Horn-Lehe Tastenzauber begeistert

Bremen. Das Klavierkonzert in c-Moll KV 491 zählt zu den technisch anspruchsvollsten Beiträgen von Wolfgang Amadeus Mozart zu dieser Gattung. Gleichwohl gehört es zum Standardrepertoire.
23.10.2016, 00:00
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Von Michael Pitz-Grewenig

Bremen. Das Klavierkonzert in c-Moll KV 491 zählt zu den technisch anspruchsvollsten Beiträgen von Wolfgang Amadeus Mozart zu dieser Gattung. Gleichwohl gehört es zum Standardrepertoire. Wenn sich allerdings der umjubelte Pianist Lang Lang und der Dirigent Paavo Järvi zu einem „Gipfel“ treffen, dann verheißt das Spannung pur. Die beiden Sonderkonzerte „Tastenzauber“ in Bremen und in Duisburg waren folglich schnell ausverkauft. Wer Außerordentliches erwartete, wurde nicht enttäuscht.

Paavo Järvi gab sich als Mozart-Dirigent nicht unelegant, wie schon bei der Ouvertüre zu Mozarts Oper Don Giovanni zu hören war. Er legte auch beim Klavierkonzert Wert auf analytischen Tiefgang und gab dem Orchesterpart Profil. Man hörte wirklich jedes Detail gestochen scharf. Die Wahl der Tempi war zügig, aber nicht gehetzt. Lang Lang, der vor einiger Zeit eine bemerkenswerte Einspielung dieses Konzertes mit dem kürzlich verstorbenen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt vorgelegt hatte, dialogisierte sorgsam mit den, unter musikalischer Hochspannung stehenden Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Herauskam eine atemberaubende Konversation. Wie Lang Lang sein Instrument zum „Reden“ brachte, wie vehement und differenziert er gelassene Unbekümmertheit vor Abgeklärtheit stellte, das war ein ganz besonderes Hörerlebnis. Mit seiner äußerst empfindsamen Tongebung gelang es ihm, die strukturelle Entwicklung und die Klarheit der Führung der Stimmen gleichermaßen voranzutreiben. Als Zugabe lieferte Lang Lang eine faszinierend einheitliche und im Gestus verblüffend entschlackte Interpretation von George Gershwins 3. Präludium. Bei der 2. Sinfonie in D-Dur von Johannes Brahms bot Paavo Järvi und sein Orchester nicht nur eine technisch überzeugende und virtuose Leistung, sondern auch eine sich unmittelbar erschließende persönliche Sichtweise, die auch das melancholische Element, das diesem Werk innewohnt, durch eine zarte Lebendigkeit des Ausdrucks und durch Belebung und Verdeutlichung des Gegeneinanders des Stimmgewebes entfaltet.

Schon im ersten Satz entstand ein in sich ruhendes Klangbilde von enormer Bestimmtheit, bei dem die Phrasierung die großen thematischen Linien bewahrte und ein langer Atem den großen Bogen garantierte. Beim 2. Satz wurde noch deutlicher, wie genau Järvi die Partitur studiert hatte. Er wurde zu Recht als Zentrum erkannt und ohne Weihrauch mit größter Sorgfalt straff und zugleich sensibel interpretiert. Deutlich erschienen auch hier die scheinbar gegen den Strom der Musik geführten Nebenstimmen, die die Atmosphäre der untergründigen Labilität intensivierte. Scherzo und Finale wurden zu einem Musterbeispiel dafür, wie eine stringente Formentfaltung sich anhört.

Die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie strahlten und das Publikum im großen Saal der Glocke war begeistert. Als Zugabe erklang ein rauschender 5. Ungarischer Tanz von Johannes Brahms und zauberhafte Tänze aus dem Ballett „Bergakungen“ des schwedischen Komponisten Hugo Alfvén. Ein großer Konzertabend, der lange in Erinnerung bleiben wird und ein überzeugendes Plädoyer für das derzeitige Brahms-Projekt der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

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