"Eine Zensur findet nicht statt"

Rechte Bücher in der Stadtbibliothek Bremen

Sollten rechte Publikationen in Bibliotheksregalen zu finden sein? Direktorin Barbara Lison erläutert, warum einige wenige umstrittene Titel in den Regalen der Stadtbibliothek landen.
22.11.2018, 05:31
Lesedauer: 2 Min
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Rechte Bücher in der Stadtbibliothek Bremen
Von Katharina Frohne

Sollten die Bücher rechter Verlage in den Regalen deutscher Bibliotheken stehen dürfen? Liefern die Einrichtungen damit Informationen – so kritikwürdig, so demokratie- und menschenfeindlich sie sein mögen? Oder bieten sie gefährlichen Ideologien erst eine Bühne? Viel wurde in den vergangenen Monaten darüber diskutiert, wie Bibliotheken sich zu rechter Literatur verhalten sollten.

Barbara Lison, Direktorin der Bremer Stadtbibliothek, fand dazu am Mittwoch deutliche Worte: „Eine Zensur findet nicht statt“, sagte sie in der Kulturdeputation – und berief sich dabei auf den wortgleichen Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes; jenen Artikel also, der die Meinungsfreiheit gewährleistet. Lison reagierte damit auf einen Bericht, um den die Grünen-Fraktion den Senator für Kultur im August gebeten hatte. Sie hatte die Behörde dazu aufgefordert, den Umgang der Bibliothek mit den Publikationen rechter Verlage zu untersuchen. Dabei kam heraus, dass auch vier Veröffentlichungen des Kopp Verlags zum Bestand zählen – eines Verlags, der in Titeln wie „Die Destabilisierung Deutschlands“ krude Verschwörungstheorien als kritische Recherche verkauft.

Wie Lison erläuterte, wurden diese Bücher allerdings nicht von den Bibliotheksmitarbeitern bestellt. Sie wanderten deshalb ins Sortiment, da sie sich zeitweilig auf der „Spiegel“-Bestsellerliste befunden hätten. Damit Kunden gefragte Titel möglichst schnell in den Regalen fänden, gelte hier die sogenannte Standing Order, eine Art Dauerauftrag, auf dessen Grundlage gelistete Bücher direkt an die Bibliothek geliefert werden. Aktiv angefordert würden diese Titel aber nicht, entsprechende Kundenwünsche würden abgelehnt.

Die Deputierten lobten das Verhalten der Bibliothek. Dass rechte Titel in der Regel nicht ins Sortiment fänden, sei nicht selbstverständlich und bemerkenswert, sagte der Grünen-Politiker Robert Hodonyi. Was die Übernahme der Bestseller-Titel angehe, sei er indes zwiegespalten: Einerseits sei es wichtig, sich über rechtes Gedankengut informieren zu können, andererseits habe „die neue Rechte ein großes Interesse daran, ihre Literatur in Bibliotheken zu platzieren und so in den kulturellen Kanon einzusickern“. Auch seine Parteikollegin Kai Wargalla regte an, die Titel nicht ungeprüft in den Bestand zu übernehmen. Lison unterstrich daraufhin die Haltung der Bibliothek. Die gelisteten Bücher seien ohnehin in der Diskussion; sie anzubieten, diene dem kritischen Diskurs.

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