Abschied nach 53 Jahren Schlussakkord für die „Musikschau der Nationen“

Zum letzten Mal steigt ab diesem Freitag die "Musikschau der Nationen" in der ÖVB-Arena. Nach 53 Jahren heißt es Abschied nehmen von der Traditionsveranstaltung.
27.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sigrid Schuer

Zum letzten Mal steigt ab diesem Freitag die "Musikschau der Nationen" in der ÖVB-Arena. Nach 53 Jahren heißt es Abschied nehmen von der Traditionsveranstaltung.

„Time to say goodbye“ heißt es für Isa Nolle, Geschäftsführerin des Landesverbands des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge an diesem Wochenende. Denn von Freitag, 27. Januar, bis Sonntag, 29. Januar, geht die „Musikschau der Nationen“ in der ÖVB-Arena zum 53. und definitiv letzten Mal über die Bühne. „Natürlich ist schon viel Wehmut mit dabei. Aber der Stolz auf das, was wir in 53 Jahren mit der Musikschau erreicht haben, überwiegt“, sagte sie am Donnerstag im Foyer der ÖVB-Arena am Rande des ersten Zusammentreffens von vielen verschiedenen Posaunisten aus rund 25 Nationen. Die Musiker haben gemeinsam den Song „76 trombones“ aus dem Musical „The Music man“ einstudiert. „Dafür habe ich 50 Länder kontaktiert“, berichtet sie.

So sprach sie Mitte vergangenen Jahres die serbische Botschaft an. Und buchstäblich in letzter Minute landete dann doch noch ein Posaunist aus Serbien in Bremen. Auch ein Posaunist aus Marokko ist dabei. Und allein sieben aus Russland. Wie viele Posaunisten es endgültig sein werden, wird Isa Nolle wohl erst am Premierentag sagen können. Fest steht hingegen schon eines: Für die lokale Note werden Posaunenchöre aus der Region sorgen.

Stolz sein auf das Erreichte kann Isa Nolle tatsächlich, denn die „Musikschau“ ist eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Deutschen Kriegsgräberfürsorge. Zur letzten Festival-Ausgabe hat die Geschäftsführerin Orchester aus den Niederlanden, Frankreich und den USA eingeladen, also aus jenen Nationen, die der Musikschau von jeher die Treue gehalten haben. So sorgte die US-Army-Band Europe mit ihren Auftritten stets für Furore in der Halle. Nicht anders war das bei der mexikanischen Tanzgruppe „Tenochtitlan Puebla“ in ihrem farbenfrohen Mariachi-Look, die auf ausdrücklichen Wunsch des Publikums zum zweiten Mal bei der Musikschau dabei sein wird. „Trotz aller Probleme, die es in ihrem Land gibt, bringen sie so viel Lebensfreude mit, die einen einfach mitreißt“, betont Nolle.

Lesen Sie auch

Ein Zeichen der Völkerverständigung

Wie sehr die „Musikschau der Nationen“ eben auch ein Festival ist, das im Zeichen der Völkerverständigung steht, machte das Gastspiel des „Izivunguvungu Music Projects“ aus Südafrika deutlich. Die südafrikanischen Kinder und Jugendlichen traten 2012 das erste Mal in Bremen auf. „Das war ein echtes Highlight für mich. Und ich freue mich, dass die Kontakte nach Südafrika bis heute bestehen und dass wir die jungen Afrikaner ein Stück weit auf ihrem Weg begleiten konnten“, erinnert sich die Geschäftsführerin.

Eingeschworene Fans der „Musikschau der Nationen“ werden sich nicht nur an das Gastspiel der stimmstarken „Kiwis“, der New Zealand Army Band 2015, sondern auch an den schmissigen Auftritt der italienischen Bersaglieri mit ihren charakteristischen Feder-Hüten in den 1980er Jahren erinnern. Und dann wird es bei der Dernière doch noch eine Premiere geben, zum ersten Mal ist eine Marine-Band aus Finnland mit dabei. Und eines ist ohnehin jetzt schon klar: „Alle werden sich für das große Finale noch einmal besonders viel Mühe geben“, ist sich Isa Nolle sicher.

Mit der letzten Musikschau geht für sie auch ein Stück Familiengeschichte zu Ende. „Sie hat mich fast mein ganzes Leben lang begleitet“, erinnert sich die Festival-Chefin, die 2013 ihre erste Schau managte. Im August 2012 war sie als Nachfolgerin ihres Mannes Rolf Reimers das Amt der Landesgeschäftsführerin übernommen. 1965 hatte ihr Vater, der 2011 verstorbene Siegfried Falke, das Festival ins Leben gerufen. Der Titel der Veranstaltung lautete zunächst „Militärmusikschau“. Im Zeichen der Völkerverständigung firmierte das Festival ab Ende der 1960er Jahre dann als „Musikschau der Nationen“. „Aus Fremden werden Freunde“, lautet fortan der Slogan.

„Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“ – dieser Entschluss reifte allmählich bei Isa Nolle. Denn die Bedingungen haben sich inzwischen verändert. Zum einen sei der langjährige Vertrag mit der ÖVB-Arena 2016 ausgelaufen. Zum anderen könne die Bundeswehr wegen ihrer vielen anderen Aufgaben nicht mehr in dem Maße Unterstützung leisten. Wegen der Schließung und Zusammenlegung von Standorten sei es nicht mehr möglich, die anreisenden Orchester in Kasernen übernachten zu lassen. „Die Musiker müssen wir jetzt in Hotels unterbringen“, erzählt die Geschäftsführerin. Ziel der Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sei es nun, sich künftig ganz auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren, der Veranstaltung von Workcamps für Jugendliche aus ganz Europa, die bei der Pflege von Kriegsgräbern hautnah erleben können, wie wichtig das Credo: „Nie wieder Krieg“ ist.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+