Sanierung für rund 3,5 Millionen Euro verabredet

Sicherheitsmängel in der Shakespeare Company

Bremen. Einige der Lampen wurden aus Kanalrohren gebastelt. Der Schaltkasten im Keller befindet sich direkt neben den Wasserrohren. Die alte Aula der Schule am Leibnizplatz, seit mehr als 20 Jahren Heimat der Bremer Shakespeare Company, muss dringend saniert werden.
21.05.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Sicherheitsmängel in der Shakespeare Company
Von Michael Brandt
Sicherheitsmängel in der Shakespeare Company

Geschäftsführerin Renate Heitmann im Backstage-Bereich der Bremer Shakespeare-Company

Frank Thomas Koch

Bremen. Einige der Lampen, die über der Bühne hängen, wurden aus Kanalrohren gebastelt. Der Schaltkasten im Keller befindet sich direkt neben den Wasserrohren. Und im Winter wurde das Theater heimlich, still und leise für zehn Tage geschlossen - das Dach musste gesichert werden. Die alte Aula der Schule am Leibnizplatz, seit mehr als 20 Jahren Heimat der Bremer Shakespeare Company, muss dringend saniert werden. Sogar ein Neubau für sechs Millionen Euro stand jetzt zur Debatte.

Auf der Bühne 'Macbeth' - hinter der Bühne und im Keller unhaltbare Zustände. Als im zurückliegenden Winter die Baufachleute von 'Immobilien Bremen' zu Gast im Theater am Leibnizplatz waren, machte sich spontane Unruhe breit. Die verleimten Stützen, auf denen das Dach ruht, klafften teilweise weit auseinander, waren nicht mehr in der Lage, die Last zu tragen. Schnell wurde Abhilfe geschaffen, berichtet Company-Geschäftsführerin Renate Heitmann. Nach einer zehntägigen Zwangspause waren die Pfeiler neu verschraubt.

'Es hat in den vergangenen 20 Jahren keine Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen gegeben', heißt es in einer Mängelliste des Theaters. Oder anders formuliert: 'Die Räumlichkeiten gehen nach 20-jähriger provisorischer Nutzung aus dem Leim.' Zuständig für die Immobilie ist heute der städtische Eigenbetrieb 'Immobilien Bremen', bis 2008 war die Wohnungsbaugesellschaft 'Bremische' verantwortlich. Susanne Kirchmann von 'Immobilien Bremen' erklärt, was saniert werden muss: Ungefähr 2,5 Millionen Euro sollen unter anderem in die Erneuerung des Dachs, in die sanitären Anlagen und in den Brandschutz investiert werden. Überschlägig eine Million Euro kostet zusätzlich eine neue Bühnentechnik.

Fachleute antworten deshalb auf die Frage, was denn eigentlich am Theater gemacht werden muss, mit einem knappen: 'Alles.' Drängendstes Problem ist nach Einschätzung von Theaterchefin Renate Heitmann die gesamte Haustechnik. 'Die bühnentechnischen Einrichtungen sind so veraltet, dass sie ein Sicherheitsrisiko darstellen', heißt es in der genannten Mängelbeschreibung weiter. Nach heutigen Standard sei der Zustand nicht mehr haltbar.

Auf Platz zwei der Prioritätenliste befinden sich die sanitären Anlagen. Shakespeare Company und 'Immobilien Bremen' sind sich einig, dass an der Sanierung insgesamt kein Weg vorbei führt. 'Man kommt aus dieser Sache nicht mehr raus.'

Hinter der Bühne sind die Räume verwinkelt, klein, das Geschoss liegt auf unterschiedlichen Niveaus. Die hauptsächlichen Einrichtungsgegenstände sind Spindschränke und Pappkartons, dazu die ein oder andere Sperrholzplatte. In den Gängen lagern alte Stühle und blaue Plastiksäcke, im Treppenhaus steht die Figur eines asisatischen Kriegers. Auf einem Schrank warten Dutzende Perückenköpfe. Beim Gang durch die Räume zitiert Renate Heitmann den namensgebenden Dichter: 'Kann dieser Hühnerstall die Weite Englands fassen?'

Mit der Sanierung sollen - so die Vorstellung der Company - nicht nur die Mängel beseitigt werden, sondern auch Maske, Fundus, Werkstätten und Probebühnen neu geordnet werden. Wenn es zum geplanten Erweiterungsbau der Schule an Leibnizplatz komme, müsste ohnehin eine neue Lösung für das Be- und Entladen des Shakespeare-Lastwagens gefunden werden, der dann nicht mehr über den Schulhof fahren könne.

Die Shakespeare Company spielt jedes Jahr 200 Vorstellungen. Derzeit zum Beispiel 'Viel Lärm um nichts' und 'Hamlet'. Rund 50 mal im Jahr macht sich das Ensemble auf den Weg, um an anderen Orten Gastspiele zu geben. 30 Beschäftigte hat die private Gruppe, nicht alle allerdings in Vollzeit. Das Publikum kommt nach Einschätzung der Theaterleitung zur Hälfte aus dem Umland, regelmäßig besuchen aber auch Gäste aus Hamburg die Vorstellungen. 300 Personen passen in die Aula, 40 zusätzliche Plätze gibt es bei Bedarf auf der Galerie. Und die Auslastung liege bei 80 Prozent. Die Stadt unterstützt die Shakespeare Company Bremen jährlich mit einem Zuschuss von rund 800000 Euro.

Für die Shakespeare Company bedeutet die Sanierung auch: Voraussichtlich ab kommenden Mai steht das Theater am Leibnizplatz nicht mehr zur Verfügung. Für ein bis eineinhalb Jahre müssen die Shakespeare-Stücke auf Wanderschaft gehen. Denkbar ist Renate Heitmann zufolge, dass die Company zeitweise im Concordia-Theater an der Schwachhauser Heerstraße unterkommt. Auf alle Fälle soll der kommende Spielplan auf die mobile Phase abgestimmt werden. 'Ich bin sicher, dass uns etwas einfällt', sagt die Theater-Leiterin. Zusätzliche Kosten für eine Ausweich-Bühne dürften dabei nicht entstehen, lautet aber eine weitere Vorgabe.

Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz (SPD) stellt klar, dass auf alle Fälle eine Lösung für die Company gefunden werde. 'Wir verzichten aus Haushaltsgründen auf einen Neubau.' Ein neues Theater hätte nach Schätzung der Immobilienfachleute rund 6,1 Millionen Euro gekostet. Die Eckdaten für die Sanierung stehen laut Emigholz. Der benötigte Millionenbetrag soll aus dem Kulturhaushalt genommen werden. Die Details würden noch gemeinsam mit dem Finanzressort geprüft. Nach der Sommerpause sollen die Pläne den politischen Gremien zur Entscheidung vorgelegt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+