„Unter Gaunern“

Schlechte Quote für Bremer Serie

Mit mäßigem Zuschauerzuspruch ist die Radio-Bremen-Produktion „Unter Gaunern“ gestartet: Nur 1,76 Millionen Zuschauer wollten die Auftaktfolge der wöchentlichen Serie aus Bremen sehen.
29.01.2015, 00:00
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Schlechte Quote für Bremer Serie
Von Hendrik Werner
Schlechte Quote für Bremer Serie

Kleinganoven-Soap vor gutbürgerlicher Fassade: Bruno Schulz (Jophi Ries) und Gattin Jette (Julia Jäger) an Bremens Humboldtstraße.

ARD/Manju Sawhney

Mit viel Lokalkolorit ist die neue Radio-Bremen-Vorabendserie „Unter Gaunern“ ausgestattet: Zu sehen ist die schmucke Humboldstraße, gemütlich zuckeln Straßenbahnen durchs Bild. Das ist pittoresk, reicht aber nicht für eine gelungene Krimifarce – das Drehbuch setzt zu sehr auf Kalauer und Albernheiten. Auch die Quote der Auftaktfolge war eher mäßig: Nur 1,76 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 6,8 Prozent) schalteten ein.

An mangelndem Lokalkolorit kann es jedenfalls nicht gelegen haben, dass der am Dienstag erfolgte Start der Vorabendserie „Unter Gaunern“ nur auf verhaltenes Interesse gestoßen ist. Malerischer oder repräsentativer ist Bremen auch in der Vorzeigeserie „Nicht von schlechten Eltern“ (1992-1996) nicht abgebildet worden. So wartete die Premiere der neuen Krimifarce-Reihe neben ansehnlichen Inszenierungen der schmucken Humboldtstraße auch mit Weserimpressionen und durchs Viertel zuckelnden Straßenbahnen auf.

Allein: Auf verdichtete Weise in Szene gesetzte Besonderheiten einer Stadt garantieren noch keinen Quoten-Hit. Ein ähnliches Los widerfuhr vor fünf Jahren auch der als Heimatfilm neuen Typs beworbenen Adaption von Sven Regeners Roman „Neue Vahr Süd“, die Radio Bremen im Verbund mit dem WDR realisiert hatte. Vergleichbar undankbare Erfahrungen sammeln auch die Macher der Bremer „Tatort“-Folgen, deren löbliches Bemühen, originelle Schauplätze zu zeigen, wiederholt als wirklichkeitsfern geschmäht werden.

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Nein, den fast schon naturalistisch anmutenden Szenarien lässt sich zu wenig Realitätsnähe nicht nachsagen. Dafür dem überdrehten Drehbuch (Christian Jeltsch), das zwar vor Ideenfülle, aberwitzigen Wendungen und launigen Dialogen strotzt, es aber selbst für das strapazierfähige Genre Farce mit Kalauern und Kalamitäten übertreibt. Das kommt so: Familie Schulz, wohnhaft in einem als Alcatraz titulierten Haus an der Humboldtstraße, ist auf dezent delikate Delikte abonniert. Sie dreht keine großen Dinger; Waffengebrauch ist tabu. Die Geschäfte aber laufen schleppend. Die Handy-Hehlerei, mit der sich Bruno (Jophie Ries) und Sohn Robbie (Moritz von Zeddelmann) befassen, erweist sich als mühselig, und jene Gemälde, die Großvater Frans (Peter Franke) hingebungsvoll fälscht, sind Ladenhüter. „Kunst braucht Zeit“, sagt er, als ihn Schwiegertochter Jette (Julia Jäger) zur Rede stellt. Immerhin verhandle er mit dem Werkzeugmuseum in Remscheid und dem Heimatmuseum in Stade. Dass ihm Jette vorwirft, er kopiere stets nur nackte Frauen von Paula Modersohn-Becker, will Frans als Einwand nicht gelten lassen.

So weit, so gewitzt. Leider bringt sich die Auftaktfolge durch das Überreizen ironischer, oft auch alberner Passagen darum, als Krimi ernst genommen zu werden. Gegen dieses Manko vermag auch der ambitionierte Grundkonflikt nichts. Der besteht darin, dass Tochter Betty (Cristina do Rego) ohne das Wissen ihrer Familie der Ganovenehre Schande macht. Denn die junge Frau ist nicht nur Polizistin, sondern zudem die beste Polizeischulabsolventin, die Bremen je hervorbrachte. Insofern ist ausgerechnet diese Sauberfrau jenes „schwarze Schaf“, das der Auftaktfolge den Titel gibt. Ein schwarzer Rabe zählt übrigens auch zum erweiterten Familienkreis. Er wird „Sheriff“ gerufen, kräht keck „Mörder!“ und gleicht vom Wesen her einer Elster.

So jagt eine Zote die nächste. Manche ist abgeschmackt. Etwa wenn Frans als „magische Silbe des Verbrechens“ das „Al“ nennt, weil es Al Capone, Alcatraz und Al-Kaida gemein sei. Nun ja. Immerhin: Das Ensemble spielt die an Klischees reiche Jokus-Revue gut. Wiedervorlage immer wieder dienstag um 18 Uhr in der ARD.

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