Krimi-Kritik „Tatort“ aus Stuttgart: Im Schweinsgalopp abgehandelt

Der Stuttgarter „Tatort“ dreht sich um ein alternatives Wohnprojekt, dessen Mitglieder sich mit einer Frauenleiche konfrontiert sehen. Lannert und Bootz ermitteln in dem Milieu, in dem man Auren reinigt.
17.01.2021, 05:00
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„Tatort“ aus Stuttgart: Im Schweinsgalopp abgehandelt
Von Silke Hellwig

Wer gerne Vorurteile pflegt, ist bei dieser „Tatort“-Episode richtig: „Das ist unser Haus“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) dreht sich um ein gemeinschaftliches Wohnprojekt in spießiger Umgebung in Stuttgart, dessen Mitglieder so gut wie jedes Klischee erfüllen. Mit offensichtlicher Hingabe haben die Autoren Daniel Bickermann und Dietrich Brüggemann (auch Regie) das Milieu nachgezeichnet, indem man sich mehr erträumt, als in einer Reihenhaussiedlung Nachbarschaft über den Gartenzaun zu pflegen. Die Bewohnerinnen und Bewohner diskutieren in Gruppensitzungen über Entscheidungen und Befindlichkeiten aller Art und reinigen das Haus von negativer Energie.

Wie weit Wirklichkeit und Ideal auseinanderklaffen, zeigt sich, als bei Reparaturarbeiten am Fundament eine Frauenleiche gefunden wird. Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ermitteln – ein angenehmes Team, das in seiner Nüchternheit wie aus einem Paralleluniversum in die Wohngemeinschaft platzt. Schnell zeigt sich, dass es Spannungen unter diversen Bewohnern gibt. Die Tote wird als ehemalige Mitstreiterin identifiziert, die ihr Veto gegen einen potenziellen Mitbewohner (überraschender Einsatz von Heinz Rudolf Kunze) eingelegt hat.

Die Milieuschilderung ist zur Parodie überspitzt, recht vorhersehbar und damit mäßig unterhaltsam. Das Ensemble schlägt sich tapfer. Allerdings bleibt der Kriminalfall auf der Strecke: Die Auflösung ist überraschend, aber hanebüchen und wird im Schweinsgalopp abgehandelt. Das sorgt in der Summe – um im Bild zu bleiben – für negative Schwingungen.

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