Film- und Fernsehförderung in Bremen und Niedersachsen "Soul Kitchen" ist das Vorzeigeprojekt

Bremen. Eine Million Besucher haben "Soul Kitchen" von Fatih Akin bisher gesehen, und darauf ist auch die Nordmedia stolz. Denn die "Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen" hat den Film gefördert - ein Aktivposten in der Bilanz des Jahres 2009.
09.02.2010, 16:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Iris Hetscher

Bremen. Eine Million Besucher haben "Soul Kitchen" des Hamburger Filmemachers Fatih Akin bisher gesehen, und darauf ist auch die Nordmedia stolz. Denn die "Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen" hat den Film gefördert - ein Aktivposten in der Bilanz des Jahres 2009, die am Dienstag vorgestellt wurde.

11,5 Millionen Euro hat die Nordmedia, deren Hauptsitz in Hannover ist und die 16 festangestellte Mitarbeiter hat, im vergangenen Jahr in die Medienbranche in Bremen und Niedersachsen gepumpt (2008: 10,6 Millionen Euro). Davon floßen vier Millionen in Projekte, die im weitesten Sinne mit Bremen zu tun haben. Die Länder Niedersachsen und Bremen, der NDR, Radio Bremen und das ZDF stellen die Summe bereit. 75 Prozent dieser Summe kommt dabei der Fernseh-, 25 Prozent der Kinofilmproduktion zugute. Außerdem ist die Nordmedia noch für die Entwicklung der "Medienwirtschaft" an sich zuständig, so Geschäftsführer Thomas Schäffer beim Bilanzpressegespräch. Das umfasst so unterschiedliche Bereiche wie die Entwicklungsförderung von Games wie auch E-Learning oder E-Health. Kernaufgabe der kombinierten Mediengesellschaft und Fonds GmbH ist es aber, Film und Fernsehen zu fördern.

Die Mittel für die insgesamt 183 Projekte (2008: 177) wurden unter anderem in die Entwicklung von Drehbüchern, die Produktion von Filmen - wie beispielsweise Dieter Wedels Zweiteiler "Gier" - gesteckt. Verleih und Vertrieb werden mit bezahlt. Es werden aber auch Preise für Programmkinos oder Festivals wie die Schulkinowochen Niedersachsen finanziell auf den Weg gebracht. Dieses Geld aus dem Topf der Länderfilmförderung sei gut angelegt gewesen, so Thomas Schäffer - denn damit habe man einen finanziellen Beitrag zu Film-, Fernseh- und sonstigen Projekten beigesteuert, die insgesamt 116 Millionen Euro gekostet hätten. Und der entscheidende Aspekt für die regionale Film- und TV-Förderung: 35 Millionen Euro seien an den Medien-Standorten Niedersachsen und Bremen ausgegeben worden.

Ob der sogenannte Regionaleffekt allerdings wirklich mit dieser Zahl durchschlägt, ist nicht klar, mussten Schäffer und Jochen Coldewey, Leiter der Abteilung Förderung und Standort, zugeben. Mit dem Geld, dass der Region durch einen Filmdreh zufließt, sollen lokale Mitarbeiter am Set oder lokale Firmen bezahlt werden. Auf die Frage, wie sich die 217.000 Euro, die die Nordmedia für "Soul Kitchen" zugeschossen hat, genau auf die Bremer Szene ausgewirkt hätten, konnte Coldewey eher wolkig als konkret vermelden, dass davon "ein Aufnahmeleiter und ein Sounddesigner" bezahlt wurden und außerdem noch eine weitere Bremer Firma engagiert wurde. Gedreht wurde an drei Tagen vor allem auf dem Riensberger Friedhof und in einem "Bremer Hochhaus". Auf jeden Fall sei ein "kulturwirtschaftlicher Effekt" entstanden, so Coldewey, der noch einen zweiten, "kulturellen" Aspekt betonte: "Die Region wird bekannter, man sieht Bremen in Cannes auf einer Leinwand."

Das spielte gleich auf einen Posten in der Bilanz an, den Schäffer betonte. Denn "Soul Kitchen" von Fatih Akin ist eines der Projekte, die sich sowohl kommerziell als auch in der Sparte Renomée bezahlt gemacht haben. Der Film taucht auch unter Auflistung der 32 Preise auf, die Nordmedia-Produktionen im vergangenen Jahr erhalten haben. "Soul Kitchen" wurde unter anderem mit dem "Großen Preis der Jury" in Cannes gewürdigt. Auszeichnungen erhielten zudem unter anderem "Fleisch ist mein Gemüse" (Deutscher Filmpreis, beste männliche Nebenrolle) und "Salami Aleikum" (Bernhard-Wicki-Preis).

Das Hauptprojekt für dieses Jahr wird beim großen Empfang während der am Freitag startenden Berliner Filmfestspiele vorgestellt: Es ist der 3-D-Film "Die Konferenz der Tiere" nach dem Roman von Erich Kästner, der im Oktober in den Kinos anlaufen soll. Produziert wird er von der Constantin in München in Zusammenarbeit mit Ambient Film Hannover. Die 800 Gäste, die die Nordmedia an diesem Abend bewirtet, werden bereits einen Ausschnitt aus dem Film sehen können.

Die umständliche föderale Filmförderung möchten Schäffer und Coldewey grundsätzlich nicht in Frage gestellt wissen. Würden Projekte nur noch aus einem großen Bundesfilmtopf bezahlt (klare Vorteile: weniger Verwaltung, weniger Bürokratie), kämen "die einzelnen Regionen und ihre Bilder nicht mehr vor", ist Coldewey überzeugt.

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