Konzert in der ÖVB-Arena Stimmung pur

Bremen. Bei ihrem Auftritt in der bestens besuchten ÖVB-Arena haben Pur mit ihren Songs nahezu alle Stationen ihrer Karriere abgedeckt. Die Fans sangen vor allem die älteren Hits begeistert mit.
22.03.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Emigholz

Bremen. Bei ihrem Auftritt in der bestens besuchten ÖVB-Arena haben Pur mit ihren Songs nahezu alle Stationen ihrer Karriere abgedeckt. Die Fans sangen vor allem die älteren Hits begeistert mit.

Weil die Pur-Shows in der Regel zweieinhalb pausenlose Stunden dauern, platzieren sie ihr Vorprogramm eine ganze Weile vor dem offiziellen Konzertbeginn. Wer jetzt pünktlich zu dem auf den Eintrittskarten notierten Beginn 20 Uhr in der ÖVB-Arena erschien, bekam von der Vorband nichts mehr mit, denn die hatte ihren Auftritt eine Viertelstunde vorher beendet. Dabei war mit Ewig eine zumindest semiprominente Formation aufgeboten worden.

Ewig ist in erster Linie die neue Band von Jeanette Biedermann. Die hat, nach Erfolgen als Schauspielerin in der Fernseh-Soap GZSZ, selbst eine erfolgreiche Karriere in der Popbranche hinter sich. Mit Ewig hat sie mit Ehemann und Kumpel ein Trio aus der Taufe gehoben, das sich für die Tournee zum Sextett erweitert präsentierte. "Wir sind ewig" heißt vollmundig das Debütalbum, mit dessen Songs die Band ihr Set bestritt. Die deutschsprachigen Titel bedienen die Herz-Schmerz-Ästhetik des deutschen Schlagers, haben aber einen kräftigen Rock-Touch, und Jeanette Biedermann besitzt eine gute Stimme.

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Gerade die Stimme hatte zuletzt dem Pur-Frontmann Hartmut Engler Probleme bereitet, und so musste das eigentlich für Mitte Februar geplante Konzert um einen Monat verschoben werden. Jetzt ist Englers Stimme wieder voll da, anders hätte er die zweieinhalb Stunden kaum durchstehen, besser gesagt, durchsingen können.

Der ganz große Hype um Pur – die Band existiert im Kern, wenn auch anfänglich unter zwei anderen Namen, seit 1975 – hat sich mittlerweile gelegt; vorüber sind die Jahre, in denen Pur die Bremer Stadthalle (so hieß sie damals noch) mal zwei, mal drei Abende hintereinander ausverkauften. Rund um die Jahrtausendwende war das. Aber die Band hat treue Fans, die gerne noch einmal die eingängigen Refrains der Pur-Songs mitsingen wollen, und es sind auch durchaus junge Anhänger dazugekommen, die die Zeit der größten Erfolge noch gar nicht miterlebt haben können. Doch es überwiegen die Älteren, die mit der Band älter geworden sind. Jedenfalls war die ÖVB-Arena, immerhin um einiges größer als die frühere Stadthalle, bestens besucht, wenn auch nicht ausverkauft.

Das Septett schlendert wie üblich ziemlich unspektakulär auf die Bühne: Pur sind die netten, älter gewordenen Jungs von nebenan geblieben, die auf irgendwelche Starallüren verzichten können: Hier gibt es handgemachten Poprock mit deutschen Texten.

Der Abend startet natürlich mit dem neuen, Ende 2012 erschienenen Album, und zwar mit dem Titelsong "Schein und Sein" sowie anschließend einem ganzen Paket neuer Songs, darunter das überzeugende "Jedes Mal" und das anrührende "Leonie Tamina", bis der Ton bei dem ebenfalls neuen "Du lügst" härter wird, die Gitarren sich sägend ins Geschehen einmischen und die Keyboards übertönen. Ein guter Aufgalopp, aber man merkt, dass die Fans bei diesen neuen Songs noch nicht so textsicher sind. Es folgt der sogenannte "Unplugged"-Teil, und für den wechselt die Band von der Hauptbühne auf ein Quadrat in der Mitte der Halle.

Nun kommen akustische, aber natürlich verstärkte Instrumente zum Einsatz, inklusive eines Mini-Stutzflügels. Der "Unplugged"-Teil steht für ein ganzes Potpourri, das mit "Wenn sie diesen Tango hört" – ein Song der schon 25 Jahre alt ist – beginnt, dabei Hits wie "Seiltänzertraum", "Herzbeben", die berühmten "Indianer" und "Funkelperlenaugen" enthält. Da hält es die Zuschauer längst nicht mehr auf den Sitzen der Ränge: Alle singen enthusiastisch mit.

Umso überraschender gestaltet sich die Rückkehr zur Hauptbühne, denn hier wird als heftiger Umschwung zu machtvollem Sound der uralte Song "Kein Krieg", Purs radikales Bekenntnis gegen alle Kriege, angestimmt. Das ist nämlich die andere Seite der Band: Neben wohligen Erinnerungen an eine schöne Kinderzeit wie sie in "Indianer" oder dem später noch folgenden "Abenteuerland" zu finden sind, neben süffisanten Betrachtungen zum Älterwerden wie in "Ein graues Haar", bei dem dann wirklich alle zum Finale mitsingen, haben die Herren um Hartmut Engler durchaus engagierte politische Statements in ihrem Repertoire. Vielleicht steckt in diesem gelungenen Spagat das Erfolgsgeheimnis der Band. Dem Finale folgt ein ausgiebiger Zugabenteil: Da gibt es nichts zu meckern!

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