Theater am Goetheplatz Saison-Auftakt mit Oper "Mahagonny"

Bremen. Mit der Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" hat sich Benedikt von Peter, seines Zeichens neuer Leiter der Oper, zum Saison-Auftakt im Musiktheater etwas Besonderes einfallen lassen.
05.10.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Martin Märtens

Bremen. Es mutet ein bisschen irrwitzig an, was Benedikt von Peter, seines Zeichens neuer Leiter der Oper, derzeit im Theater am Goetheplatz treibt. Zwar ist unlängst bereits "Wo die wilden Kerle" als Kinder-Oper auf die Bühne gebracht worden. Doch am Sonntag kommt es mit "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" zum eigentlichen Saison-Auftakt im Musiktheater.

Und das ausgerechnet mit einem Stück, das nicht so recht in das Operngenre zu passen scheint. Die Musik kann zwar als eine Art Schlager verordnet werden, viele Passagen haben indes Schauspielcharakter. "Es handelt sich eigentlich um eine Anti-Oper von Bertolt Brecht und Kurt Weill", sagt folgerichtig der Regisseur. "Sie haben versucht, Oper auf andere Art zu thematisieren: anhand einer Welt, in der keine Liebe existiert. Obwohl Liebe doch eigentlich das zentrale Thema von Opern ist".

Als wäre das noch nicht genug, bricht von Peter auch mit den üblichen Sehgewohnheiten des Publikums. Er lässt das gesamte Haus bespielen und fordert die Zuschauer damit auf, dem Ensemble von einem Ort zum anderen zu folgen. Das kann der Vorplatz des Theaters am Goetheplatz sein, dessen Foyer, der Zuschauerraum – oder auch die naturgemäß überwiegend unbestuhlte Herrentoilette. Da man dort keine 500 Personen – auf etwa so viele will man die Zuschauerzahl wegen der ungewöhnlichen Bespielungsart reduzieren – unterbringen kann, werden im ganzen Haus Live-Videos der Aufführung gezeigt. "So kann jeder Zuschauer jederzeit alles verfolgen", sagt von Peter.

Das Konzept zielt darauf, die Zuschauer zu einem Teil der verderbten Stadt Mahagonny zu machen. Ein Teil jener Stadt also, die Fatty, Moses und die Witwe Begbick wegen ihrer Perspektivlosigkeit irgendwo in den USA gegründet haben, um vorbeiziehenden Goldgräbern und Baumfällern mit Bars, Bordellen und anderen unmoralischen Angeboten das Geld aus der Tasche zu fischen. Alles ist erlaubt. Nur kein Geld zu haben ist verboten. Anfangs läuft das Geschäft glänzend. Doch als die Kurse sinken, kommt die Krise. Schließlich droht noch ein Hurrikan die Stadt zu zerstören.

"Das Stück thematisiert die Frage, welche Werte es neben der Verwertung gibt", sagt von Peter. "Das Stück behauptet, es gebe keine, lebt aber davon, dass nach Werten gesucht wird. Eigentlich wird dauernd dazu angestachelt, ,Halt!’ zu schreien. Genau das passiert aber letztlich nicht – und am Ende sind alle tot."

Während des gesamten Geschehens auf der erweiterten Bühne begleiten die Zuschauer die Darsteller. Dabei soll von Bauchladenträgern gar Mahagonny-Sekt ausgeschenkt werden, dessen Preis bei fallenden Kursen im Stück folgerichtig sinkt.

Trotz reduzierter Zuschauerzahl könnte es im Haus eng werden. Schließlich wirken um die 100 Akteure, bestehend aus Chor, Werktätigen-Chor, Solisten und Technik, an der Inszenierung mit. "Es dürfte ein toller Auftakt werden, weil wir mit unserer Herangehensweise einen Schulterschluss zwischen Darstellern und Zuschauern zu schaffen versuchen, die sich ausnahmslos auf einer Ebene befinden – in Mahagonny", sagt von Peter. "Das Publikum erlebt Aufstieg und Niedergang der Stadt sozusagen leibhaftig mit."

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