San Francisco Ballet zum ersten Mal in Deutschland

Hamburg. Das 1933 gegründete San Francisco Ballet gilt als die älteste Compagnie Amerikas. Doch erst jetzt gab sie ihr erstes Gastspiel in Deutschland, bei den Hamburger Ballett-Tagen in der Staatsoper. Dem begeisterten Publikum bot das technisch starke Ensemble mit vier Programmpunkten einen kleinen Einblick in sein Repertoire, das vom Neoklassizismus George Balanchines geprägt ist.
28.06.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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San Francisco Ballet zum ersten Mal in Deutschland
Von Alexandra Albrecht

Hamburg. Das 1933 gegründete San Francisco Ballet gilt als die älteste Compagnie Amerikas. Doch erst jetzt gab sie ihr erstes Gastspiel in Deutschland, bei den Hamburger Ballett-Tagen in der Staatsoper. Dem begeisterten Publikum bot das technisch starke Ensemble mit vier Programmpunkten einen kleinen Einblick in sein Repertoire, das vom Neoklassizismus George Balanchines geprägt ist.

Höhepunkt des Auftritts war das am Ende präsentierte Stück "Within The Golden Hour" von Christopher Wheeldon aus dem Jahre 2008. Der Brite tanzte einst beim New York City Ballet und hat dort seine ersten Choreografien geschaffen. Wie der Übervater Balanchine versteht sich Wheeldon darauf, immer neue, überraschende Strukturen auf der Bühne entstehen zu lassen, Ornamente, Kreise und Girlanden, die sich plötzlich auflösen und neu zusammensetzen. Er verliert sich dabei aber nicht in Formspielereien, sondern deutet in seinen packenden Duetten die Beziehung zwischen den Partnern lebendig aus.

Wheeldon, der fest im Ballett verankert ist, hat eine Bewegungssprache gefunden, die nie überladen sondern frisch wirkt und sogar komisch aussehen kann. Ebenso bemerkenswert ist seine Musikalität; die Strukturen der Kompositionen von Ezio Bosso und Antonio Vivaldi treten einem durch die Bewegung geradezu vor Augen. Üblicherweise ist bei Gastspielen die Musik vom Band zu hören, in der Staatsoper spielten allerdings die Hamburger Symphoniker unter der Leitung von Martin West, was den Abend besonders reizvoll machte. Denn die Musikauswahl war ambitioniert: Auf Musik von Gyorgy Ligeti hat Wheeldon sein Ballett "Continuum" kreiert, aus dem jetzt ein Duett zu sehen war. Und auch hier begeisterten die Eleganz, Kraft und Schönheit des Tanzes sowie die Ausdrucksstärke der Bewegungen: Immer wieder beugt die Tänzerin ihren Oberkörper weit nach vorn, so als strebe er von ihrem Partner, der sie von hinten umklammert, fort.

Helgi Tomasson, künstlerischer Leiter des San Francisco Ballet, hat früher ebenfalls beim New York City Ballet gewichtige Partien in den Werken Balanchines und Robbins getanzt. Seine Choreografie "7 for Eight" zur Musik von Johann Sebastian Bach ist ebenfalls in dieser Tradition verhaftet. Seine Abfolge von Duetten und Soli lehnt sich ganz dicht an die Musik an, gibt ihrer Fröhlichkeit und leisen Trauer Ausdruck und findet für die Formschönheit der Musik Bachs eine angemessene Tanzsprache. Wie auch bei Wheeldon fasziniert seine Stilsicherheit: Nirgendwo überlagert überflüssiger Zierrat die Bewegungen, auch die Hebungen wirken erfrischend unangestrengt und entschlackt.

Als zweites Stück des Abends wurden das japanisch inspirierte "Raku" von Yuri Possokhov aufgeführt, ein szenisches Ballett, das den Brand des Goldenen Pavillons in Kyoto 1950 mit Szenen verbindet, die von Liebe, Treue, Gewalt und Trauer erzählen.

Gastspiele wie dieses ermöglichen es dem Publikum, einen anderen, in Deutschland wenig gepflegten Tanzstil kennenzulernen. Doch selbst dem Hamburg Ballett fehlt das Geld, häufiger interessante Compagnien wie das San Francisco Ballet einzuladen. Dabei ist das Interesse durchaus vorhanden: Die beiden Vorstellungen des amerikanischen Ensembles waren ausverkauft. Am Sonntag enden die Ballett-Tage mit der traditionellen Gala.

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