„Subjekte wie Objekte“

Dacapo veröffentlicht Publikation mit Arbeiten des Bremer Künstlers Gotthart Kuppel

Die Kulturorganisation Dacapo bringt mit „Subjekte wie Objekte“ einen Text- und Bildband mit Werken des in Bremen lebenden Künstlers Gotthart Kuppel heraus, welcher aus gefundenen Gegenständen Kunst macht.
10.01.2021, 05:00
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Dacapo veröffentlicht Publikation mit Arbeiten des Bremer Künstlers Gotthart Kuppel
Von Alexandra Knief

Es ist ein Werdegang, den man ruhigen Gewissens als ungewöhnlich beschreiben kann: Der 1946 in Bremen geborene Gotthart Kuppel war erst Judoprofi und Arzt, bevor er sich der Welt der Künste zuwandte. Und damit sind ziemlich viele Künste gemeint. Kuppel arbeitete als Schauspieler, Performer, Regisseur und Autor. Ja, Kuppel war sogar Schlappseilartist und blieb zuletzt an der Objektkunst hängen. „In die Bildende Kunst bin ich geraten wie ein kleiner Junge in den Wald“, sagt er selbst. „Zuerst hatte ich Angst, später fühlte ich mich sicherer; wenige Bäume wurden meine Freunde.“

In den vergangenen 20 Jahren hatte Kuppel Ausstellungen in Bremen, Berlin und seiner langjährigen zweiten Wahlheimat Teneriffa. Außerdem war er an Gruppenausstellungen unter anderem in Kuba beteiligt. Unter dem Dach der Bremer Kulturorganisation Dacapo (siehe Kasten) erscheint nun unter dem Titel „Subjekte wie Objekte“ ein zweisprachiger, rund 150 Seiten und Abbildungen umfassender Text- und Bildband, der einen Überblick über das künstlerische Schaffen Kuppels gibt. Er selbst gibt sich gleich in einem Vorwort des Buches bescheiden: „Zeichnen, malen, modellieren, schnitzen, fotografieren, etwas aus Stein schlagen und so weiter: kann ich alles nicht.“

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Was er allerdings kann: Dinge finden und sie dann so zusammenzufügen, dass es fast wirkt, als hätten sie schon immer zusammengehört. Wenn man mit Kuppel spazieren geht, erzählt Ingo Ahmels, neben dem Künstler selbst Mitherausgeber des Bandes, komme es nicht selten vor, dass dieser kurz innehalte, um ein neues Fundstück vom Boden aufzusammeln. Steine, alte Lumpen, Figuren, in die Jahre gekommenes Werkzeug, alte Bälle, schrabbelige Bürsten und vieles mehr findet sich im wachsenden Fundus des Künstlers. Einen alten Zinkteller, aus dem später die Arbeit „UndSieBewegtSichNoch“ wurde, hat Kuppel laut Ahmels während eines Gangs durch Prag entdeckt. Kombiniert mit zwei kleinen schwarzen Figuren wird der Teller zum Hamsterrad – oder zum leicht lädierten Erdball, auf dem der Mensch sich scheinbar endlos im Kreis zu drehen scheint.

Kuppels Kunst lässt den Betrachter Objekte als etwas Lebendiges erleben. Etwas, das macht was es will, wenn man gerade nicht so genau hinschaut. Dabei lassen seine Arbeiten stets Raum für Interpretationen, diese gibt der Künstler nämlich nicht vor. Eine Einordnung sei „nicht meine Sache“, schreibt er selbst im Prolog zum Buch. „Das können andere tun.“ Und doch gibt er mit seinen oft mehrdeutigen und nicht selten zum Schmunzeln anregenden Werktiteln kleine Orientierungspunkte und stellt mit ergänzenden Zitaten berühmter Persönlichkeiten im Buch gewisse Zusammenhänge her.

Alte Puppenfiguren komplett dunkel bemalt

Aus seinen Fundstücken baut Kuppel ganz unterschiedliche Assemblagen: an Miniaturen erinnernde Konstrukte, Skulpturen, zweidimensionale Arbeiten aus Sandpapier, tierähnliche Objekte und sogar menschliche Figuren. Das Werk „ZielGerade“ zum Beispiel besteht aus einem Kleiderbügel aus Holz. Der Holzteil wird zum Wanderweg einer kleinen Figur mit Hut und Rucksack. Der metallene Bügelteil zu seinem Wanderstock. In seinen Reihen „SchwarzMalerei“ und „SchwarzSehen“ hat er alte Puppenfiguren komplett dunkel bemalt und sie in Situationen gebracht, die vor allem Hoffnungslosigkeit ausstrahlen. Und unter dem Motto „UnTiere“ versammeln sich fabulöse Gestalten wie der „KurzBeinKlagWurz“.

Sobald Corona es zulässt, soll es eine Einzelausstellung mit Werken von Gotthart Kuppel geben, verrät Ingo Ahmels. Aktuell suche man hierfür noch nach einem Partner. Und auch, wenn Kuppel selbst behauptet, dass er viele Dinge nicht könne: Finden und (Zusammen)Fügen gelingt ihm ziemlich gut. Und auch das macht einen Künstler aus.

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Zur Sache

Die Organisation Dacapo

Die Bremer Kulturorganisation Dacapo (Eigenschreibweise :dacapo:) wurde vor 35 Jahren gegründet und widmete sich der zeitgenössischen Musik im umfassenden Sinne: Jazz, außereuropäischer Musik, Neuer Musik, Werken der klassischen Traditionen von Japan bis Wien. Über 500 Konzerte, Projekte, Aktionen und Kurse kamen mithilfe diverser Bremer Partner vom Übersee-Museum über das Institut Français bis zum Theater Bremen und der Kunsthalle zustande. Bis 2002 wurde die Organisation auch von der Bremer Kulturbehörde unterstützt. In den vergangenen Jahren pausierte die Konzertreihe, es wurde etwas ruhiger um Dacapo. Das :ensemble dacapo: entwickelte aber weiter eigene Musiktheaterprojekte. Auch Ingo Ahmels – Dacapo-Gründer, Klangkünstler, Pianist, Hans Otte-Biograph und hauptberuflich Lehrer – verfolgte weiter eigene Kunstprojekte.

Mithilfe von Spenden konnte sich Dacapo im Blockland nach und nach ein eigenes Atelier für Kunstprojekte aufbauen, das künftig auch als kleiner Veranstaltungsraum für Theater, Musik, Kunst sowie ein Kurs- und Workshop-Angebote genutzt werden soll. Hier befindet sich zudem das musikwissenschaftliche Dacapo-Archiv mit über 1500 audiovisuellen Dokumenten des Bremer Musiklebens seit 1985.

Ein weiteres Vorhaben der Organisation steht im Herbst an. Dann nämlich soll das aufgeschobene Projekt „Sound of Sounds – Hans Otte“ mit einer Reihe von Konzerten, Klanginstallationen, Musiktheateraufführungen, Vorträgen und Ausstellungen in mehreren portugiesischen Städten stattfinden. Ahmels hat das Projekt einige Jahre lang gemeinsam mit dem Goethe-Institut vorbereitet. Auch in Bremen soll es hierzu voraussichtlich einige Veranstaltungen geben.

Weitere Informationen

„Subjekte wie Objekte“ soll im März in den Handel kommen. Eine Vorabbestellung per E-Mail an dacapo@blockland.de ist möglich. Die Kosten betragen 22 Euro inklusive Versand.

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