Kritik vom Bund der Steuerzahler Stadt stellt sich klar hinter das Theater

Kurz vor Beginn der neuen Spielzeit rügt der Bund der Steuerzahler die seiner Ansicht nach zu hohen öffentlichen Zuschüsse für das Theater am Goetheplatz. Das Theater bekommt aber auch Rückendeckung.
14.09.2015, 21:00
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Stadt stellt sich klar hinter das Theater
Von Iris Hetscher

Kurz bevor sich in Bremen am Donnerstag der Vorhang für die erste Premiere der neuen Theatersaison hebt, rügt der Bund der Steuerzahler (BdSt) die seiner Ansicht nach zu hohen öffentlichen Zuschüsse für das Theater am Goetheplatz.

Nach Berechnungen des Landesverbands Niedersachsen/Bremen werde jeder Besuch im Theater Bremen mit 170,50 Euro bezuschusst. Damit gehöre die Bühne „zu den zehn hochsubventioniertesten Spielstätten Deutschlands“. Auf den Plätzen zwei und drei folgen in dieser Statistik die Bühnen in Hannover (134,83 Euro) und Oldenburg (131,29 Euro). Das Stadttheater Bremerhaven dagegen koste den Steuerzahler vergleichsweise wenig: 92,79 Euro schieße Bremerhavens pro Besuch hinzu – der durchschnittliche Zuschuss belaufe sich in Niedersachsen auf 102,43 Euro.

Diese Zahlen sind Teil einer in scharfem Ton gehaltenen Generalabrechnung des Steuerzahlerbundes mit der öffentlichen Theatersubventionierung in Bremen und Niedersachsen. „Die hohe Dauersubventionierung“ halte an, bilanziert die Vereinigung, an die neun Häuser seien in der Spielzeit 2013/2014 insgesamt 156,6 Millionen Euro an öffentlichen Geldern geflossen – davon nach Bremen und Bremerhaven 39,7 Millionen. „Die Theaterfinanzierung ist eine freiweillige Aufgabe der öffentlichen Hand, die den Steuerzahler nicht unzumutbar belasten darf“, mahnt der BdSt-Landesvorsitzende Bernhard Zentgraf, der zugleich die zu geringen eigenen Anstrengungen der Häuser zur Deckung ihrer Etats und zum Abbaus von Schulden rügt. Auch stärkere Kooperationen der Bühnen untereinander dürften nicht tabu sein.

Verwaltungsdirektor: "Äpfel mit Birnen verglichen"

Den kaufmännischen Geschäftsführer des Theaters Bremen, Michael Helmbold, ärgert die Berechnung des Steuerzahlerbundes, denn: „Ich weiß gar nicht, wie die auf diese Zahlen kommen.“ Rechne man die Zuschauerzahl der Spielzeit 2013/2014 von 171 451 mit den Subventionen der Stadt gegen, lande man bei 159 statt bei 170,50 Euro. Doch darum geht es Helmbold eigentlich nicht: „Wir setzen die Zahlen grundsätzlich in eine andere Beziehung, uns geht es um die Zuweisung pro Einwohner, nicht pro Theaterbesuch.“

Laut dieser Rechnung schießt die Stadt 58 Euro pro Theaterkarte zu, sagt Alexandra Albrecht, Sprecherin des Senators für Kultur und bezieht sich dabei auf einen Benchmarking-Bericht der Senatorin für Finanzen aus dem Jahr 2014. Damit sei man eher sparsam denn verschwenderisch, findet Helmbold, denn Hamburg zahle in dieser Statistik beispielsweise 60 Euro, Frankfurt 100 Euro, Stuttgart 135 Euro und Dortmund, das in einer ähnlich prekären städtischen Haushaltssituation wie Bremen ist, 60 Euro an Zuschüssen.

>> Kommentar zum Thema: Das Geld der Stadt ist gut angelegt<<

Zudem schere der Steuerzahlerbund alle Häuser über einen Kamm. „Es wird überhaupt nicht berücksichtigt, dass wir sozial gestaffelte Eintrittspreise haben, damit auch Menschen mit wenig Geld sich kostengünstig einen Theaterbesuch leisten können“, erläutert Michael Helmbold. Auch die kostenlosen Vorstellungen für Bremer und Bremerhavener Schulklassen seien nicht berücksichtigt worden, mit denen man aktiv um die Zuschauer der Zukunft werbe. Helmbold: „Das sind Äpfel und Birnen, die vom Bund der Steuerzahler miteinander verglichen worden sind.“ Zudem habe das Theater in den vergangenen drei Jahren von den drei Millionen Euro an Altschulden aus der Ära Frey bereits eine Million Euro abgetragen – unter anderem durch Stellenstreichungen.

Rückendeckung vom Kultursenator

Auch beim Senator für Kultur weist man die Kritik des Bundes der Steuerzahler deutlich zurück und stärkt dem Theater, das ja nicht nur Bremer, sondern auch Zuschauer aus dem Umland anlocke, den Rücken. Das Haus am Goetheplatz sei ein Vierspartenhaus, dieses Konstrukt lasse sich nicht ohne Weiteres mit anderen Einrichtungen, in denen nur Sprechtheater angeboten werde, vergleichen, so Sprecherin Alexandra Albrecht. Denn: Gerade das Musiktheater sei besonders kosten- und personalintensiv.

Trotzdem stehe das Bremer Haus im Vergleich durchaus gut da. 27,35 Millionen Euro pro Jahr zahle die Stadt für Schauspiel, Oper, Tanz- sowie Kinder-/Jugendsparte. Zum Vergleich: Das Thalia-Theater in Hamburg erhält nur für sein Schauspielangebot rund 20 Millionen Euro, für das Deutsche Schauspielhaus gibt die Stadt 27,5 Millionen aus. Kommentar Seite 2

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