In der Kritik Sarah Christian

Es ist eine beachtliche Musiker-Vita, die Sarah Christian bereits als Mittzwanzigerin vorzuweisen hat; die Violinistin ist quasi in der höchsten orchestralen Liga zuhause, seit 2013 auch Konzertmeisterin bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Da ist es hoch anzurechnen, dass sie sich dennoch nicht scheut, auch mit einem – immerhin erfahrenen – Liebhaberorchester zu konzertieren.
08.11.2016, 00:00
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Von Gerd Klingeberg

Es ist eine beachtliche Musiker-Vita, die Sarah Christian bereits als Mittzwanzigerin vorzuweisen hat; die Violinistin ist quasi in der höchsten orchestralen Liga zuhause, seit 2013 auch Konzertmeisterin bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Da ist es hoch anzurechnen, dass sie sich dennoch nicht scheut, auch mit einem – immerhin erfahrenen – Liebhaberorchester zu konzertieren. Und ihr Auftritt in der Glocke geriet zum echten Bravourstück.

Mit souveränem Strich, expressiv und tief auslotend präsentierte Christian das sinfonisch angelegte Violinkonzert von Brahms, eines der bedeutendsten Werke der Geigenliteratur. Ihre Betonung galt dabei vor allem der Vermittlung emotionaler Inhalte; ihr markant kontrastierendes Spiel, das Empfindungsintensität und dramatisch forcierte Akzentuierung organisch ineinanderfügte, brachte dies vor allem in den Ecksätzen optimal zum Ausdruck. Interpretatorisch verfolgte sie konsequent ihre eigene solistische Linie, glich aber gleichwohl dezent dort aus, wo das Orchester ihrem Rubato nicht unmittelbar folgen konnte. Ungemein virtuos, von atemberaubender Spannung durchzogen, geriet die Kadenz: ein zauberhaftes Poem, das zusammen mit der feinsinnig ausgeführten Folgesequenz selbst die Kantabilität des melodischen Mittelsatzes übertraf.

Das Orchester der Musikfreunde, achtsam und motivierend dirigiert von Rida Murtada, hielt überraschend gut mit, selbst wenn hier und da kleine intonatorische Unschärfen, gelegentliches Schleppen oder nicht ganz deckungsgleiche Melismen zu hören waren. Das Ensemble überzeugte zudem mit großer dynamischer Bandbreite und energischem Einsatz und imponierte mit sattfarbigem, weitestgehend geschlossenem Klangbild. Bei Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre blieb Murtada in der Wahl der Tempi noch zurückhaltend; mit der temperamentvollen Ausführung von Schumanns Sinfonie Nr. 4 bewies das Orchester, dass es auch schnell wechselnde metrische Vorgaben gut umsetzen kann. Großer Beifall für eine bemerkenswerte Leistung.

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