Stark und zerbrechlich: Zum Tode der Ausnahmeschauspielerin Susanne Lothar

Bremen. Die Rolle der "Lulu" machte sie bekannt. 1988 besetzte sie Peter Zadek am Hamburger Schauspielhaus als Titelheldin seiner Inszenierung von Frank Wedekinds Drama um Freizügigkeit und Getriebenheit. Es war weniger der Umstand, dass Susanne Lothar barbusig über die Bühne tollte, der das Publikum bannte, sondern vielmehr ihre vibrierende Bühnenpräsenz. Fiebrige Rollen lagen der Schauspielerin, die jetzt im Alter von 51 Jahren in Berlin gestorben ist. Sie nahm sich der Rollen von zugleich starken und zerbrechlichen Frauenfiguren mit einer Intensität an, die hierzulande selten ist. Neben Hamburg und Berlin waren Stuttgart, Wien, Salzburg und Zürich Stationen ihrer Bühnenlaufbahn, deren frühe Krönung die Kür zur "Schauspielerin des Jahres" im Jahr 1988 war.
27.07.2012, 05:00
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Stark und zerbrechlich: Zum Tode der Ausnahmeschauspielerin Susanne Lothar
Von Hendrik Werner

Bremen. Die Rolle der "Lulu" machte sie bekannt. 1988 besetzte sie Peter Zadek am Hamburger Schauspielhaus als Titelheldin seiner Inszenierung von Frank Wedekinds Drama um Freizügigkeit und Getriebenheit. Es war weniger der Umstand, dass Susanne Lothar barbusig über die Bühne tollte, der das Publikum bannte, sondern vielmehr ihre vibrierende Bühnenpräsenz. Fiebrige Rollen lagen der Schauspielerin, die jetzt im Alter von 51 Jahren in Berlin gestorben ist. Sie nahm sich der Rollen von zugleich starken und zerbrechlichen Frauenfiguren mit einer Intensität an, die hierzulande selten ist. Neben Hamburg und Berlin waren Stuttgart, Wien, Salzburg und Zürich Stationen ihrer Bühnenlaufbahn, deren frühe Krönung die Kür zur "Schauspielerin des Jahres" im Jahr 1988 war.

Die Hamburgerin, Tochter des Mimen-Paares Hanns Lothar und Ingrid Andree, studierte in ihrer Geburtsstadt an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Noch bevor sie in Produktionen von Peter Zadek und Luc Bondy erste Bühnentriumphe feierte, wurde sie für den Film entdeckt. Bereits ihr Debüt – 1983 in Tankred Dorsts düsterem Märchen "Eisenhans" (1983) – trug ihr den Bundesfilmpreis ein.

Später avancierte sie zur Lieblingsschauspielerin des von gewaltförmigen Szenarien besessenen österreichischen Kinoregisseurs Michael Haneke: In dem beklemmenden Psychothriller "Funny Games" und der für das Fernsehen entstandenen Franz-Kafka-Adaption "Das Schloss" (beide 1997) spielte Lothar an der Seite ihres Ehemannes Ulrich Mühe, der 2007 an Krebs starb; 2009 gab sie in dem mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichneten Werk "Das weiße Band" eine Hebamme.

Die mit Verzweiflung und "dunkler Energie" ausgestattete Susanne Lothar habe nach dem Tod von Ulrich Mühe den Boden unter den Füßen verloren, sagte gestern der Schauspieler Ulrich Tukur, der für "Das weiße Band" gemeinsam mit ihr vor der Kamera stand. Feinfühligkeit und Durchlässigkeit der Ausnahmeschauspielerin hätten ihr bei der Arbeit genutzt – und sie im Leben behindert, sagte Tukur weiter. "Das ist ja die große Kunst, die Lebenskunst, und ich sehe so viele, die wie sie auf der Bühne verglühen und großartig sind – und im Leben nicht mehr zurande kommen und vielleicht auch deshalb so großartig auf der Bühne sind."

Susanne Lothar hinterlässt zwei Kinder, die aus der Verbindung mit Ulrich Mühe stammen. Eine künstlerische Hinterlassenschaft, ein Film mit dem womöglich bezeichnenden Titel "Staub auf unseren Herzen", wurde unlängst beim Filmfest München mit dem Regiepreis ausgezeichnet.

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