klassische Musik kennt es nicht, die Bildende Kunst nur als schlechte Wiederholung, und in der Literatur ist es (noch) absolut verpönt. Nur in der populären Musik ist das 'Covern', das Nachmachen, weit verbreitet und kein bisschen verpönt. Komisch?

Die Deutsche Kammerphilharmonie covert Beethoven - das sagt kein Mensch, das Orchester liefert eine Neuinterpretation der Sinfonien. Der Künstler XY malt im Stil der großen Impressionisten - darin liegt schon eine Abwertung. Die Autorin Helene Hegemann hat sich für ihren Erfolgsroman bei einem anderen Autoren 'bedient' - das geht gar nicht, das ist Diebstahl geistigen Eigentums, empören sich viele schreibende Kollegen.

Aber wenn die US-Gruppe Rain demnächst an sechs Abenden im Bremer Musical Theater die Hits der Beatles bis ins kleinste Detail nachspielt - dann sind die Fans der Fab Four sogar noch begeistert, sprechen selbst die Feuilletonisten vom Stern über die Süddeutsche bis zur Neuen Zürcher Zeitung und Frankfurter Allgemeinen von einer virtuos inszenierten Show, von einer Wiederauferstehung der Beatles.

Ein Phänomen mit einer für das Musikgenre - vielleicht - ganz einfachen Erklärung. In der Klassik orientiert sich jede Interpretation an der Niederschrift des Komponisten, gilt Werktreue in der Regel als Arbeitsprinzip für jeden Interpreten. Die populäre Musik bezieht dagegen ihren Reiz aus der Interpretation eines Songs, wobei es Sängern und Musikern freisteht, sich an die Originalpartitur zu halten oder auch nicht. Anders ließen sich beispielsweise auch kaum die so gegensätzlichen Versionen Frank Sinatras und der Sex Pistols von 'My Way' erklären.

Mehr noch - und darin besteht ein Reiz des Coverns: Popmusiker aller Sparten überschlagen sich geradezu in dem Bemühen, einem Song ein ganz eigenes Gepräge zu geben. Anders ließe sich kaum erklären, warum Gershwins 'Summertime' in weit mehr als 2000 Versionen bekannt ist, warum es inzwischen Alben gibt, die ausschließlich ein einziges Lied in unterschiedlichsten Interpretationen vorführen ('La Paloma').

Den 'Weltrekord' als Cover-Song soll angeblich der Beatles-Hit 'Yesterday' halten, von dem wohl an die 3000 Versionen bekannt sind.

Remakes, Remixes, Plagiate - es gibt viele Begriffe für Neuinterpretationen von Popsongs. Seit einigen Jahren sind mit der möglichst originalgetreuen Wiedergabe zahlreiche Bands überaus erfolgreich. The Musical Box zelebriert die Songs von Genesis, die Gruppe Echoes ganze Alben von Pink Floyd, Voodoo Lounge seit Jahren die Musik der Stones - die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.

Die wahrscheinlich meistgecoverte Band neben Abba aber sind die Beatles, auf deren musikalische Spuren ein Broadway-Musical, missglückte 'Sergeant Pepper'-Zeltshows sowie unzählige Bands mit so schönen Namen wie Re-Beatles oder Cavern-Beatles wandeln. Diesen Gruppen geht es um die möglichst perfekte Wiedergabe der Lennon/McCartney-Songs.

Seit 2008 feiert in Europa eine US-amerikanische Band namens 'Rain' Triumphe. Dieses Quartett treibt es nicht nur musikalisch auf die Spitze - die seit Mitte der siebziger Jahre in wechselnden Besetzungen agierende Gruppe covert im Aussehen, in der Kleidung, in ihren Bewegungen, in den Zwischenansagen George, Paul, John und Ringo bis ins Detail. Die Musikinstrumente, die Verstärkeranlage - alles ist dem Original so exakt wie möglich nachempfunden. Und die 'Rain'-Männer setzen noch ein 'i-Tüpfelchen' drauf, wenn sie selbst Fehler in den Beatles-Songs (Please, please me) nicht korrigieren. Steve Landes, der John Lennon bei 'Rain', nennt diese künstlerische Form 'Re-Creating' und findet im übrigen nichts dabei, als Künstler 'nur' Songmaterial perfekt nachzuspielen. Er und seine Mitstreiter sehen das bloße 'Covern' von Beatles-Songs überhaupt nicht als Manko. 'Wenn wir gerade nicht mit der Show touren, dann hat jeder von uns noch seine eigenen Bandprojekte mit selbstkomponiertem Songmaterial.'

Nur das will bei den inzwischen mit einer umfangreichen Video-Bühnenshow ergänzten Konzerten niemand hören - hier geht es einzig und allein um die Beatles, hier spielen die vier Amerikaner und Keyboarder Mark Lewis als 'Wiedergeburt' von Billy Preston live und ohne versteckte Hilfsmittel pro Abend etwa 30 Songs von 'I want to hold your hand' bis 'Let it be' oder 'Hey Jude' in den entsprechenden Bekleidungen von brav bis Flower-Power-bunt. Ab Mitte April ist 'Rain' in Berlin, Hannover, Leipzig, Dresden, Düsseldorf und vom 27. April bis 2. Mai täglich im Musical Theater Bremen zu erleben. Am Ostersonnabend treten sie zudem bei Thomas Gottschalk in dessen Show 'My swinging Sixties' auf.

Karten für die Bremer Rain-Konzerte gibt es im Pressehaus, in den regionalen Zeitungshäusern und unter Ruf 36 36 36.

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