Zwei Millionen Euro für Bremer Theater

Rechnungshof: Theater-Sanierung "völlig überstürzt geplant"

Bremen. Für fast zwei Millionen Euro wurde das Theater saniert - und schenkt man dem Rechnungshof und seinem jüngsten Jahresbericht Glauben, trägt das Projekt Züge einer Groteske: Es wurde "gegen nahezu alle Regeln der Planung und Rechnungsprüfung verstoßen".
24.03.2010, 06:30
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Von Bernd Schneider

Bremen. Für fast zwei Millionen Euro wurde das Theater saniert - und schenkt man dem Rechnungshof und seinem jüngsten Jahresbericht Glauben, trägt das Projekt Züge einer Groteske: Es wurde 'gegen nahezu alle Regeln des Vergaberechts, der Korruptionprävention, der Planung und Rechnungsprüfung verstoßen', heißt es.

Rückblende ins Jahr 2004: Fachleute stellen massive Defekte an der Bühnentechnik fest. Apparate sind nicht mehr geeignet, Gegenstände über der Bühne zu halten, es besteht 'Gefahr für Leben und Gesundheit der Beschäftigten'. Sanierung 'umgehend' nötig. So schreibt die Unfallkasse im April 2005. Aber was ist schon umgehend? Zwei Jahre vergehen laut Rechnungshof, bis die Geschäftsführung den Aufsichtsrat überhaupt in Kenntnis setzt. Kurz darauf bewilligt der Senat 1,3 Millionen Euro aus der Steuerkasse zur Sanierung - am Ende landen die Kosten bei 1,9 Millionen.

Denn saniert wurde offenbar in einer Art künstlerischer Improvisation. So haben die Rechnungsprüfer weder geeignete Pläne für die Sanierung gefunden noch überhaupt eine Grundlagenermittlung, also erste Vorplanungen. Das Theater habe seine Aufträge 'während der Bauausführung ständig an die vorhandenen Gegebenheiten anpassen' müssen, 'was erfahrungsgemäß zu deutlich höheren Baupreisen führt'. Die Kosten wurden dann 'nicht auf ihre Angemessenheit' überprüft, 'sondern stets akzeptiert' und Vergleichsangebote wurden nicht eingeholt.

Wie die Aufträge im Einzelnen vergeben wurde, konnte der Rechnungshof auch im Nachhinein nicht klären. Bemerkenswert schien ihm allerdings, dass nicht Beamte oder Angestellte des Kulturressorts die Angebote einholten, sondern 'ein Freiberufler'. Entgegen allen Vorschriften habe der alle Angebote selbst geöffnet oder einfach per Fax eingeholt. 'Beide Vorgehensweisen widersprechen der Korruptionsprävention', heißt es im Bericht vorsichtig.

Falls bei der Sanierung peinlichst genau auf korrekte Abrechnung geachtet worden sein sollte, so ist dies zumindest nicht dokumentiert: 'Viele wichtige Abrechnungsunterlagen (zum Beispiel Aufmaße, Tagelohnzettel und Abrechnungszeichnungen) fehlen', heißt es. 'Es kann deshalb nicht festgestellt werden, welche Leistungen tatsächlich erbracht worden sind.' Das Theater habe aber alle Rechnungen anstandslos bezahlt, und so 'nicht sichergestellt, dass der jeweiligen Geldausgabe (...) überhaupt eine Leistung gegenüber stand'.

Insgesamt wurde 'völlig überstürzt und unter Missachtung aller für Baumaßnahmen geltenden Vorschriften' geplant, ausgeschrieben, vergeben und abgerechnet. Die Begründung des Theaters gegenüber den Rechnungsprüfern wollten diese nicht gelten lassen: 'Die Unfallkasse hätte andernfalls das Schauspielhaus geschlossen.' Diesen Termindruck, so der Bericht, habe das Theater selbst zu verantworten.

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