Bei Rückgabe von Gebeinen Sieling bittet Māori und Moriori um Vergebung

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) hat sich während der Rückgabezeremonie von menschlichen Überresten neuseeländischer Völker für das für das ihnen ergangene Unrecht entschuldigt.
18.05.2017, 13:04
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Sieling bittet Māori und Moriori um Vergebung
Von Carolin Henkenberens

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) hat sich während der Rückgabezeremonie von menschlichen Überresten neuseeländischer Völker für das ihnen ergangene Unrecht entschuldigt.

Es war die erste Übergabezeremonie dieser Art in Deutschland, bei der Medien dabei sein durften: An diesem Donnerstag hat das Bremer Übersee-Museum menschliche Überreste von Angehörigen der neuseeländischen Völker Māori und Moriori an Neuseeland zurückgegeben. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) bat um Verzeihung.

"In den vergangenen Jahrzehnten ist in Europa ein ausgprägtes Bewusstsein dafür entstanden, dass es rechtlich und ethisch geboten ist zu untersuchen, unter welchen Umständen Objekte in die Sammlungen der Museen gelangt sind", sagte Sieling bei der feierlichen Rückgabezeremonie der Gebeine, die der Bremer Forscher Hugo Hermann Schauinsland um 1900 nach Bremen gebracht hatte. "Heute betrachten wir die Art und Weise, wie diese Sammlung beschafft wurde, als der menschlichen Würde zuwiderlaufend", erklärte Sieling.

Bei der Zeremonie waren auch fünf Repräsentanten aus Neuseeland anwesend, darunter der neuseeländische Botschafter in Berlin, Peter Rodney Harris. Sieling bat in einer Erklärung um Verzeihung: "Wir entschuldigen uns für dieses Handeln und bitten um Vergebung." Er betonte, dass sich das Unrecht zwar beenden, aber nicht wiedergutmachen lasse.

Am Ende seiner Rede wandte er sich an die Gebeine, die in der Kultur der Moriori und Māori als Ahnen verehrt werden. "Wir bitten Sie, dear ancestors", sagte er, "um Verzeihung dafür, dass Sie in Ihrer Ruhe gestört wurden und so viele Jahre in der Fremde verbringen mussten. Damit haben wir Ihnen und Ihren Familien Kummer bereitet."

Rückgabeersuchen im Jahr 2013

Die Gebeine waren um die Jahrhundertwende nach Bremen gelangt, erklärte Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums, vorab. Der Gründungsdirektor des Museums, Hugo Hermann Schauinsland, hatte sie von einer Expedition mitgebracht, ohne die entsprechenden Völker um Erlaubnis zu bitten. "Er hätte das damals nicht tun sollen. Deshalb geben wir es jetzt zurück", sagte Ahrndt. Im Jahr 2013 stellten die Neuseeländer in Bremen ein Rückgabegesuch für die Gebeine der Māori und Moriori. 2016 stimmte der Senat zu, die menschlichen Überreste zurückzugeben.

Lesen Sie auch

Zeremonie folgt Ritualen und Traditionen

Die Übergabe folgte den Traditionen der beiden indigenen Völker. So war es verboten, den Gebeinen den Rücken zuzukehren, sagte Ahrndt bei einem Vorgespräch. "Anders als Christen gehen die Māori und Moriori davon aus, dass die Seele mit dem Körper verbunden bleibt nach dem Tod", erläuterte die Ethnologin. Die Gebeine seien somit nicht bloß sterbliche Überreste, sondern würden als Ahnen verehrt. Deshalb sei es auch so wichtig, dass die Gebeine zurück nach Neuseeland kommen.

Ebenso tabu während der Zeremonie: essen oder trinken, zu spät kommen oder früher gehen. Die neuseeländische Delegation und die Bremer Vertreter des Senats und des Übersee-Museums tauschten auch einen Hongi, einen traditionellen Nasenkuss, aus. Das Übersee-Museum hat sich lange auf die Übergabe vorbereitet. Über Monate ist alles geplant worden.

Nach der Übergabe gelangen die Gebeine ins neuseeeländische Nationalmuseum in Wellington. "Im Te Papa-Museum wird es am 29. Mai eine Begrüßung für die Ahnen geben", sagte Ahrndt. Bei dieser Zeremonie wird auch der deutsche Botschafter anwesend sein.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+