Kunsthalle Bremen Sonderausstellung über Emile Bernard

Er studierte mit Toulouse-Lautrec in Paris, entwickelte gemeinsam mit Gauguin in der Bretagne die symbolistische Malerei, und Vincent van Gogh war sein Freund: Emile Bernard arbeitete mit den großen Künstlern seiner Zeit zusammen.
07.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Sonderausstellung über Emile Bernard
Von Uwe Dammann

Er studierte mit Toulouse-Lautrec in Paris, entwickelte gemeinsam mit Gauguin in der Bretagne die symbolistische Malerei, und Vincent van Gogh war sein Freund: Emile Bernard arbeitete mit den großen Künstlern seiner Zeit zusammen, wurde aber längst nicht so populär wie seine berühmten Zeitgenossen. Dennoch hat Bernard ein beeindruckendes und sehenswertes Werk geschaffen. Die Kunsthalle in Bremen widmet diesem Maler ab Februar eine Sonderausstellung.

In Paris hängen seine Bilder im berühmten Musée d’Orsay, und in zahlreichen internationalen Sammlungen sind seine Werke zu finden. Auch die Kunsthalle Bremen besitzt von Emile Bernard einen besonderen Schatz: ein dickes Album mit mehr als 850 seiner frühen Zeichnungen, die der Künstler selbst gesammelt hat. Gründe gibt es also mehr als genug, diesem Maler, der längst nicht so berühmt wurde wie seine Zeitgenossen van Gogh, Cezanne oder Gauguin, eine erste große Retrospektive zu widmen. Die gibt es in Bremen ab dem 7. Februar in der Kunsthalle zu sehen. „Emile Bernard – Am Puls der Moderne“, heißt die Ausstellung, die in Kooperation mit den Musées d‘Orsay et de l’Orangerie in Paris präsentiert wird.

Die Ausstellung über den französischen Maler Emile Bernard (1868–1941), soll auch sein kaum bekanntes Spätwerk einbeziehen. Gezeigt werden hochrangige Leihgaben aus dem Musée d’Orsay und aus internationalen Sammlungen sowie aus dem Besitz der Nachfahren Bernards. „Die Ausstellung entdeckt diesen Künstler neu und gibt Bernard seinen rechtmäßigen Platz in der Geschichte der modernen Malerei“, betont Dorothee Hansen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle. Sie war zur Vorbereitung im September vorigen Jahres eigens nach Paris gereist, um die Eröffnung der dortigen Bernard-Ausstellung mitzuerleben. Die Schau in Paris war in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen entstanden, genau wie nun die Kunsthalle die Ausstellung in Kooperation mit den Pariser Museen gestaltet.

Ausgewählte Arbeiten von Gauguin, van Gogh und Toulouse-Lautrec ermöglichen Vergleiche mit seinen berühmten Zeitgenossen, mit denen Bernard engen Kontakt pflegte und in deren Schatten er zeitlebens stand: Mit Toulouse-Lautrec studierte er in Paris, mit Gauguin entwickelte er 1888 in der Bretagne die symbolistische Malerei, Cézanne inspirierte ihn in Aix-en-Provence, und für seinen Freund van Gogh setzte er sich auch nach dessen Tod ein. Die Besonderheit der Ausstellung in Bremen ist das erstmals gezeigte Album mit mehr als 850 Zeichnungen, die erstaunliche Einblicke in die frühe Entwicklung des Künstlers ermöglichen. Es ist im Besitz der Kunsthalle. Außerdem wird ein Skizzenbuch rekonstruiert, das auf der ersten Wanderung des 18-jährigen Künstlers durch die Bretagne entstand: Diese Skizzenbuchblätter veranschaulichen die intensive Auseinandersetzung mit der Natur und seine frühe Aneignung des Pointilismus. Höhepunkt der Ausstellung sollen die farbintensiven, dekorativen Bilder aus den späten 1880er-Jahren sein, mit denen Bernard – im Dialog mit Gauguin – den Symbolismus in der Malerei begründete. Die Menschen in der Bretagne, ihre Urtümlichkeit und Religiosität, aber auch die raue Natur inspirierten Bernard zu seinen bedeutendsten Werken. Die Ausstellung begleitet den Künstler auch in den Orient und zeigt – nach 1900 – seine späten Akte im Stil der italienischen Renaissance. „Die Brüche in Bernards Leben und Werk berühren und faszinieren zugleich. Er erweist sich als ein höchst innovativer Künstler, der mutig dem Zeitgeist trotzte und stets seinen eigenen Weg ging“, sagt Dorothee Hansen.

Wie schon in den Vorjahren bleibt die Kunsthalle auch in diesem Fall ihrer Vorgehensweise treu, rund um das Werk eines Künstlers, von dem das Haus eigene Exponate besitzt, eine Gesamtausstellung zu konzipieren. Das Album, das im Besitz der Kunsthalle ist, enthält eine Reihe von Skizzen in unterschiedlichsten Techniken und Stilrichtungen, die zugleich von seinem persönlichen Umfeld erzählen: vom Hündchen der Familie, von seiner Mutter am Klavier bis zu Pariser Tänzerinnen. Auch die Landschaftsimpressionen, die während der Wanderung durch die Bretagne entstanden, sind sehenswert. Sie dokumentieren zugleich seine Suche nach einem eigenen künstlerischen Stil zwischen Spätimpressionismus und Symbolismus.

Parallel dazu findet im Kupferstichkabinett eine Begleitausstellung statt. „Pariser Propheten der Moderne – Grafik der Nabis“ heißt die Ausstellung, die genau wie die Bernard-Schau vom 7. Februar bis 31. Mai zu sehen sein wird. Darunter sind Beispiele der Druckgrafik des ausgehenden 19. Jahrhunderts von Paul Sérusier, Maurice Denis, Pierre Bonnard und Félix Vallotton, die den Einfluss von Emile Bernard und Paul Gauguin auf die nachfolgende Generation illustrieren.

Emile Bernard, Kunsthalle Bremen, 7. Februar bis 31. Mai.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+