Tatort-Kritik Gespenster in Weimar

In ihrem aktuellen Fall „Der feine Geist“ ist Kommissarin Kira Dorn auf sich allein gestellt. Sie ermittelt in der Security-Branche, während ihr Partner Lessing im Krankenhaus liegt. So heißt es jedenfalls.
31.12.2020, 09:00
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Gespenster in Weimar
Von Iris Hetscher

Wie soll man mit einem Fernsehkrimi umgehen, bei dem der produzierende Sender selbst fleißig spoilert? So geschehen bei „Der feine Geist“ (ARD, Neujahr, 20.15 Uhr), dem neuen Fall des Teams Lessing/Dorn aus Weimar, das streng genommen kein Team mehr ist. Denn Kira Dorn (Nora Tschirner) ermittelt alleine in einer Mordserie. Auf ihren Partner und Ehemann Lessing (Christian Ulmen) wird zu Beginn in einer schummrigen Höhle geschossen – und die MDR-Pressestelle posaunte weit vor dem Ausstrahlungstermin Folgendes in die Welt: „Der Tod unseres Kommissars Lessing und die Fortführung seiner Figur als Geist war ein kreativer Vorschlag von Christian Ulmen“.

Nun denn. Dem Zuschauer wird der Tod Lessings bis kurz vor Schluss verschwiegen; ein Streifschuss am Arm entzündet sich, er muss in die Klinik. Heißt es lange in „Der feine Geist“. Freunde des skurrilen Humors, der seit 2013 im Weimar-„Tatort“ so schön gepflegt wird, kommen trotz dieser Spoilerei auf ihre Kosten. Denn abgesehen von dem Lessing-Mega-Twist gibt es noch eine ganze Reihe kurioser Winkelzüge, irrwitziger Nebenhandlungen und Wortspielereien, wie immer erdacht von Drehbuchautor Murmel Clausen. Geister spielen auch ansonsten tragende Rollen.

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Aufgeklärt werden muss der Tod von Ludger Dollstädt, Geschäftsführer von „Geist (!) Security“, einer Firma, die sich auch als WG versteht. Dort hat man sich aber nicht so lieb, wie es Dollstädts Kompagnon John Geist (Roland Zehrfeld) Kira Dorn weismachen will. Bald liegt ein zweiter Mitarbeiter mit Kopfschuss auf einer Treppe. Hinzukommen merkwürdige Vorgänge rund um Papageien, eine liebestolle Abteilungsleiterin (Inga Busch), fatale Vorgänge bei einem Konzert der Band „Wompies“. Außerdem will sich Dorns Chef Kurt Stich (Torsten Merten) zur „Cyberforce“ der Thüringer Polizei versetzen lassen. „Glaube heißt, nicht wissen wollen, was wahr ist“, zitiert der verblichene Lessing Nietzsche. Ob es so geistreich weitergeht in Weimar, ist noch nicht geklärt. Sagt die MDR-Pressestelle.

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