Großes Minus nach "Turandot"

Seebühne des Bremer Theaters vor dem Aus

Bremen. Ein Defizit zwischen 250.000 und 300.000 Euro hat die diesjährige 'Turandot'-Inszenierung auf der Seebühne hinterlassen. Das war aus Theaterkreisen zu erfahren. Eine endgültige Abrechnung liegt der Kulturbehörde noch nicht vor.
11.08.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Seebühne des Bremer Theaters vor dem Aus
Von Alexandra Albrecht

Bremen. Ein Defizit zwischen 250.000 und 300.000 Euro hat die diesjährige 'Turandot'-Inszenierung auf der Seebühne hinterlassen. Das war am Dienstag aus Theaterkreisen zu erfahren. Eine endgültige Abrechnung liegt der Kulturbehörde noch nicht vor. Sollten sich die Zahlen bestätigen, wird Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (SPD) dem Aufsichtsrat des Theaters empfehlen, die Bühne an der Waterfront nicht weiter zu bespielen.

Nachdem bekannt geworden war, dass etwa 8000 Zuschauer weniger als im Vorjahr die Opernaufführungen besucht hatten, zeichnete sich das Minus bereits ab. Damals hatten noch fast 30.000 Musikfreunde 'Aida' gesehen, jetzt kamen nur noch 21.000 Besucher zu 'Turandot'. 2009 konnte ein Plus von 50.000 Euro erwirtschaftet werden. Letztlich hat der Aufsichtsrat des Theaters zu entscheiden, ob an der Waterfront weiterhin Opern aufgeführt werden.

Doch Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz hat schon früher klar gestellt, dass dieses zusätzliche Angebot den Etat des Theaters nicht belasten darf. Sie wird dem Gremium also empfehlen, die Bespielung einzustellen. Es sei denn, es fände sich ein Sponsor, der 300.000 bis 500.000 Euro zuschießt. Das jetzige Minus soll im Theaterhaushalt schon berücksichtigt sein.

Hans-Joachim Frey, der wegen der 2,5- Millionen-Euro-Schulden von 'Marie Antoinette' im Musicaltheater frühzeitig seinen Intendantenposten am Theater Bremen geräumt hat, sollte auf der Seebühne laut Vertrag eigentlich auch noch 2011 und 2012 Opern inszenieren. Für das kommende Jahr war schon Bizets 'Carmen' angekündigt worden. Er zeigte sich am Dienstag im Gespräch mit dem WESER-KURIER überrascht über die Höhe des Defizits.

Die Behörde habe mit ihm bislang nicht über Zahlen und die Zukunft der Freiluft-Aufführungen gesprochen, sagte Frey, der die Bespielung der Seebühne 2008 begonnen hat. 'Man muss das Defizit über die drei Jahre sehen', so der ehemalige Bremer Intendant, der sich am Dienstag auf dem Wolfgangsee befand. 'Eine Entscheidung wird erst im nächsten Vierteljahr fallen', sagte er.

Weil sein Auflösungsvertrag der Geheimhaltung unterliegt, äußert sich die Kulturgbehörde nicht dazu, ob er sein Honorar noch weitere zwei Jahre erhält, auch wenn der Betrieb auf der Seebühne vorzeitig eingestellt würde.

Die rückläufigen Besucherzahlen dieses Sommers werden mit der ungewöhnlichen Kälte zu Beginn der Seebühnen-Saison und der Fußball-WM erklärt. Mit der plötzlich einsetzenden Schafskälte hatten auch die Sänger und die Bremer Philharmoniker zu kämpfen, als die Temperatur über dem Wasser nur noch bei etwa zehn Grad lag. Wie aus dem Umfeld der Musiker zu hören war, sollen sie den Dienst auf der Seebühne an einem Abend beinahe verweigert haben.

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