"Santiano" rocken die ÖVB-Arena Seemannslieder mit Pyrotechnik

Mächtig was los auf der Bühne der ÖVB-Arena: Die Flensburger Jungs von der Band Santiano rockten die bis in die hohen Ränge voll besetzte große Halle in Bremen mit ihren Songs und einer Bühnenshow.
23.11.2015, 16:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Seemannslieder mit Pyrotechnik
Von Uwe Dammann

Zwei Drachenköpfe rechts und links der Bühne dominieren die Szenerie. Die Musiker, die vorne agieren, sehen so aus, als wenn sie gerade das dahinter liegende Wikingerschiff mal kurz zum Landgang verlassen haben.

Im Hintergrund wogen die Wellen auf der Leinwand, toben die Stürme, zischen die Blitze mit Lichtreflexen und explodiert das Feuer – eine pyrotechnische Meisterleistung. Mächtig was los auf der Bühne der ÖVB-Arena. Die Wikinger, das sind in diesem Fall die Jungs von der Band Santiano, und die rockten die bis in die hohen Ränge voll besetzte große Halle.

Santiano, das sind die Musiker Pete Sage, Björn Both, Timsen Hinrichsen, Axel Stosberg und Andreas Fannert. Allesamt sind lange im Musikbusiness tätig, kannten sich aber kaum, bis ein findiger Produzent nach einer spontanen Session die Band Santiano daraus formte. Seit mehreren Jahren rollen sie nun von einer Erfolgswelle zur nächsten, um im maritimen Bild zu bleiben. Und das mit einer Musik, die wahrlich nicht neu ist: Seemannslieder mit Texten von der rauen See, vom Sturm, von der Freiheit auf dem Meer, gibt es schließlich schon seit Jahrhunderten.

Aus der Mundorgel ins Rockkonzert

Neu ist allerdings, wie die Band aus Flensburg diese Songs verpackt. Rockig, mit einem wummernden, treibenden Bass, E-Gitarren, Schlagzeug und kernigen, mehrstimmigen Gesang. Und obendrein sind es echte Typen, die da am Sonntag auf der Bühne stehen. Vorneweg Bassist und Sänger Björn Both, muskelbepackte Arme, mächtig tätowiert, rauhe Stimme. Daneben der Geiger Pete Sage, schlohweiße, lange Haare, Rauschebart. Apropos Bart: den tragen gleich mehrere Bandmitglieder, kein Wunder also, dass Santiano sogar den alten Klassiker „Jan und Hein und Klaas und Pit, die tragen Bärte, die fahren mit...“ im Programm haben. Ein Lied, das einst in Schulzeiten zu den Höhepunkten in der „Mundorgel“ gehörte und nun – man kann es kaum fassen – zum Rocksong taugt.

Auf jeden Fall hält es in der ÖVB-Arena schon beim vierten Song kaum noch jemand auf den Stühlen. Die Fans aus allen Altersschichten, Kinder, Jugendliche und die Kerngruppe der um die 40-Jährigen, stürmen nach vorne, tanzen und klatschen. Bei der Musik ist das wenig überraschend. Der Stil Santianos geht in die Beine, ist eingängig, vermischt verschiedene Musikgenres. Es finden sich Anleihen von traditionellen, internationalen Volksliedern, Popmusik, Rock’n’Roll wie auch im besonderen Maße Referenzen zum Irish Folk. Vor allem durch den Einsatz der Geige, der Mandoline oder der Tin Whistle ist die musikalische Verwandtschaft zum Irish Folk mehr als deutlich.

Fans von "Wacken" bis zu "Carmen Nebel"

„In unserem einzigen Urlaub, den wir in den vergangenen Jahren gemacht haben, sind wir nach Irland gefahren, um die Wurzeln unserer Musik vor Ort kennenzulernen“, plaudert Björn Both und gibt anschließend das Mikro für den Briten Pete Sage frei, der in seiner Muttersprache und mit Geigenbegleitung einen irischen Song präsentiert. Ansonsten geht es an diesem Abend in den überwiegend deutschen Liedtexten schlicht mit viel Pathos um Freiheit, Leidenschaft, Freundschaft, Liebe, Mut und Wagnis – aber in Bremen – passend zum Totensonntag auch um Trauer. In dem Song „Die letzte Fahrt“, zelebrieren die Bandmitglieder auf dem Videoclip im Hintergrund der Bühne, ganz im Stil der alten Wikinger, eine Seebestattung. Anschließend folgt „Gott muss ein Seemann sein“, für den Santiano in Bremen von der Deutschen Seemannsmission als „Stimme der Seeleute“ ausgezeichnet wurde.

Keine Frage, Santiano, das stellte die Band auch in der ÖVB-Arena unter Beweis, ist derzeit ein Phänomen auf dem deutschen Musikmarkt, das man einfach bestaunen kann. Santiano wird auf dem Wacken-Open Air genauso umjubelt, wie von den Zuschauern der Sendung „Willkommen bei Carmen Nebel“. Die „Seemänner“ von Santiano legen dabei Wert auf die Feststellung, dass sie mit dumpfer Heimattümelei, nichts am Hut haben.„Je mehr man mit Heimat verbunden ist, desto mehr muss man die Türen und Fenster aufkriegen“, sagt Björn Both und man kann ihm sein Statement für Toleranz und Weltoffenheit glauben.

Wer den Auftritt von Santiano am Sonntag verpasst haben sollte, muss nicht lange darben. Am 19. Februar 2016 sind die Nordmänner aus Flensburg erneut im Rahmen ihrer „Liebe, Tod und Freiheit“-Tour in der ÖVB-Arena zu Gast. Karten gibt es noch.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+