Netflix-Serie „Spuk in Bly Manor“

Düsteres Geheimnis, tragische Liebe

Das Kindermädchen Dani soll auf einem entlegenen Anwesen zwei elternlose Kinder unterrichten. Doch dann gerät sie mitten hinein in eine Geschichte um einen Fluch und um Geister.
16.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Düsteres Geheimnis, tragische Liebe
Von Iris Hetscher
Düsteres Geheimnis, tragische Liebe

Dani (Victoria Pedretti) wird aus Miles (Benjamin Evan Ainsworth) nicht schlau.

Eike Schroter/Netflix

Filme und Serien, die sich um Häuser des Grauens drehen, gibt es im Dutzend, und oft sind sie leider auch Dutzendware. Die Geschichten gehen dann so: Jemand zieht nichts ahnend in einen alten Kasten, dem man schon von Weitem und trotz dichten Nebels ansieht, dass dort Unheil droht. Dann knarren Türen, das Licht flackert, aus Wänden tropft Blut, kurz: Das Übernatürliche schlägt um sich. Oder aber missgünstige Mitmenschen inszenieren das Ganze.

Eine Geistergeschichte vom Feinsten bietet dagegen „Spuk in Bly Manor“, eine neunteilige Streamingserie, die seit Kurzem auf Netflix zu sehen ist. Sie ist sozusagen die zweite Staffel von „Spuk in Hill House“, aber keine Fortsetzung, sondern eine in sich geschlossene Geschichte, die um merkwürdige Vorgänge auf einem englischen Landsitz kreist. Sechs Darsteller aus „Hill House“ sind erneut mit von der Partie. Die Serie ist auch für Literaturfreunde ein Genuss – „Spuk in Bly Manor“ basiert auf der 1898 erschienenen Novelle „The Turn of the Screw“ (Die Drehung der Schraube) und weiteren Werken des britisch-amerikanischen Schriftstellers Henry James (1843-1916).

Mysteriöse Unglücksfälle

Alles beginnt bei einer Hochzeit. Man sitzt abends noch gemütlich vorm Kamin zusammen – was gäbe es da Schöneres, als sich Gespenstergeschichten zu erzählen? Eine sowieso schon geheimnisvoll wirkende Besucherin ergreift das Wort, und schwups ist man mittendrin in der Story um das Kindermädchen Dani (Victoria Pedretti). Die Amerikanerin Dani sucht im London der 1980er-Jahre einen Job und heuert als Erzieherin auf einem abgelegenen Landsitz an. Auf Bly Manor soll sie die Kinder Flora (Amelie Bea Smith) und Miles (Benjamin Evan Ainsworth) Wingrave unterrichten, deren Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind.

Das ist nicht das einzige mysteriöse Unglück, das das Leben in dem abgelegenen Gutshaus überschattet. Danis Vorgängerin Rebecca Jessel (Tahirah Sharif) hat sich das Leben genommen. Und schon bald beginnt Dani sich zu wundern, warum Flora und Miles immer wieder so seltsame Stimmungsschwankungen haben. Doch auch Dani schleppt ein Geheimnis mit sich herum: Wer ist der Geist mit den gleißend weißen Augen, der ihr immer wieder erscheint?

Regisseur Mike Flanagan („Doktor Sleeps Erwachen“) erzählt „Spuk in Bly Manor“ als ein kunstvoll ineinander verschlungenes Knäuel tragisch verlaufender Liebesgeschichten, über die man, ohne zu spoilern, nicht viel verraten darf. Hinzu kommt ein uralter Fluch, mit dem Bly Manor belegt ist und dem niemand, egal ob Lebender oder Geist, entkommen kann. Flanagan lässt sich dabei Zeit, um das zunächst wirr erscheinende Geschehen mit immer weiteren, das eigentliche Grauen enthüllenden Details anzureichern und in allerlei Wendungen zu variieren. Sogar vermeintlich harmlose Gesten entpuppen sich dann im Nachhinein als Hinweis darauf, dass jemand schon lange tot ist.

Dabei kommt die Serie ohne vordergründige Schockelemente aus und übrigens auch ohne klares Ende. Der Horror entfaltet sich in geschickt gesetzten Effekten, dem verhaltenen Spiel der Darsteller und der düsteren Farb- und Lichtdramaturgie – also vor allem im Kopf des Betrachters. Netflix zeigt zudem einmal mehr mit eleganter Lässigkeit, wie einfach es ist, Rollen divers zu besetzen und so Sehgewohnheiten zu verändern.

Weitere Informationen

„Spuk in Bly Manor“, neun Folgen. Anbieter: Netflix.

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