Interview

Stille Nacht, eisheilige Nacht

Seit neun Jahren initiieren Subway to Sally zum Jahresende ihr Festival „Eisheilige Nacht“. Im Interview spricht Gitarrist Michael „Bodenski“ Boden darüber, was die Veranstaltung so besonders macht.
16.12.2017, 21:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Linda Bussmann
Stille Nacht, eisheilige Nacht

Seit neun Jahren initiieren Subway To Sally zum Jahresende ihr Festival „Eisheilige Nacht“. „Wir sind jeden Abend Headliner einer fünfstündigen Show. Was gibt es Besseres?“, so Michael „Bodenski“ Boden (rechts)

Stefan Anker

Seit neun Jahren veranstalten Sie das Festival „Eisheilige Nacht“. Wie kam es zu der Idee?

Michael „Bodenski“ Boden: Nachdem wir 2008 den „Bundesvision Song Contest“ ­gewonnen hatten, wurde für das folgende Jahr ein Austragungsort in Brandenburg ­gesucht – genau in dem Jahr also, in dem die Metropolis-Halle in Potsdam fertiggestellt wurde. Als Gastgeber durften wir die Sendung mit Stefan Raab eröffnen. Als wir da so in der Halle standen, wurde uns klar, dass wir unbedingt einmal selbst in ihr auftreten wollten.

Da die Betreiber der Halle uns ­unendlich dankbar waren, dass wir das TV-Event zu ihnen gebracht hatten, kam es noch im gleichen Jahr zur Kooperation. Wir verlegten unserer traditionelles Jahresendkonzert in die Metropolis-Halle und luden uns mehrere befreundete Bands ein, um unser Solokonzert zum Festival auszubauen. Das funktionierte so gut, dass wir im Jahr darauf eine Tour daraus bastelten. Die „Eisheilige Nacht“ war geboren.

Ihre Tour beginnt vor Weihnachten und endet einen Tag vor Silvester. Viele Leute klagen darüber, dass die Weihnachtszeit so stressig wäre. Ihnen scheint es nichts auszumachen . . .

Das stimmt so nicht. Wahrscheinlich ist die Weihnachtszeit für niemanden so stressig wie für uns. Im letzten Jahr kam der Tourbus nach dem ersten Teil der „Eisheiligen Nacht“ am 24. Dezember gegen 16 Uhr am Proberaum an und startete am 25. Dezember um 23 Uhr in die zweite Runde. Weniger Weihnachten war noch nie.

Suchen Sie sich die Gäste jedes Jahr selbst aus?

Ja, das ist unser großes Privileg. Natürlich müssen wir auch Glück haben, dass es für die eingeladenen Bands zeitlich passt. Deshalb haben wir circa 18 Monate Planungsvorlauf.

Kommen mittlerweile schon Initiativbewerbungen von Bands, die unbedingt dabei sein wollen?

Ja, und zwar jede Menge. Wie bei jedem Festival suchen wir allerdings immer nach dem passenden Paket. Dabei setzen wir auf etablierte Bands oder Senkrechtstarter, die gerade dabei sind, abzuheben.

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Was unterscheidet die „Eisheiligen Nächte“ von anderen Festivalauftritten?

Das klassische Open Air im Sommer ist für uns auf einen Tag beschränkt. Man kommt an, muss meist in kurzer Zeit umbauen, spielt und fährt wieder ab. Bei der „Eisheiligen Nacht“ fahren wir mit eigener Technik, ­jeden Tag gibt es Soundcheck, und wir sind jeden Abend Headliner einer fünfstündigen Show. Was gibt es Besseres?

Was macht die Veranstaltung für Sie so ­besonders?

Die „Eisheilige Nacht“ ist eine Tour mit vier Bands. Wir verbringen sehr viel Zeit mit­einander und jeder unterstützt jeden. Wenn man so will, ist es eine Klassenfahrt mit Show.

Die musikalische Richtung von Subway To Sally wird schnell in die Kategorie „Mittelalterrock“ gepresst. Auf Ihrem 2014er-Album „Mitgift“ schwingen aber auch noch elek­tronische Spielereien. Wie würden Sie Ihren aktuellen Stil beschreiben?

Letztlich ist es egal, wie man den Stil nennt. Wenn man Leuten, die uns nicht kennen, erklärt, dass wir Instrumente wie Laute und Drehleier verwenden, dann mag der Begriff Mittelalterrock helfen, das Ganze einzuordnen. Wir spielen aber keine mittelalterliche Musik. Eigentlich sind wir eine moderne Rockband, die mit innovativen Einflüssen aus mehreren Jahrhunderten arbeitet.

In diesem Jahr erschien mit „Neon“ ein Konzertmitschnitt der gleichnamigen Tour. „Mitgift“ war das letzte Studioalbum. Arbeiten Sie wieder an neuem Material?

Ja, wir tasten uns langsam an erste Ideen heran. Der Zug fährt zwar noch nicht, aber das Signal steht schon auf Grün.

Sie haben gemeinsam mit Eric Fish, Ingo Hampf, Simon Michael – alle Mitglieder bei Subway To Sally – und der Sängerin ­Johanna­ Krins das Projekt Bannkreis ins Leben ­gerufen. Im nächsten Jahr soll das Debüt­album erscheinen. Wie kam es dazu?

Das war keine plötzliche Entscheidung. Die neue Band entstand aus der Idee eines ­gemeinsamen Projekts von Eric, der seit ­jeher bemüht ist, sich breit aufzustellen, und der Musikerin Johanna Krins. Ingo, Simon Michael und ich schreiben schon eine ­Weile­ auch für andere Künstler. Irgendwann ­kamen dann alle Puzzleteile zusammen.

Wollen Sie mit Subway To Sally eine Pause einlegen?

Nein, ganz und gar nicht. Wir werden 2018 sogar mehr Konzerte geben als in diesem Jahr.

2018 steht auch der zehnte Geburtstag der „Eisheiligen Nacht“ an. Wird es wieder eine Veranstaltung geben? Haben Sie etwas ­Besonderes geplant?

Wir werden zum Start der „Eisheiligen Nacht 2017“ die Bands für 2018 bekannt geben. Wir haben eine sehr geile Konstellation zusammengeklöppelt, die regelmäßige Besucher der „Eisheiligen Nacht“ in einen Freudentaumel versetzen wird, denn es wird eine Art Best-of der vergangenen Jahre.

Das Gespräch führte Linda Bussmann.

Subway To Sally feiern ihre „Eisheilige Nacht 2017“ am Freitag, 29. Dezember, ab 19 Uhr im Pier 2. Musikalische Gäste in diesem Jahr sind Mono Inc., Feuerschwanz sowie Mr. Hurley & Die Pulveraffen.

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