Ausstellung zum Thema Identität Tampons an der Wäscheleine

Das Poesie-Kollektiv „Ros*innen“ stellt in einer Ausstellung am Dobben Geschlechteridentitäten und Sprache infrage. Bärtige Barbies spielen dabei eine Rolle.
23.02.2021, 05:00
Lesedauer: 7 Min
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Tampons an der Wäscheleine
Von Patricia Friedek

Bremen. Kea Hinsch bezeichnet sich als divers und non-binär. Mathilda Süßmilch sagt, sie ist heterosexuell-cis-geschlechtlich. Und Marie Püffel sieht sich als queer an – eigentlich auch als bisexuell, aber „bi“ impliziere, dass es nur zwei Geschlechter gibt, und das sei nicht richtig. Begriffe, die aktuell immer häufiger benutzt werden, sei es in der Politik, in Zeitungen oder anderen Medien, um Sexualität und Geschlechteridentität zu beschreiben. Nicht häufig genug, finden die drei Studierenden.

Hinsch (22), Süßmilch (24) und Püffel (23) bilden das Poesie-Kollektiv „Ros*innen“ und präsentieren seit vergangener Woche ihre Ausstellung „Ferrari in der Tiefgarage“ über Queer-Feminismus und Sprache im aRaum am Dobben. Sie haben Tampons in rote Farbe getaucht und wie auf einer Wäscheleine aufgehängt oder eine Barbie-Puppe mit Bart und behaarten Beinen auf ein Bobbycar gesetzt. An den Glasscheiben und Wänden hängen Texte, in denen es um Geschlechteridentität geht, um gendergerechte Sprache und um Begriffe wie „Hurenkinder“ oder „Schusterjungen“, die aus Sicht der „Ros*innen“ beseitigt werden sollten. Letztere etwa sind gängige Wörter in der Lese-Typografie.

Auseinandersetzung mit der Geschlechteridentität

In ihren Kunstwerken haben sich die drei viel mit ihrer eigenen Geschlechteridentität auseinandergesetzt, wie sie sagen. Püffel zum Beispiel fragt auf einer ihrer Malereien, ob sie queer genug sei. Queer bedeutet nach Duden-Definition, dass sich eine Person einer anderen als der heterosexuellen-cis-Geschlechtsidentität zugehörig fühlt, die als Norm angesehen wird. Das Wort Cis beschreibt Menschen, bei denen das biologische Geschlecht mit der Identität übereinstimmt. „Ich habe mich gefragt, ob ich immer noch queer bin, wenn ich eine heterosexuelle Beziehung mit einem Mann führe“, sagt Püffel. Auch Hinsch versucht, sich über ihre Kunst zu definieren. So formte sie zum Beispiel Gips-Figuren, die keine klaren Körperteile zeigen – sie sollen darstellen, wie die Geschlechter miteinander verschmelzen.

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„Wir möchten eine Bühne für Themen geben, die aus unserer Sicht zu wenig präsent sind: Feministische Themen, wie zum Beispiel die Menstruation. Es kann nicht sein, dass man immer noch heimlich einen Tampon aus der Tasche holt und ihn dann möglichst in der Hand versteckt, bis man auf dem Klo ankommt“, sagt Püffel. Dass das Geschlecht nicht nur binär sei, es also nicht nur die Unterscheidung zwischen Mann und Frau gebe, sondern auch andere Arten, sich zu identifizieren. Und wie stark gesellschaftliche Normen auf das männliche Geschlecht ausgelegt seien. Süßmilch hat dafür als Beispiel ein IPhone ausgestellt, auf dem die durchschnittliche Handspannweite von Frauen aufgezeichnet ist – nämlich zwischen 17,8 und 20,3 Zentimetern. Das Handy ist deutlich größer.

„Design-Objekte sind meistens immer noch auf Männer ausgelegt, obwohl belegt ist, dass mehr Frauen als Männer IPhones benutzen“, erklärt die Politikwissenschaftsstudentin. Begriffe wie Männer und Frauen sind in der Ausstellung stets mit einem Gendersternchen markiert, um Menschen zu inkludieren, die sich etwa als Frau definieren, es aber biologisch nicht sind.

Die Ausstellung der „Ros*innen“ ist von außen durch eine Glasscheibe zu betrachten, damit sie trotz Corona-Maßnahmen sichtbar ist. Von innen ist eine Aufzeichnung von Püffel zu hören, in der sie Chat-Unterhaltungen von Dating-Plattformen vorliest, die entweder sie selbst geführt hat oder die Freundinnen geführt haben. Eines ist vorweg zu sagen: „Hast du Lust auf Spaß?“ gehört dabei noch zu den harmloseren Sätzen.

Weitere Informationen

„Ferrari in der Tiefgarage - Eine Ausstellung über Queer-Feminismus und Sprache“ ist bis zum 28. Februar im aRaum am Dobben 131 zu sehen. Auf dem Instagram-Kanal @weser.kurier gibt es 24 Stunden lang eine Story mit Einblicken.

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