70 Jahre Kriegsende in Bremen Schokolade für die Kinder

Wir waren bei Bekannten im privaten Bunker im Keller. Der Krieg war aus und die Engländer besetzten Haus für Haus.
26.04.2015, 00:00
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Von Richard H. Rambacher

Wir waren bei Bekannten im privaten Bunker im Keller. Der Krieg war aus und die Engländer besetzten Haus für Haus. Wir Deutschen, fast alles nur Frauen und Kinder, hatten nichts zu sagen. Kontakte streng verboten. Da saßen wir nun rum und trauten uns nicht weiter auf die Straße

Allenfalls mal einen Blick hinaus. Und da kam auch schon ein englischer Militärlaster den Fußweg entlang. „Do you have radio?“ Nanu, was wollten die denn? Wir waren ja noch Kinder. Natürlich verständnislos, aber neugierig. Und dann sahen wir die Bescherung: der ganze Laster auf der Ladefläche voller Radios. Volksempfänger und auch Besseres. Das brauchen die Besiegten nie wieder, dachten die Engländer. Aber die Sieger eigentlich auch nicht!

Das Haus war ja in allen oberen Etagen requiriert. Die Garage neben dem Haus aber auch. Denn hier hatte sich der englische Koch eingerichtet und versorgte seine Kameraden im Haus. Das roch so lecker. Für uns Kinder, die wir immer Hunger hatten, gab es aber nichts. Kein Mitleid. Keine Ansprache der Herren von da oben. Aber was war das?:

Halb verdeckt hinter der Garagentür, da pfiff doch einer! Wir kamen vorsichtig und ungläubig näher. Der Koch winkte uns, hielt den Finger vorm Mund und warf jedem von uns eine Tafel Schokolade HERSHEYS zu. Das war unglaublich! Der Feind von gestern wurde zum Freund von heute. Richard H. Rambacher

Die Engländer hatten ein letztes Mal Bremen bombardiert und gehofft, dabei die Befehlsbunker in der Parkallee platt zu machen. Doch der Krieg war für die Besetzer Bremens noch nicht zu Ende. Sie zogen weiter, um den Norden Deutschlands von der Nazidiktatur zu befreien. Die Amis hatten jetzt das Sagen.

Da kamen sie über Nacht: die weißen und die schwarzen GI‘s. Nicht schlecht bestaunt. Lässig und locker nahmen sie das „befreite Bremen“ in Besitz. Mit ihnen kam ein Traum an Überfluss: Zigaretten, Schokolade, Benzin und vieles mehr. Da musste doch auch für uns was übrig sein.

Der schwarze Soldat mit seiner Maschinenpistole saß ganz oben auf dem Stapel von Hunderten von Benzinkanistern. Achtlos übereinander getürmt und jeder mit 20 Litern edlem Treibstoff gefüllt – und rauchte seelenruhig eine Zigarette nach der anderen. Ob er wohl auf einen Kanister verzichten könnte, fragte ich mich als Zehnjähriger. Ich fand ja. Dann griff ich mir einen. Ganz schön schwer zu schleppen für einen Jungen. Aber der Schwarze träumte von Missouri, und ihn kümmerte es nicht.

Zuhause heil angekommen war das zu Unrecht Beschaffte später ein Segen. Denn die dringend benötigten Dachziegel gab es, aber der Firma Stolzenbach fehlte der Treibstoff, um die Ziegel zu bringen. Da konnte ich als Zehnjähriger beiden helfen: Unserem Dach und der Firma Stolzenbach.

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