Literatur

Subversive Samtpfote

Unlängst wurde für eine Rekordsumme die Originalzeichnung eines Comic-Covers versteigert. Es zeigt Fritz the Cat, einen asozialen Kater, dem der Reprodukt-Verlag jetzt eine Neuausgabe beschert.
02.08.2017, 16:22
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Subversive Samtpfote
Von Hendrik Werner

Vergesst Garfield (fett, faul, gefräßig)! Vergesst Jerrys Gegenspieler Tom (neidisch, cholerisch, hysterisch)! Hier kommt Fritz (arbeitsscheu, drogen- und sexsüchtig). Gegen ihn sind andere Kater, nun ja, Milchbubis. Drei Monate ist es nur her, dass das asoziale Geschöpf auf dem Kunstmarkt für Furore sorgte. In den USA wurde ein 1969 von Robert Crumb gezeichnetes Fritz-Cover für umgerechnet 640.000 Euro versteigert. So viel erzielte eine Originalzeichnung aus einem US-Comic nie zuvor.

Hübsche Fügung, dass dieses Bild in einer pittoresk kolorierten Variante den Einband der Neuauflage von „Fritz the Cat“ schmückt, die just im Reprodukt-Verlag erschienen ist. Zu sehen ist, wie Hedonist Fritz auf einem von Zigarettenkippen umflorten Sofa einer Miezekatze forsch die Hand in das Dekolleté schiebt. Das ist geschlechterpolitisch natürlich überhaupt nicht korrekt, bereitet den Leser aber darauf vor, was er im Buchinneren zu erwarten hat: Eskapaden und Exzesse, Wahnsinn und Verbalinjurien. Fritz' subversiv gestimmter Schöpfer, Illustrator Robert Crumb (Jahrgang 1943) gilt als Wegbereiter der für das Genre wichtigen Underground-Comic-Bewegung, die Mitte der 60er-Jahre in den USA entstand.

Dem Vernehmen nach ähnelt Fritz einem real existierenden Tier, das im Besitz des Künstlers war. Rekonstruierbar ist das nicht; als der kätzische Klassiker entstand, experimentierte Crumb mit Drogen. Seiner Kreativität abträglich war das nicht: Sowohl der antiautoritäre Gestus des Werks als auch die sporadisch psychedelische Anmutung der Strips erinnern an den deutschen Comic-Künstler Gerhard Seyfried, der eine ähnlich bewegte Vergangenheit hat.

Robert Crumb: Fritz the Cat. Reprodukt, Berlin. 128 Seiten, 29 €.
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