Programm der Bremer Shakespeare Company

Sechs Premieren bis Jahresende

Vier neue Monologe, eine szenische Lesung und ein Märchen für Erwachsene - das plant die Bremer Shakespeare Company neben zahlreichen Repertoire-Stücken bis Jahresende.
11.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Sechs Premieren bis Jahresende
Von Alexandra Knief
Sechs Premieren bis Jahresende

Sonja Hilberger (l.) und Svea Meiken Auerbach stehen in dieser Spielzeit als Kriemhild und Brunhild in "Der Nibelungen Wut" auf der Bühne der Shakespeare Company.

MARIANNE MENKE

Bremen. „Wenn man nichts tut, dann gibt es nichts zu tun“, sagt Renate Heitmann. Und das wollte bei der Shakespeare Company in diesem Corona-Sommer niemand so hinnehmen. Also hat man getan. Und zwar ordentlich. Quasi über Nacht hat die Shakespeare Company gemeinsam mit einem großen Netzwerk aus Bremer Kulturakteuren den „Sommer Summarum“ auf die Beine gestellt, einen Kultursommer mit Konzerten, Zirkus, Lesungen, Theater und mehr – an ganz unterschiedlichen Orten, verteilt über die ganze Stadt. Insgesamt haben 150 eigenorganisierte und 150 weitere, in Kooperationen umgesetzte Veranstaltungen stattgefunden. „Geplant waren anfangs eigentlich nur 40“, sagt Heitmann. Bei den zahlreichen Anfragen der einzelnen Akteure habe sie aber einfach nicht Nein sagen können. Finanziell sehe es so aus, als habe man dank Eintrittsgeldern und diversen Unterstützern unterm Strich kostendeckend arbeiten können, so Heitmann. Es sei also sehr wahrscheinlich, dass es auch im kommenden Sommer wieder Programm geben werde.

Und die Saison fernab des „Sommer Summarum“? Die lief dank Corona-Lockdown natürlich ganz anders, als man es sich vorgenommen hatte, betonen Renate Heitmann und Peter Lüchinger. Statt 232 geplanten Veranstaltungen in Bremen waren es nur 173; statt geplanten 33 000 Zuschauern kam man nur auf rund 23 000, und statt 695 000 Euro an Erlösen beliefen sich die Einnahmen auf 568 000 Euro, fasst Lüchinger die wichtigsten Zahlen zusammen. Dank Spenden, Corona-Hilfen und Kurzarbeitergeld habe man das Defizit aber ganz gut ausgleichen können.

Planungen bis Jahresende

Da man noch immer nicht weiß, wie das Theaterleben sich mit Corona weiterentwickelt, hat die Shakespeare Company beschlossen, erst einmal nur bis zum Jahresende zu planen und ihre Pläne für das kommende Jahr etwas später zu verkünden. „Ideen gibt es aber natürlich auch schon für die Zeit danach“, betont Heitmann. Trotzdem können Besucher sich neben zahlreichen Stücken aus dem Repertoire bereits in den kommenden Monaten auf sechs Premieren freuen. Nachdem die Company vergangene Woche mit dem Stück „Der Nibelungen Wut“ in die neue Spielzeit gestartet ist, geht es am 16. September weiter mit der mittlerweile 15. Inszenierung aus der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“. Unter dem Titel „Erziehen, Erzwingen, Erniedrigen“ dreht sich in der szenischen Lesung alles um das Arbeitserziehungslager in Bremen-Farge zwischen 1940 und 1945.

Ab dem 15. Oktober widmet sich die Shakespeare Company einer Liebesgeschichte der etwas anderen Art. Die Idee für „Der Zinnsoldat und die Tänzerin“ stammt von Ensemble-Mitglied Michael Meyer. „Ich laufe schon lange mit der Idee herum, aus der Geschichte von Hans Christian Andersen ein Märchen für Erwachsene zu machen“, sagt Meyer. Manfred Schiffers (Text/Regie) verlegt die Geschichte um den standhaften Zinnsoldaten, der nur ein Bein hat und unsterblich verliebt in eine Papier-Tänzerin ist, ins heute und macht aus den Figuren eine Pianistin und einen Straßenmusiker, die sich, so Meyer, „auf keine Tonart einigen können“.

Und schließlich legt die Company als Reaktion auf die Corona-Krise noch einen Schwerpunkt auf kürzere Monologe. Davon stehen gleich vier auf dem Spielplan. Für Herbst/Winter ist die deutsche Uraufführung von „Das tollste Stück in der Geschichte der Welt“ geplant, einer Fantasy-Story von Ian Kershaw, die 2018 in London uraufgeführt wurde. In der Geschichte, die realistischen Alltag mit Science-Fiction-Elementen verbinden will, geht es um eine Romanze, die genau in dem Moment beginnt, als auf der Erde plötzlich die Zeit stehen bleibt.

Drei für den Herbst geplante Monologe rücken die Nebenfiguren dreier Shakespeare-Stücke ins Zentrum des Geschehens: den Poeten Cinna aus „Julius Caesar“, den Haushofmeister Malvolio aus „Was ihr wollt“ und den Inselbewohner Caliban aus „Der Sturm“. Die Stücke stammen aus der Feder des britischen Theatermachers Tim Crouch, „Ich, Cinna“ wird in der Shakespeare-Company seine deutsche Uraufführung feiern. Für die Stücke werden sich jeweils zwei Ensemblemitglieder als Regisseur-Schauspieler-Team zusammentun. Die Vorstellungen sollen jeweils 40 bis 70 Minuten dauern, sodass die Möglichkeit besteht, auch mehrere Einakter an einem Abend zu spielen.

Weitere Informationen

Den Spielplan und Tickets gibt es online unter www.shakespeare-company.com. Die Premiere von „Erziehen, Erzwingen, Erniedrigen“ ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen finden unter anderem am Dienstag, 22. September sowie am Mittwoch, 30. September statt.

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